Beim Anhydritboden zählt der gemessene Feuchtewert
Anhydritboden ist der Estrich unter einem späteren Belag; die Produkt-Einsatz-Matrix von Sika Schweiz nennt ihn Anhydritestrich. Bevor sie ihre Grundierungen vor Platten- und Abdichtungsarbeiten freigibt, verlangt sie ihn angeschliffen, abgesaugt und auf höchstens 0,5 Prozent Restfeuchte, gemessen als CM-Wert. Für die Feldgrössen verweist sie auf SIA 251. [1]
Redaktionell geprüft: 14. August 2026
Was eine einzige Tabelle hergibt
- Zwei Zeilen führt die Matrix zum Anhydritestrich, eine für den unbeheizten und eine für den beheizten Boden. [1]
- Beide verlangen denselben Feuchtewert, nämlich höchstens 0,5 Prozent nach CM. [1]
- Unbeheizt ist die Feldgrösse in rechteckigen Räumen unbegrenzt, beheizt liegt sie bei höchstens 8 Metern, jeweils mit Verweis auf die Norm SIA 251. [1]
- Beim beheizten Boden kommen das vorgängige Aufheizen und ein Heizprotokoll dazu. [1]
Zwei Zeilen, die den Boden zur Bedingung machen
Die geprüfte Quelle ist die Produkt-Einsatz-Matrix Plattenwerkstoffe der Sika Schweiz AG, Tüffenwies 16 in Zürich, ein PDF mit Erstellungsdatum 31. Januar 2025 und Änderungsdatum 10. Februar 2025. [1] Sie ordnet Untergründen die Vorbehandlung und die Produkte zu, und für den Anhydritestrich hat sie zwei Zeilen. Die erste, unbeheizt:
«Estrich anschleifen und absaugen. ≤ CM 0.5%. In rechteckigen Räumen Feldgrösse unbegrenzt (vgl. Norm SIA 251). Bewegungsfugen vorsehen.» [1]
Die zweite, beheizt, wiederholt Vorbehandlung und Feuchtewert und ändert zwei Dinge:
«Estrich anschleifen und absaugen. ≤ CM 0.5%. Max. Feldgrösse 8 m (vgl. Norm SIA 251). Bewegungsfugen vorsehen. Estrich vorgängig aufheizen, Heizprotokoll.» [1]
Der Feuchtewert bleibt also gleich, ob eine Heizung im Boden liegt oder nicht. Verschieden sind die Feldgrösse und die Vorgeschichte: Beim beheizten Boden verlangt die Matrix, dass er vorher aufgeheizt wurde, und ein Protokoll darüber. Für die Feldgrössen zieht sie in beiden Zeilen die Norm SIA 251 des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins bei. [3] Deren Text liegt diesem Eintrag nicht vor, SIA-Normen werden kostenpflichtig abgegeben; zitiert ist hier ausschliesslich, dass Sika Schweiz auf sie verweist, nicht was in ihr steht. Wie oft im Lexikon eine Nummer bekannt ist und ihr Inhalt nicht, zeigt SIA-Normen. Zur Grundierung selbst nennt die Matrix eine einzige Angabe, nämlich dass sie «1:1 mit Wasser verdünnt» angesetzt wird [1]; was eine Grundierung überhaupt leistet, steht unter Grundierung, Tiefgrund und Haftgrund.
Was CM 0,5 Prozent sagt und was nicht
Dass CM für die Calciumcarbid-Methode steht und dass die 0,5 Prozent einen Feuchtegehalt meinen, ist die Lesart unserer Recherche. Die Matrix selbst schreibt nur «≤ CM 0.5%», löst die Abkürzung nicht auf und beschreibt das Verfahren nicht. [1]
Die 0,5 Prozent nach CM sind die Bedingung, die ein Hersteller für seine eigenen Produkte setzt, und kein allgemeiner Grenzwert für Anhydritböden. [1]
Ein Feuchtewert entsteht in einem Verfahren und an einem bestimmten Tag, und die Zahl allein sagt nichts darüber, wie sie zustande kam. Wer sie auf einem Protokoll liest, hat deshalb zwei Fragen zu stellen: nach dem Verfahren und nach dem Datum.
Die Quelle kommt aus einem anderen Sortiment
Das geprüfte Dokument gehört nicht zum Malersortiment. Es behandelt Grundierungen und Abdichtungen vor Fliesen-, Naturstein- und Abdichtungsarbeiten, und die Produkte darin sind Primer und Abdichtungen. [1] Für den Anhydritboden ist das trotzdem die beste Auskunft, die diesem Eintrag vorliegt. Dass die Vorbehandlung des Untergrunds anfällt, bevor irgendein Gewerk darauf arbeitet, ist dabei unsere Überlegung und kein Satz aus der Matrix.
Auf der Malerseite ist die Lage dünner, und das lässt sich an einem Blatt zeigen. Das technische Merkblatt der Bosshard-Farben AG zu Boscapox Aqua 2K-Emaille 4000, einer Bodenbeschichtung für Keller, Werkstätten und Garagen, zählt seine zulässigen Untergründe einzeln auf, und Anhydrit steht in dieser Aufzählung nicht. [2] Daraus folgt nicht, dass es nicht ginge; es folgt, dass dieses Blatt dazu nichts sagt. Welche Untergründe es nennt und was es für den Betonboden sagt, steht unter Garagenboden beschichten, den Oberbegriff samt der übrigen Systeme führt Bodenbeschichtung.
Nach einer Schweizer Quelle, die speziell für Malerbeschichtungen auf Anhydritboden schreibt, hat die Recherche zu diesem Eintrag gesucht und keine gefunden. Die Frage bleibt damit offen.
Estrich meint hier nicht den Raum unter dem Dach
Die Matrix eines Schweizer Herstellers, geschrieben für den Schweizer Markt, nennt den Bodenaufbau in beiden Zeilen Estrich und Anhydritestrich. [1] Im Schweizer Alltag zeigt dasselbe Wort nach oben, in den Raum unter dem Dach, und für den Bodenaufbau steht Unterlagsboden. Die Wörterbuchbelege dafür liegen bei Estrich, Unterlagsboden, Täfer; für diesen Eintrag sind sie nicht nachgeprüft, festgehalten ist hier allein der Sprachgebrauch der eigenen Quelle.
Der Begriff steht damit auf zwei Ebenen: Auf dem Papier des Bauteams heisst er Anhydritestrich, im Gespräch mit der Bauherrschaft Unterlagsboden. Solange nur das Wort verwechselt wird, klärt eine Rückfrage die Sache. Wer die Zuständigkeit verwechselt, ruft das falsche Gewerk an, denn der Boden gehört dem Bodenleger. Wie eine solche Gewerkgrenze mitten durch eine Fläche läuft, zeigt Innenputz oder Malerarbeit.
Offengelegte Grenzen dieser Quellenlage
- Zwei der drei Quellen sind Herstellerdokumente, die dritte ist nur als Nummer bekannt. Eine Verbands- oder Amtsquelle zum Anhydritboden liegt diesem Eintrag nicht vor.
- Der Sachkern besteht aus zwei Tabellenzeilen eines einzigen Dokuments. Ob ein zweiter Hersteller denselben Wert verlangt, ist nicht geprüft.
- Die Auflösung der Abkürzung CM stammt nicht aus der Quelle, sondern aus der Recherche zu diesem Eintrag, und steht im Text als solche.
Was das auf deinem Blatt bedeutet
Steht auf einem Angebot oder in einem Baubeschrieb Anhydritboden, dann ist die eine Zahl, die du brauchst, der gemessene Feuchtewert samt Datum und samt der Angabe, wer gemessen hat. Bei beheizten Böden kommt das Heizprotokoll dazu, das die Matrix ausdrücklich verlangt. [1] Beides sind Dokumente, die vor der Arbeit entstehen und danach nicht mehr nachzuholen sind.
Für die Malerarbeit über dem Boden ändert das nichts an der Fläche und viel an der Reihenfolge: Wer Sockelleisten oder Wandanschlüsse streichen lässt, während der Boden noch offen ist, arbeitet an einem Bauteil, das ein anderes Gewerk noch nicht abgeschlossen hat. Wo Feuchtigkeit dagegen sichtbar an Wand oder Decke auftritt, ist die Frage eine mietrechtliche und keine des Untergrunds; sie steht unter Muss ich Feuchtigkeitsflecken melden.
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Quellen
- Sika Schweiz AG: Tüffenwies 16, 8048 Zürich: «Produkt-Einsatz-Matrix Plattenwerkstoffe», Grundierungen und Abdichtungen vor Fliesen-, Naturstein- oder Abdichtungsarbeiten, PDF, Erstellungsdatum laut Metadaten 31.01.2025, geändert 10.02.2025.
- Bosshard-Farben AG: Ifangstrasse 97, 8153 Rümlang: Technisches Merkblatt «Boscapox Aqua 2K-Emaille 4000», Artikel 15540, datiert 6.6.25.
- SIA Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein: Norm SIA 251.
Stand und Verantwortung
Inhaltlich geprüft am 14. August 2026. Verantwortlich: Redaktion malerofferte.ch.
In eigener Sache
Wir vermitteln Offerten von Malerbetrieben und verdienen daran. Dieser Eintrag schickt einen Teil seiner Leser zum Bodenleger, also aus unserem Geschäft heraus, und rät zugleich dazu, ein Protokoll zu verlangen, bevor jemand eine Offerte schreibt. Beides folgt aus der Quelle. Dass wir am Ende dieser Seite trotzdem Angebote anbieten, gehört an dieser Stelle gesagt.
Sollen über dem Boden Wände, Decken oder Anschlüsse gestrichen werden, findest du über malerofferte.ch Betriebe aus deiner Region, die dafür offerieren. Den Unterlagsboden selbst offeriert ein anderes Gewerk.
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