Türblatt und Türzarge sind zwei Positionen
Beim Streichen einer Tür entstehen mehrere Positionen. Das Türblatt wird nach den Ausmassbestimmungen der SIA 118/257 pro behandelte Seite gemessen, Türzargen und Türrahmen dagegen in Laufmetern, und Beschläge zählen pro Stück. [1] Im NPK 675 trägt die Tür die Ziffer 540, die Zarge die Ziffer 530. [1] Blatt und Zarge sind damit zwei Zeilen und nicht eine.
Redaktionell geprüft: 14. August 2026
Was an einer Tür wie gezählt wird
- pro behandelte Seite | so wird ein Türblatt gemessen, Gläser und Füllungen werden nicht abgezogen, Ziffer 5.2.2 [1]
- Laufmeter | Einheit für Türzargen und Türrahmen, unter Angabe der Abwicklung, Ziffer 5.2.3 [1]
- 0,05 m | ab dieser Tiefe kommt ein Türfalz zusätzlich ins Ausmass, Ziffer 5.2.2 [1]
- 540 und 530 | die zwei Ziffern, unter denen Tür und Zarge im NPK 675 stehen [1]
Warum eine Tür im Leistungsverzeichnis auseinanderfällt
Wer in der Schweiz eine Malerofferte nach Normpositionen aufbaut, findet die Tür nicht an einer Stelle. Das Merkblatt E Nr. 1 des Schweizerischen Maler- und Gipserunternehmer-Verbands, Artikelnummer 2498, Stand September 2024, druckt auf seinen letzten Seiten die Gliederung des Kapitels NPK 675 «Maler- und Tapezierarbeiten innen» ab. [1] Die Hundertergruppe 500 heisst dort «Beschichtungen auf Fenstern, Türen, Aufzügen und Schutzraum-Bauteilen» und zerfällt in mehrere Zehnergruppen, von denen zwei die Tür betreffen: «530 Türrahmen, Türfutter und Türzargen» und «540 Türen, Tore und Aufzüge». [1] Das Blatt und der Rahmen, in den es eingehängt ist, stehen also unter verschiedenen Nummern, und im Aussenkapitel NPK 676 wiederholt sich dieselbe Trennung. [1]
Dieselbe Trennung läuft über die Masseinheit. Ziffer 5.2.2 der SIA 118/257 sagt, wie der Verband sie abdruckt: «Türblätter, Aufzugstüren (Schachttüren) und Tore, Rollläden, Jalousien und Fensterläden werden pro behandelte Seite gemessen. Gläser, Füllungen und dgl. werden nicht abgezogen.» [1] Das Blatt ist damit eine Fläche. Ziffer 5.2.3 führt in ihrer Aufzählung der Bauteile, die «unter Angabe der Abwicklung in Laufmeter gemessen» werden, unter anderem «Türzargen und Türrahmen, Rahmen von Aufzugstüren (Schachttüren)». [1] Die Zarge ist damit eine Länge. Und Ziffer 5.2.4 erfasst «Kleinteile (z. B. Beschläge, Kloben, Anschlagköpfe, Anziehhaken, Rückhalter)» pro Stück. [1] Drei Bauteile einer einzigen Tür, drei Masseinheiten.
Die Norm selbst liegt dieser Redaktion nicht vor; sie wird kommerziell vertrieben. Belegt ist, dass der Verband diese Sätze unter der Überschrift «Originaltext SIA 118/257» abdruckt, und so sind sie hier zitiert. Nach welchem Regelwerk in der Schweiz überhaupt gemessen wird und wann es für deinen Vertrag gilt, steht unter Ausmassregeln für Maler; dort steht auch die Regel für den Abschluss am Boden, an dem die Wandfläche aufhört, nämlich dass Sockelleisten bis 0,10 Meter Höhe nicht abgezogen werden und darüber als Ganzes.
Die zweite Seite und der Falz
An «pro behandelte Seite» hängt der grösste Unterschied zwischen zwei Angeboten. Eine Zimmertür, die nur im Korridor gestrichen wird, ist eine Seite; dieselbe Tür in beiden Räumen ist zwei. Die Fläche verdoppelt sich, das Bauteil bleibt dasselbe, und aus der Zeile «5 Türen» lässt sich nicht ablesen, welcher der beiden Fälle gemeint ist.
Der zweite Punkt ist kleiner und steht bei niemandem im Kopf. Zur Regel über Bauteile, die in der Projektion gemessen werden, bildet das Merkblatt eine Zeichnung mit der Beschriftung ab: «Seiten von Teilen > 0,05 m, z. B. Türfalz > 0,05 m, in der Projektion als Ganzes messen und zusätzlich ins Ausmass aufnehmen.» [1] Der Falz ist die Stufe im Rand des Blattes, mit der die Tür in der Zarge anschlägt. Ist sie tiefer als fünf Zentimeter, kommt sie als eigene Fläche dazu, und zwar als Ganzes.
Ein Preis für «eine Tür» sagt nichts, solange nicht dabeisteht, ob die zweite Seite des Blattes und die Zarge darin stecken. [1]
Dass Gläser und Füllungen nicht abgezogen werden, heisst nicht, dass sie gleich viel Arbeit machen. Wie viele Felder ein Türblatt hat, ordnet der Anhang des Merkblatts in vier Klassen, und die entscheiden über die Ausschreibung, nicht über die Fläche; das steht unter Strukturklassen.
Holzblatt, Stahlzarge, zwei Systeme
Die zwei Positionen sind oft auch zwei Untergründe. In vielen Schweizer Wohnungen hängt ein Blatt aus Holz oder Holzwerkstoff in einer Zarge aus Stahl, und für die zwei gilt nicht derselbe Aufbau.
Für das Holzblatt führen zwei technische Merkblätter der Bosshard-Farben AG in Rümlang «Türen» ausdrücklich in ihrem Anwendungsbereich. Der PigaSil Filler, Artikel 50010, ist laut Blatt ein «thixotroper Vorlack für Innen- und Aussenanstriche auf Holz und Holzwerkstoffen wie Jalousieläden, Fenster, Garagentore, Riegel, Türen, Fensterrahmen usw.» [3] Der Alligator Aussenvorlack 7500, Artikel 02200, nennt dieselbe Bauteilreihe, gilt aber nach seinem eigenen Wortlaut für Aussenanstriche auf grundierte Bauteile. [4] Für eine Zimmertür kommt also nur eines der beiden in Frage, und welches, entscheidet nicht das Bauteil, sondern das Gebinde. Was dieselben zwei Blätter am Tor und am Fensterflügel bedeuten, steht unter Garagentor aus Holz oder aus Metall und unter Holzfenster streichen; welche Sorte Lack überhaupt auf Holz gehört, unter Holzlack.
Für die Stahlzarge liegt eine andere Art Quelle vor. In der Fachzeitschrift applica, Ausgabe 1/2019 mit dem Schwerpunkt Metallbeschichtung, schreibt Ruedi Anliker jun., laut Autorenzeile Bereichsleiter Forschung und Entwicklung der Rupf & Co. AG: «Stahlflächen im Innenbereich wie Türen, Schränke, Heizkörper, Rohre usw. können direkt mit 1K- oder 2K-Decklacken auf Lösemittel- oder Wasserbasis beschichtet werden», und weiter: «Zum Beispiel werden Türzargen aus Stahl oft direkt mit 2K-PUR-Decklacken beschichtet.» [2] Das ist ein Fachartikel mit benanntem Autor aus der Lackindustrie und keine Verbandsregel, der Stand ist 2019, und der Satz gilt nach dem Artikel für geheizte Innenräume mit neutraler Belastung. Für ein Bauteil im Freien oder in einem Raum mit ständiger Kondensation sagt er nichts; wie die Einteilung dahinter aussieht, also die Korrosivitätskategorien desselben Artikels, steht unter Metallzaun streichen.
Fünf Türen, nachgerechnet
Fünf gleich grosse Zimmertüren, 0,90 Meter breit und 2,00 Meter hoch, alle beidseitig gestrichen. Das Blatt misst 1,80 Quadratmeter, mal zwei behandelte Seiten sind 3,60 Quadratmeter je Tür und 18,00 Quadratmeter für alle fünf. [1] Die Zarge läuft daneben in Laufmetern: einmal quer oben und zweimal senkrecht, also 0,90 plus 2,00 plus 2,00, macht 4,90 Laufmeter je Tür und 24,50 Laufmeter für fünf. [1] Dazu kommen die Beschläge pro Stück. [1] Aus fünf Türen werden so drei Zahlen in drei Einheiten, und keine davon ist die Zahl fünf.
Wer nur eine Seite streicht, halbiert die erste Zahl und lässt die zweite unverändert. Die Masse der Türen sind hier frei gewählt und stehen in keiner Quelle; die drei Regeln daneben stehen in den Ziffern 5.2.2, 5.2.3 und 5.2.4, wie das Merkblatt sie abdruckt. [1] Zur Länge der Zarge gehört nach Ziffer 5.2.3 ausserdem die Abwicklung, also die Breite des Profils quer gemessen; wie diese zweite Achse funktioniert, steht unter Geländer streichen.
Offengelegte Grenzen dieser Quellenlage
- Zwei der vier Fundstellen gehören demselben Hersteller und beschreiben die Bedingungen, unter denen er für sein eigenes Erzeugnis geradesteht.
- Die Aussage zur Stahlzarge stammt aus einem Fachartikel von 2019 mit einem deutschen Normbezug, nicht aus einer Schweizer Verbandsschrift. Der SMGV führt nach der eigenen Recherche dieser Redaktion überhaupt kein eigenes Merkblatt zu Metall.
- Zum Preis eines Türanstrichs, zur Zahl der Anstriche und zur Dauer liegt keine geprüfte Quelle vor. Auf dieser Seite steht dazu nichts.
Woran du siehst, ob die Zarge mitgerechnet ist
Drei Stellen lohnen den Blick, und alle drei kosten vor der Unterschrift nichts. Steht neben den Quadratmetern für die Blätter eine zweite Zeile in Laufmetern, ist die Zarge erfasst; fehlt sie, frag nach, ob sie im Quadratmeterpreis steckt oder gar nicht angeboten ist. Steht bei den Blättern die Zahl der behandelten Seiten, lässt sich die Fläche nachrechnen; steht dort nur eine Stückzahl, lässt sie sich nicht nachrechnen. Und wenn die Offerte mit Positionsnummern arbeitet, sagen dir 540 und 530, dass beide Bauteile eigene Zeilen haben. [1]
Ob die Zahl daneben später noch einmal nachgemessen wird, entscheidet nicht die Ausmassregel, sondern die Mengenart, und ob dich die Endsumme bindet, entscheidet die Preisabrede, siehe Offerte oder Kostenvoranschlag. Wie die Positionen insgesamt aufgebaut sind, steht im Leistungsverzeichnis.
Verwandte Begriffe
- Fensterrahmen streichen: Wird der Fensterrahmen mitgestrichen?
- Lack: Lack, eingeteilt nach Bindemittel und Verdünnung
- Küchenfronten streichen: Küchenfronten streichen, eine Platte und kein Holz
Quellen
- SMGV, Schweizerischer Maler- und Gipserunternehmer-Verband: Oberwiesenstrasse 2, 8304 Wallisellen, Merkblatt E Nr. 1 «Erläuterungen und Darstellungen zu den SIA-Ausmassbestimmungen für Malerarbeiten. Inkl. Entscheidungsschemas NPK 675 und NPK 676», Artikelnummer 2498, Stand September 2024, 28 Seiten. Verbandsquelle Schweiz, als PDF geladen und im Volltext ausgewertet. Kapitel 5 gibt nach Angabe des Herausgebers den Originaltext der Norm SIA 118/257 wieder; die Norm selbst wurde nicht beschafft, insoweit zweite Hand. Die Gliederung von NPK 675 und NPK 676 ist im Merkblatt abgedruckt, der Katalog selbst ist kostenpflichtig und liegt nicht vor.
- Anliker, Ruedi jun.: (Bereichsleiter Forschung und Entwicklung der Rupf & Co. AG), «Korrosionsschutz und wässrige Systeme», applica 1/2019, Seiten 23 bis 27, Archiv des SMGV. Fachpresse Schweiz mit benanntem Autor aus der Lackindustrie, Stand 2019, im Volltext geprüft. Keine Verbandsregel und keine Norm. Die im Artikel benannte Bezugsnorm DIN EN ISO 12944 ist eine deutsche und europäische Norm und wird hier nur als die vom Autor genannte Grundlage wiedergegeben.
- Bosshard-Farben AG: Ifangstrasse 97, 8153 Rümlang, Technisches Merkblatt «PigaSil Filler», Artikel 50010, Datierung im Dokument 15.1.25. Herstellerdokument, Schweizer Hersteller, im Original-PDF geprüft. Hier ausschliesslich für die Nennung von «Türen» im Anwendungsbereich verwendet.
- Bosshard-Farben AG: (Rümlang), Technisches Merkblatt «Alligator Aussenvorlack 7500», Artikel 02200, Datierung im Dokument 4.6.25. Herstellerdokument, Schweizer Hersteller. Dasselbe Blatt trägt auf holzfenster-streichen und auf garagentor-streichen andere Aussagen; hier steht nur die Bauteilreihe und die Beschränkung auf Aussenanstriche.
Stand und Verantwortung
Inhaltlich geprüft am 14. August 2026. Verantwortlich: Redaktion malerofferte.ch.
In eigener Sache
Jede Anfrage, die über uns an einen Malerbetrieb geht, bringt uns Geld ein, und diese Seite rät dir, mehrere zu stellen. Der Rat hat beim Vergleich eine Schwäche, die wir nicht wegreden. Zwei Betriebe können dieselben fünf Türen erfassen und trotzdem auf verschiedene Flächen kommen, wenn einer beide Seiten rechnet und der andere eine.
Schreib in die Anfrage, wie viele Türen es sind, ob sie beidseitig gestrichen werden sollen und ob die Zargen dazugehören. Über malerofferte.ch geht dieselbe Angabe an Betriebe aus deinem Umkreis, und am Rücklauf siehst du, wer die Zarge als eigene Zeile führt und wer sie verschwinden lässt.
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