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Ein Holzlack ist nicht für jede Fläche freigegeben

Holzlack ist ein Sammelname und kein Produkt. Drei Merkblätter der Bosshard-Farben AG in Rümlang nennen für ihre Holzlacke im Innenbereich ausdrücklich Flächen, für die sie nicht gelten, darunter Küchenfronten, Holzböden und Feuchträume. [1][2][3] Die Schweizer Stiftung Farbe stuft solche Produkte in sieben Kategorien von A bis G ein. [6]

Redaktionell geprüft: 14. August 2026

Was auf fünf Schweizer Lackblättern steht

Die Schweizer Umwelt-Etikette hat einen eigenen Geltungsbereich für Lacke

Auf jedem der fünf geprüften Blätter steht eine Zeile, die auf einem deutschen Datenblatt nicht vorkommt: «Schweizer Umwelt-Etikette Kategorie» und danach ein Buchstabe. [1][2][3][4][5] Getragen wird das Zeichen von der Schweizer Stiftung Farbe an der Rudolfstrasse 13 in 8400 Winterthur. [6]

Die Stiftung schreibt zu ihrem System: «Produkte der Kategorie A genügen den höchsten Anforderungen bei der Umwelt- und Gesundheitsverträglichkeit sowie der Gebrauchstauglichkeit, während Produkte der Kategorie G keine der Kriterien erfüllen müssen.» [6] Sieben Kategorien sind es, A bis G, und für Lacke führt sie zwei eigene Geltungsbereiche: UE II für «Lacke, Holz- und Bodenbeschichtungen innen» und UE V für «Lacke, Holz- und Bodenbeschichtungen aussen und Holzschutzmittel». [6] Ein Holzlack wird also nicht mit einer Wandfarbe verglichen, sondern mit anderen Holzlacken.

Die Bosshard-Farben AG erklärt auf ihrer eigenen Seite dazu, wo die Grenze zwischen den Buchstaben liegt: «Die Kategorien A bis E bezeichnen dabei Produkte auf Wasserbasis, die Kategorien F und G zeichnen lösemittelhaltige Produkte aus.» [7] Das erklärt die drei Buchstaben auf den drei Innenblättern. Arbosol UV-Täferlack und PigaPur Interior 20 sind wasserbasiert und tragen B [2][3], Arbezol Aquaplast ebenfalls wasserbasiert und trägt C [1], der lösemittelhaltige Tosanol Seidenglanzlack trägt F [5].

Was die einzelnen Kategorien inhaltlich verlangen, steht in den Bestimmungen der Stiftung, und die hat diese Redaktion für diesen Eintrag nicht geöffnet. Der Buchstabe sagt dir also, in welche Gruppe die Stiftung ein Produkt gestellt hat, und nicht, woran das im Einzelnen liegt. Wie ein anderes Label auf demselben Gebinde einzuordnen ist, steht unter Minergie-ECO bei einer Farbe.

Farblos oder deckend, und was das ändert

Die zwei Arten von Holzlack unterscheiden sich darin, ob das Holz danach noch zu sehen ist.

Arbezol Aquaplast ist nach eigenem Blatt ein «wasserbasierter, farbloser Holzlack für innen, zur Versiegelung und Lackierung von Holztäfer, Fenstersimsen oder Möbeln», mit Glanzgraden von glanz bis matt. [1] Er verändert die Fläche trotzdem: Dasselbe Blatt hält fest, das Produkt «kann den Holz- und Beizton verändern», und rät, immer eine Musterfläche anzulegen. [1] Der Arbosol UV-Täferlack geht in die Gegenrichtung und soll die Vergilbung des Holzes bremsen; er verlangt dafür, dass bereits vergilbte Oberflächen «bis zum hellen Holz abgeschliffen werden». [2]

PigaPur Interior 20 dagegen deckt. Sein Blatt beschreibt ihn als PU-Haftemaille für Holz, Holzwerkstoffe, Eisen, Mauerwerk, Putz und Beton, in weiss, schwarz oder bunt. [3] Für draussen führt dieselbe Reihe mit PigaPur Exterior, Art. 51170 vom 13. Mai 2026, einen eigenen Artikel für «masshaltiges und bedingt masshaltiges Holz», ausdrücklich «speziell für Fenster». [4] Welcher Wert am Fenster gilt, steht unter Holzfenster streichen; was an einer bewitterten Schalung anders ist, unter Holzfassade streichen.

Ein farbloser Lack ist damit kein schwächerer Anstrich, sondern ein anderer Auftrag: Er lässt die Maserung stehen und nimmt dir die freie Farbwahl. Wer die Maserung ganz behalten und trotzdem nicht lackieren will, landet beim Öl, siehe Holzöl.

Eine Komponente oder zwei

Die Blätter ziehen ihre wichtigste Grenze nicht zwischen Farbtönen, sondern zwischen 1K und 2K, also zwischen einem Produkt aus dem Gebinde und einem, das vor der Verarbeitung mit einem Härter gemischt wird.

PigaPur Interior 20 schreibt dazu: «Für mechanisch und chemisch stark belastete Oberflächen (z.B. Küchenfronten) sind vorzugsweise 2K-Produkte wie Tosaqua 2K-PUR-Emaille und Tosadur 2K-Lacke 6700 einzusetzen.» [3] Das Blatt zum Arbezol Aquaplast sagt dasselbe aus der anderen Richtung: Für besonders widerstandsfähige Lackierungen auf Tischen und Küchenfronten empfiehlt es ein 2K-Produkt eines anderen Herstellers, und für Parkettversiegelungen verweist es auf das ArboFloor-System. [1]

Zwei Merkblätter derselben Herstellerin schicken den Leser also aus derselben Produktgruppe hinaus, sobald die Fläche stark beansprucht wird. Wo diese Verweise hinführen, steht unter Küchenfronten streichen und Holztreppe streichen.

Ein Ausschluss auf dem Merkblatt ist keine Vorsichtsformel, sondern die Grenze der Zusage. Wer darüber hinaus streicht, streicht ohne Zusage.

Was der Untergrund mitbringen muss

Drei Innenblätter, drei Mal dieselbe Zahl: «Die Holzfeuchte darf max. 12 % betragen.» [1][2][3] Dazu verlangen sie ein geschliffenes, sauberes Holz, beim Arbezol Aquaplast und beim Arbosol UV-Täferlack mit Körnung 150 bis 180 [1][2], und einen Zwischenschliff ab Körnung 220 zwischen den zwei Aufträgen [1][2]. Wie ein Betrieb den Untergrund vor dem Anstrich prüft, steht unter Untergrundprüfung; was auf einen alten Anstrich darunter zukommt, unter Altanstrich entfernen.

Bei der Temperatur laufen die Blätter auseinander. Arbezol Aquaplast und PigaPur Interior 20 nennen +5 °C als Untergrenze für Umgebungs- und Untergrundtemperatur [1][3], der Arbosol UV-Täferlack +10 °C [2]. PigaPur Interior 20 setzt zusätzlich eine Obergrenze bei der Luftfeuchtigkeit: Sie sollte 80 Prozent nicht überschreiten. [3] Drei Produkte aus einem Haus, drei verschiedene Bedingungen. Welche Zeitangaben dieselben Blätter machen und worauf sie sich beziehen, steht unter Trocknungszeiten.

Zwei weitere Einschränkungen stehen nur im Kleingedruckten und kosten trotzdem Geld: Arbezol Aquaplast ist «gegen gewisse Gummisorten, z.B. Türdichtungen, nicht beständig» [1], und der Arbosol UV-Täferlack darf nicht auf alkalische Untergründe, weil er dort gelb wird [2].

Offengelegte Grenzen dieser Quellenlage

Was das in deiner Offerte bedeutet

Die Zeile «Holzwerk lackieren» beschreibt keine Arbeit. Drei Angaben machen daraus eine prüfbare Position: der Produktname mit Artikelnummer, die Zahl der Aufträge und ob ein Vorstrich dazukommt. Was ein Vorstrich in der Schweizer Fachsprache heisst und worauf er sitzt, steht unter Grundierung, Tiefgrund und Haftgrund.

Mit dem Produktnamen kannst du das Merkblatt selbst aufrufen und drei Dinge nachlesen, die der Betrieb dir sonst mündlich sagt: für welche Flächen der Lack freigegeben ist, welche er ausschliesst, und welche Kategorie der Umwelt-Etikette er trägt. Steht auf zwei Offerten derselbe Preis und auf der einen ein Produkt der Kategorie B, auf der anderen eines der Kategorie F, hast du zwei verschiedene Angebote vor dir. Beim Täfer kommt dazu die Frage, ob überhaupt lackiert oder lasiert wird, siehe Täfer streichen oder lasieren; an einem Metallbauteil im selben Raum gelten wieder andere Blätter, siehe Heizkörper streichen.

Verwandte Begriffe

Quellen

  1. Bosshard-Farben AG: (Ifangstrasse 97, 8153 Rümlang), Technisches Merkblatt «Arbezol Aquaplast» (Art. 05810), datiert 17.12.25. Herstellerdokument, im Original-PDF im Volltext geprüft. Primärquelle für die Angaben der Herstellerin zu ihrem eigenen Produkt, keine unabhängige Prüfung der Werte. Abgerufen am 13.08.2026.
  2. Bosshard-Farben AG: Technisches Merkblatt «Arbosol UV-Täferlack» (Art. 05821), datiert 20.4.26. Herstellerdokument, im Original-PDF im Volltext geprüft. Abgerufen am 13.08.2026.
  3. Bosshard-Farben AG: Technisches Merkblatt «PigaPur Interior 20», datiert 30.10.25. Herstellerdokument, im Original-PDF im Volltext geprüft. Die Artikelnummer steht in der Fusszeile als 51160 und in der Katalogübersicht derselben Herstellerin als 51165; deshalb ist sie hier nicht zitiert. Abgerufen am 13.08.2026.
  4. Bosshard-Farben AG: Technisches Merkblatt «PigaPur Exterior» (Art. 51170), datiert 13.5.26. Herstellerdokument, im Original-PDF im Volltext geprüft. Abgerufen am 13.08.2026.
  5. Bosshard-Farben AG: Technisches Merkblatt «Tosanol Seidenglanzlack» (Art. 70500), datiert 3.3.25. Herstellerdokument, im Original-PDF im Volltext geprüft. Hier nur für die Kategorie F und die Einordnung als lösemittelhaltiges Produkt verwendet. Abgerufen am 13.08.2026.
  6. Schweizer Stiftung Farbe: (Rudolfstrasse 13, 8400 Winterthur), Startseite «Umwelt-Etikette» mit den Geltungsbereichen UE I bis UE VI. Kein Publikationsdatum auf der Seite ersichtlich. Trägerin des Zeichens, also Primärquelle für das eigene System. Per curl als HTML geladen und lokal entmarkupt gelesen. Die verlinkten Bestimmungen wurden nicht geöffnet. Abgerufen am 13.08.2026.
  7. Bosshard-Farben AG: Seite «Schweizer Umwelt-Etikette». Kein Publikationsdatum ersichtlich. Herstellerseite, die das Zeichen einer fremden Trägerschaft beschreibt, also Sekundärquelle für die Einteilung. Per curl geladen und lokal entmarkupt gelesen. Hier ausschliesslich für die Trennlinie zwischen den Kategorien A bis E und F bis G verwendet. Abgerufen am 13.08.2026.

Stand und Verantwortung

Inhaltlich geprüft am 14. August 2026. Verantwortlich: Redaktion malerofferte.ch.

In eigener Sache

Absichtlich fehlt hier die Produktliste, die den Eintrag nützlicher aussehen liesse und uns Anfragen brächte. malerofferte.ch ist selbst ein Vergleichs- und Vermittlungsportal und wird für jede Anfrage bezahlt, die bei einem Malerbetrieb ankommt. Welcher Lack auf deine Fläche gehört, entscheidet sich am Objekt, und dort waren wir nicht.

Nimm in deine Anfrage auf malerofferte.ch die Fläche auf, um die es geht, und dazu den Satz, dass du Produktname und Artikelnummer in der Offerte sehen willst. Mit diesen zwei Angaben kannst du das Merkblatt selbst aufrufen und nachsehen, welche Flächen es ausschliesst, bevor gestrichen wird.

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