Was Holzöl ist und wann es aufs Holz darf
Bosshard-Farben in Rümlang nennt ihr Holzöl Arbezol Aqualin im eigenen Merkblatt eine «offenporige Öllasur» auf Basis von Bindemitteln und Wachsen. [1] Verarbeitet wird sie nur zwischen +5 und +30 °C. Die Holzfeuchte darf laut demselben Blatt aussen 18 und innen 12 Prozent nicht überschreiten. Für diese Messung kennt die Norm SIA 257 die Prüfmethode P11. [1][2]
Redaktionell geprüft: 14. August 2026
Fünf Angaben aus einem einzigen Merkblatt
- 18 und 12 Prozent | höchste Holzfeuchte aussen und innen, Bosshard-Farben zu Arbezol Aqualin, von uns zusammengefasst und nicht wörtlich zitiert [1]
- +5 bis +30 °C | freigegebene Umgebungs- und Untergrundtemperatur, wörtlich im selben Merkblatt [1]
- ca. 12 Stunden | überstreichbar bei +20 °C und 65 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit, wörtlich [1]
- ohne Erdkontakt | Einschränkung im Anwendungssatz desselben Merkblatts, wörtlich [1]
- P11 | Prüfmethode der Norm SIA 257 für die Feuchte im Untergrund, zitiert nach SMGV-Merkblatt Nr. 92 [2]
Die Norm nennt die Pflicht, die Zahl steht im Merkblatt
Bevor in der Schweiz ein Anstrichstoff auf Holz kommt, prüft der Malerunternehmer den Untergrund. Zuständig für die Feuchtigkeit ist die Prüfmethode P11 der Norm SIA 257 «Maler- und Tapezierarbeiten», Ausgabe 2021, wiedergegeben im Merkblatt Nr. 92 des Schweizerischen Maler- und Gipserunternehmer-Verbands, Artikelnummer 2451, Stand Juli 2022. [2] Gemessen wird nach diesem Merkblatt mit Feuchtemessgeräten, mit einem CM-Prüfgerät oder im Labor, und als Untergrund steht Holz dort ausdrücklich neben Putz. [2] Zum Folientest, den man in älteren Anleitungen findet, hält dasselbe Merkblatt fest, er sei «nach heutigen Erkenntnissen nicht mehr zu empfehlen». [2]
Einen Zahlenwert nennt das Merkblatt daneben nicht. Es verlangt, dass die baustoffspezifischen Feuchtigkeitswerte eingehalten werden, und überlässt die Zahl damit dem Baustoff und dem Produkt. [2] Der Wortlaut dieser Massnahme und was aus der Lücke zwischen Norm und Datenblatt folgt, steht unter Holzfenster streichen.
Beim Holzöl liefert die Zahl das Merkblatt des Herstellers: Für Arbezol Aqualin nennt Bosshard-Farben aussen höchstens 18 und innen höchstens 12 Prozent Holzfeuchte. [1] Diese zwei Werte geben wir zusammengefasst wieder und nicht als wörtliches Zitat; der Wortlaut der betreffenden Zeile liegt dieser Redaktion nicht vor. Wonach ein Hersteller teilt, wechselt dabei mit dem Gebinde: Zwei Vorlacke desselben Hauses ziehen ihre Grenze nicht zwischen innen und aussen, sondern am Fensterrahmen, nachzulesen auf der eben verlinkten Seite zum Holzfenster. Wie der Betrieb den Untergrund sonst noch prüft und welche Methode zu welchem Mangel gehört, steht unter Täfer streichen oder lasieren.
Die 18 Prozent gelten für Arbezol Aqualin und nicht für Holzöl. Ein anderes Gebinde bringt sein eigenes Merkblatt und seine eigenen Grenzwerte mit. [1]
Öl, Wachs und Lasur stecken im selben Gebinde
Der Anwendungssatz des Merkblatts ist der einzige belegte Definitionssatz, den diese Seite hat. Er ordnet das Produkt einer Gruppe zu, die man selten mit Öl verbindet:
«Arbezol Aqualin ist eine verarbeitungsfertige, wasserbasierte, offenporige Öllasur auf Basis spezieller, ölmodifizierter, emulgierter Bindemittel und Wachse für lasierende Innen- und Aussenanstriche auf einheimischen und tropischen Holzarten.» [1]
Wer Holzöl und Holzwachs für zwei Lager hält, findet hier beides in einem Eimer: Der Hersteller nennt Wachse als Bestandteil des Bindemittels, nicht als Gegenentwurf. [1] Und das Produkt heisst nicht Öl, sondern Öllasur, es fällt also mit den Lasuren in dieselbe Gruppe. Was eine Lasur von einer deckenden Holzfarbe trennt, belegt ein anderer Hersteller mit einem einzigen Satz, und ausgetragen wird das auf der oben verlinkten Seite zum Täfer, nicht hier.
Was im Merkblatt nicht steht, steht auch hier nicht. Ob das Öl in das Holz eindringt und ob die Maserung sichtbar bleibt, sagt dieses Dokument nirgends, ebenso wenig, wie es sich mit dem Wasserdampf verhält. Nach genau diesen Angaben hat das Projekt bereits erfolglos bei mehreren Lasurherstellern und bei Lignum gesucht, dokumentiert bei der Nachbarseite zum Täfer. Ein Holzöl, das ausdrücklich gegen Pilze und Insekten wirkt, ist etwas anderes als dieses hier; darum geht es unter Holzschutzmittel.
Wo dieses Öl nicht hingehört
Die Anwendungsliste des Merkblatts ist lang und endet mit einer Einschränkung: «Für die dekorative Erst- und Renovationsbeschichtung von Holz, wie Innentäfer, Fassadenschalungen, Sichtschutzelemente, Gartenmöbel, Terrassendecks etc., ohne Erdkontakt geeignet.» [1] Die drei Wörter am Schluss schliessen den einbetonierten oder eingegrabenen Pfosten aus, an dem ein Sichtschutz oder ein Zaun hängt. Die Latten darüber nennt dasselbe Blatt ausdrücklich, den Fuss im Boden nicht.
Zwei weitere Bedingungen fassen wir aus dem Datenblatt zusammen, wörtlich übernommen sind sie nicht: Für den Erstanstrich auf Nadelholz im Aussenbereich verlangt das Blatt vor der Lasur eine Grundierung, für Nadelholz innen genügt die Lasur allein. [1] Was eine Grundierung leistet und warum ihr Name wenig über ihre Aufgabe sagt, steht unter Grundierung, Tiefgrund und Haftgrund.
Terrassendecks stehen zwar in der Liste, und trotzdem empfiehlt der Hersteller für sie ein anderes Gebinde. [1][3] Was daran anders ist, welche Schweizer Zulassung dahintersteht und wer die Arbeit bezahlt, steht unter Holzterrasse ölen. Für eine ganze Wand aus Holz gilt wieder eine eigene Ausgangslage, siehe Holzfassade streichen.
Was die Trocknungsangabe verspricht und was nicht
Für Arbezol Aqualin nennt das Merkblatt zwei Zeitpaare, jedes mit seiner Bedingung. Bei +20 °C und 65 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit ist der Auftrag «nach ca. 3 h staubtrocken und nach ca. 12 h überstreichbar». [1] Wird die Trocknung forciert, verkürzt sich beides: «Bei +40 °C nach ca. 1 h staubtrocken und nach ca. 4 h überstreichbar.» [1] Zwischen den zwei Zeilen liegen acht Stunden Wartezeit, und der Unterschied ist keine Produkteigenschaft, sondern eine Frage der Umgebung.
Beide Angaben gelten für dieses eine Produkt unter genau diesen Bedingungen. Ein kühler Novembertag auf der Nordseite hat weder die 20 noch die 40 Grad, und um wie viel sich die Wartezeit dann verschiebt, sagt das Blatt nicht. Wie andere Hersteller ihre Werte messen und warum eine Trocknungszeit nie eine Arbeitsdauer ist, steht unter Trocknungszeiten.
Offengelegte Grenzen dieser Quellenlage
- Von drei Fussnoten sind zwei Herstellerangaben desselben Herstellers. Der Sachkern ruht auf einem einzigen Merkblatt.
- Ein zweiter Schweizer Hersteller für Holzöl liess sich bei der Dossierrecherche nicht mit einem vollständigen, aktuellen Merkblatt auffinden. Ein Quervergleich der Grenzwerte fehlt deshalb.
- Ob ein Schweizer Fachverband oder eine Norm den Begriff «Holzöl» selbst definiert, wurde nicht geprüft. Das ist eine ungeprüfte Frage und keine Fehlanzeige.
Ohne Produktnamen bleibt die Offertzeile ungeprüft
Die Zeile «Holz ölen» lässt offen, was auf das Holz kommt. Verlangt gehören die Produktbezeichnung samt Hersteller, denn erst damit lässt sich das Merkblatt nachlesen, das die Bedingungen dieser Seite trägt. Dazu gehört die gemessene Holzfeuchte, weil die Norm SIA 257 die Prüfung ohnehin verlangt und ihr Ergebnis den Betrieb nur einen Satz kostet. [2] Und es gehört dazu, ob grundiert wird, weil das beim Erstanstrich auf Nadelholz draussen die Bedingung des Herstellers ist. [1]
Steht auf zwei Angeboten dasselbe Wort und ein anderes Produkt, vergleichst du zwei verschiedene Arbeiten. Wie Flächen für solche Positionen überhaupt ermittelt werden, steht unter Vorausmass und Ausmass; ob dich die Endsumme bindet, unter Offerte und Kostenvoranschlag.
Verwandte Begriffe
- Holzlack: Ein Holzlack ist nicht für jede Fläche freigegeben
- Holzbeize: Was eine Holzbeize färbt und was danach kommt
- Vergrauung: Unbehandeltes Holz vergraut ungleichmässig
- Küchenfronten streichen: Küchenfronten streichen, eine Platte und kein Holz
- Holzterrasse ölen: Wann darf eine Holzterrasse geölt werden?
- Holzschutzmittel: Was ein Holzschutzmittel bekämpft
- Täfer: Täfer streichen oder lasieren
Quellen
- Bosshard-Farben AG, Ifangstrasse 97, 8153 Rümlang: Technisches Merkblatt «Arbezol Aqualin», Artikelnummer 05575, datiert 17.03.26.
- SMGV Schweizerischer Maler- und Gipserunternehmer-Verband: Redaktion GTK/M zusammen mit dem VSLF: Merkblatt Nr. 92 «Prüfmethoden» (gemäss SIA 257), Artikelnummer 2451, Stand Juli 2022.
- Bosshard-Farben AG (Rümlang): Technisches Merkblatt «Arbezol Aqualin Pro», Artikelnummer 05576, datiert 4.6.26.
Stand und Verantwortung
Inhaltlich geprüft am 14. August 2026. Verantwortlich: Redaktion malerofferte.ch.
In eigener Sache
Die Messung der Holzfeuchte kostet den Betrieb einen Satz auf dem Blatt und macht seine Zeile vergleichbar. An vergleichbaren Offerten verdienen wir, weil malerofferte.ch die Anfragen dazu an Malerbetriebe weitergibt und je Anfrage bezahlt wird. Verlangt wird die Messung von der Norm SIA 257 und vom Merkblatt zum Produkt, nicht von uns.
Die Zeile «Holz ölen» sagt noch nicht, was auf dein Holz kommt. Frag deshalb über malerofferte.ch Betriebe deiner Umgebung an und verlange in derselben Anfrage die Produktbezeichnung samt Hersteller. Erst mit ihr lässt sich das Merkblatt aufschlagen, aus dem die Bedingungen dieser Seite stammen.
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