Unbehandeltes Holz vergraut ungleichmässig
Unbehandeltes Holz verändert im Freien seine Farbe, und dieser Vorgang heisst Vergrauung. Lignum, die Dachorganisation der Schweizer Wald- und Holzwirtschaft, beschreibt die Alterung unbehandelter Holzfassaden als «unregelmässige farbliche Veränderung» mit Farbtönen «in allen Variationen zwischen Hellbraun und Schwarz». [2] Eine Vorvergrauung ist etwas anderes: Sie beschleunigt denselben Vorgang und vereinheitlicht ihn. [1]
Redaktionell geprüft: 14. August 2026
Was in den zwei Lignum-Publikationen steht
- Bei unbehandelten Holzfassaden stellt sich laut Lignum während der Alterung «meist eine unregelmässige farbliche Veränderung» ein, in Tönen zwischen Hellbraun und Schwarz. [2]
- «Der natürliche Farbton des Holzes bleibt im Aussenbereich nicht lange erhalten», und das gilt nach demselben Artikel für alle Holzarten gleichermassen. [2]
- Bei der Vorpatinierung wird das Holz «der Witterung sowie Bläuepilzen ausgesetzt, um die Vergrauung der Oberfläche zu beschleunigen und zu vereinheitlichen». [1]
- Als beschleunigte natürliche Vergrauung nennt Lignum eine Dauer von drei bis sechs Monaten, daneben Druckimprägnierung mit Grau-Einfärbung und Vergrauungslasuren. [2]
- Die Broschüre, aus der die Beschreibung des Verfahrens stammt, trägt als Dateidatum den 13. Januar 2009. [1]
Warum die Auskunft dazu bei Lignum liegt
Lignum, Holzwirtschaft Schweiz, an der Falkenstrasse 26 in Zürich, ist die Dachorganisation der Schweizer Wald- und Holzwirtschaft, und beide hier verwendeten Publikationen stammen von ihr. [1][2] Das ist keine Verlegenheitswahl: Die Bosshard-Farben AG schreibt in ihr eigenes Technisches Merkblatt zu ArboGrey Classic, Art. 05545, den Satz «Bezüglich Definition ‹Vorvergrauungslasuren› bitte auch die entsprechenden Lignum Publikationen beachten». [3] Ein Schweizer Hersteller verweist für die Begriffsbestimmung also auf denselben Verband, auf dem diese Seite steht.
Was hier fehlt, ist eine Norm. Weder SIA noch NPK noch ein Gesetzesartikel äussert sich in den geprüften Quellen zur Vergrauung, und diese Seite leiht sich keine Nummer aus einem anderen Zusammenhang. Wo an derselben Wand Normen und Grenzwerte gelten, nämlich beim Anstrich selbst, steht das unter Wetterabhängigkeit an der Fassade.
Zwei Wörter, zwei verschiedene Sachen
Natürliche Vergrauung geschieht, Vorvergrauung wird gemacht. Lignum beschreibt die Vorpatinierung als Verfahren, bei dem das Holz «der Witterung sowie Bläuepilzen ausgesetzt» wird, «um die Vergrauung der Oberfläche zu beschleunigen und zu vereinheitlichen». [1] Das zweite Verb trägt den Zweck. Grau wird die Fassade auch ohne Verfahren, gleichmässig grau wird sie nur damit.
Eine Vorvergrauung verhindert das Vergrauen nicht. Sie zieht es vor und macht es gleichmässig. [1]
Drei Wege dorthin nennt der Lignum-Artikel: die beschleunigte natürliche Vergrauung mit drei bis sechs Monaten, die Druckimprägnierung mit Grau-Einfärbung und die Vergrauungslasuren. [2] Von der Anwenderseite her klingt das gleich. Die Bosshard-Farben AG beschreibt ArboGrey Classic als «wässrige, offenporige, einschichtige Vorvergrauung für Aussenanstriche», die dem Holz «ein einheitlich graues verwitterungsähnliches Aussehen» gebe, mit einem «Spezialkatalysator für einen gleichmässigen Verwitterungsprozess». [3] Das ist die Angabe eines Herstellers über sein eigenes Produkt, kein Prüfergebnis.
Was in der Zwischenzeit im Holz geschieht, bleibt in beiden Lignum-Texten unbeschrieben. In der Beschreibung eines konkreten vorvergrauten Baus nennt Lignum immerhin, was den Vorgang antreibt: «die Sonneneinstrahlung, das Regenwasser sowie Bläuepilze». [1]
Was nach der Vorvergrauung an Unterhalt anfällt
Zu einem einzelnen Objekt wird Lignum deutlich. Über eine vorvergraute Tannenholzfassade heisst es, die Vorvergrauung habe «nur die äussersten Schichten der Elemente» betroffen, ihre Dauerhaftigkeit sei deshalb «gleich hoch wie diejenige einer unbehandelten Holzart», und «ein periodischer Unterhalt ist im übrigen nicht notwendig». [1] Diese Sätze stehen in einer Objektbeschreibung. Sie handeln von diesem Bau und nicht von jeder Holzfassade, und dieser Eintrag dehnt sie nicht aus.
Die Herstellerseite sagt etwas Ähnliches, mit anderem Interesse. Der grosse Vorteil von Vorvergrauungssystemen bestehe darin, «dass die Holzoberfläche bezüglich der Farbgebung keine Pflege mehr braucht», schreibt die Bosshard-Farben AG zu ArboGrey Classic. [3] Der Halbsatz «bezüglich der Farbgebung» ist der wichtige Teil: Über andere Gründe, an eine Holzfassade heranzugehen, sagt der Satz nichts. Was am selben Bauteil sonst noch ansteht, steht unter Holzfassade streichen, und ob dabei ein Mittel gegen Insekten ins Spiel kommt, unter Holzschutzmittel.
Die drei bis sechs Monate aus dem Lignum-Artikel gehören dem Verfahren der beschleunigten Vergrauung, nicht dem natürlichen Verlauf. [2]
Offengelegte Schwächen
Alle drei Quellen wurden am 13. August 2026 abgerufen und im Volltext geprüft, die zwei PDF im Original. Eine amtliche Quelle und eine Norm liegen für diesen Eintrag nicht vor.
- Die Hauptquelle ist von 2009, die zweite trägt kein Datum. Beides steht auch im Text.
- Zwei der drei Quellen stammen von derselben Herausgeberin. Eine unabhängige zweite Fachstimme zur Unterscheidung von natürlicher Vergrauung und Vorvergrauung fehlt.
- Der in Suchzusammenfassungen kursierende Abtragswert von 0,1 Millimetern pro Jahr wurde geprüft und nicht bestätigt. Er erscheint deshalb an keiner Stelle als Angabe.
Wonach du im Angebot suchst, wenn die Fassade grau werden soll
Auf dem Blatt sollte stehen, welcher der drei bei Lignum genannten Wege gemeint ist, denn «Vorvergrauung» allein lässt alle drei zu. [2] Kommt ein Produkt zum Einsatz, gehören Hersteller und Produktname dazu, damit sich das Merkblatt selbst nachlesen lässt, so wie hier jenes zu ArboGrey Classic. [3] Gleichmässigkeit ist die Eigenschaft, um derentwillen Lignum das Verfahren überhaupt beschreibt; [1] fehlt das Verfahren auf dem Blatt, ist sie auch nicht zugesagt.
Fehlt eine Angabe über das spätere Aussehen, streiten am Ende zwei Parteien über etwas, das sich schlecht messen lässt. Ob dich die Summe unter dem Angebot bindet, hängt an der Preisabrede, siehe Offerte und Kostenvoranschlag. Ob eine vergraute Fläche in einer Mietsache überhaupt jemand behandeln muss, ist eine mietrechtliche Frage, zu der keine Quelle dieses Eintrags etwas sagt; der Einstieg dazu steht unter Abnutzung oder Schaden. Was ein Anstrich statt einer Vergrauung kostet und wie das Gerüst dabei zählt, steht unter Fassade streichen. Bleibt das Holz sichtbar und soll trotzdem Farbe zeigen, führt der Weg zum Holzöl oder zur Lasur, wie sie unter Täfer streichen oder lasieren beschrieben ist.
Die Zahl, die auf dieser Seite fehlt
In Suchzusammenfassungen zum Thema steht ein Wert: Die natürliche Vergrauung entspreche einem Abtrag von etwa 0,1 Millimetern pro Jahr. In den zwei geprüften Lignum-Publikationen kommt er nicht vor. Die 48-seitige Broschüre wurde dafür vollständig durchsucht, das Ergebnis war negativ. [1][2] Die Zahl steht deshalb nicht in diesem Eintrag, und wer sie auf einer Ratgeberseite findet, sollte nach ihrer Herkunft fragen.
Ein zweiter Punkt gehört offengelegt statt versteckt: Die Broschüre, die das Verfahren beschreibt, trägt als Dateidatum den 13. Januar 2009. [1] Der zweite Lignum-Text weist überhaupt kein Publikationsdatum aus. [2] Beides ändert nichts an den zitierten Sätzen, aber es ändert etwas daran, wie fest man sich darauf stützt.
Und noch eine Verwechslung liegt nahe: Wenn an einer gestrichenen Fläche Farbe an der Hand bleibt, ist das nicht Vergrauung, sondern ein Vorgang in der Anstrichschicht, siehe Kreiden. Vergrauung betrifft das Holz selbst, ohne Schicht darüber.
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Quellen
- Lignum, Holzwirtschaft Schweiz, Falkenstrasse 26, 8008 Zürich: «Holzbau, Fassaden: Bekleidungen, Anwendung, Unterhalt», PDF-Broschüre, 48 Seiten.
- Lignum, Holzwirtschaft Schweiz: «Vorvergrauungssysteme für Holzfassaden im Vergleich», Lignum-Journal «Holz News Schweiz».
- Bosshard-Farben AG, Ifangstrasse 97, 8153 Rümlang: Technisches Merkblatt «ArboGrey Classic», Art. 05545, Datierung im Dokument 02.02.21.
Stand und Verantwortung
Inhaltlich geprüft am 14. August 2026. Verantwortlich: Redaktion malerofferte.ch.
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Unser Geld kommt aus vermittelten Anfragen, und eine Seite über eine Oberfläche, die niemand behandeln muss, bringt uns nichts ein. Sie steht trotzdem hier, samt dem belegten Satz, dass ein Objekt mit Vorvergrauung ohne periodischen Unterhalt auskam. Wo wir dazu raten, das Verfahren aufs Angebot zu nehmen, ist das auch in unserem Interesse: Vergleichbare Offerten sind unser Geschäft.
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