Untergründe & Techniken

Kreiden, wenn Farbe an der Hand bleibt

Kreiden heisst, dass eine Fläche beim Darüberfahren abfärbt. Die Prüfmethode P2 nach Norm SIA 257 erkennt in der Schweiz mehlende und sandende Oberflächen und verlangt bei mineralischen Untergründen danach eine genauere Prüfung der Festigkeit. [1] Gedeutet wird das Wort Kreidung nur in einer deutschen Quelle; ein Schweizer Regelwerk benutzt es, ohne es zu erklären. [3][8] Eine Ursache nennt keine davon.

Redaktionell geprüft: 14. August 2026

Der belegte Kern in vier Zeilen

Wie das Schweizer Regelwerk diesen Befund benennt

Massgeblich ist die Norm SIA 257 «Maler- und Tapezierarbeiten» in der Ausgabe 2021. Ihren Text haben wir nicht: Der SIA vertreibt seine Normen kommerziell, und für diesen Eintrag wurde keiner gekauft. [6] Alles, was hier aus der Norm stammt, steht so im Merkblatt Nr. 92 «Prüfmethoden», Artikelnummer 2451, Stand Juli 2022, redigiert von der GTK/M des Schweizerischen Maler- und Gipserunternehmer-Verbands zusammen mit dem Verband der Schweizerischen Lack- und Farbenindustrie. [1]

Dort trägt der Befund keine eigene Überschrift, sondern steht im Zweck einer Prüfmethode. Kapitel 2.2 heisst «Abreiben mit Tuch oder von Hand» und führt als Prüfmethode P2; der wiedergegebene Normtext nennt als ihren Zweck zweierlei, das Erkennen von Verschmutzungen und das Erkennen mehlender, sandender Oberflächen. [1] Wie diese Handbewegung heisst und wie sie in Deutschland anders heisst, steht unter Altanstrich entfernen.

Verankert ist die Methode auch in der Berufsbildung. Der Bildungsplan für Malerin und Maler EFZ, getragen von SMGV und FREPP und vom SBFI genehmigt, zählt «Abreiben mit Tuch oder von Hand» in seinem Leistungsziel 2.2.3 zu den Methoden, die eine Malerin fachgerecht einsetzt, ausdrücklich «gemäss Normtabelle SIA 257». [2] In derselben Berufsbildungsquelle steht die «Festigkeit des Untergrunds» als eigener Beurteilungspunkt neben Saugfähigkeit und Tragfähigkeit. [2]

Die deutsche Seite benennt dieselbe Beobachtung anders. Der Landesinnungsverband des Bayerischen Maler- und Lackiererhandwerks führt in seiner Prüftabelle den Eintrag «mehlende Flächen», eine bayerische Berufsschulunterlage dagegen «kreidende oder sandende Oberflächen». [3][4] Schon innerhalb Deutschlands ist die Benennung also nicht einheitlich.

Was nach dem Abreiben mit Tuch oder Hand folgt

Die Handlung selbst beschreibt das Merkblatt knapp: «Glatte, verschmutzte Flächen mit einem weissen oder dunklen Tuch, Weissputze/Spachtelungen mit der Handfläche abreiben.» [1] Bei einer geglätteten Fläche hängt schon deren Ausgangszustand an der vereinbarten Stufe, siehe Spachtelqualität Q1 bis Q4.

Ausgewertet wird, was dabei zu sehen ist:

«Verschmutzungen werden auf weissem Tuch sichtbar, mehlende oder sandende Oberflächen werden durch Staubentwicklung oder Abrieseln des Putzes sichtbar. Das Abreiben von Hand kann zudem sichtbare Spuren im Untergrund hinterlassen.» [1]

Und dann kommt der Satz, um den es auf dieser Seite geht. Die Massnahmenzeile derselben Prüfmethode lautet: «Verschmutzungen sind zu entfernen, mehlende oder sandende mineralische Untergründe sind bezüglich Festigkeit genauer zu prüfen.» [1] Der Schmutz wird entfernt, der mehlende Untergrund wird geprüft. Zwei Befunde in einem Satz, zwei völlig verschiedene Folgen.

Die einzige Massnahme, die unsere Quellen zu diesem Befund nennen, ist eine weitere Prüfung. [1]

Welche das sind, steht in der Zuordnungstabelle in Kapitel 4 des Merkblatts, die siebzehn Untergrundtypen und siebenundvierzig Mängel den Methoden zuordnet. Für mineralische Untergründe führt sie mehlende und sandende Oberflächen mit P2 in Kombination mit P5 und P10. [1] P5 ist die Benetzungsprobe, und ihre Auswertung enthält für diesen Fall einen eigenen Satz: «Schlägt bei Weissputzen oder Spachtelungen das Wasser sehr schnell weg, ist dies ein Hinweis auf eine möglicherweise zu geringe Festigkeit des Untergrundes.» [1] P10 ist die Kratzprobe, und sie beurteilt nach derselben Quelle die Tragfähigkeit einer bestehenden Beschichtung, also nicht mehr den Untergrund, sondern die Farbe darauf. [1] Dieselbe Benetzungsprobe zeigt an einer anderen Stelle etwas ganz anderes, nämlich Risse in der Wand.

Wer das Wort Kreidung benutzt und wovon er dabei spricht

In den Schweizer Prüfvorschriften dieses Eintrags kommt das Wort nicht vor, weder im Merkblatt Nr. 92 noch im Bildungsplan. [1][2] Gedeutet wird es an genau einer Stelle, in einer Checkliste des bayerischen Staatsinstituts für Schulqualität und Bildungsforschung. Ihre Zeile lautet: «Wischprobe | Oberfläche mit der Hand oder einem dunklen Lappen abreiben | Hand oder dunkles Tuch nehmen Farbe der Altbeschichtung auf | Kreidung der Oberfläche, Kohäsion und Adhäsion der Altbeschichtung zu schwach». [3]

Das ist die einzige Aussage in unserem Material darüber, was ein Kreiden bedeutet, und sie sagt nichts über eine Ursache, sondern etwas über einen Zustand: zu schwacher Zusammenhalt in der Schicht und zu schwache Haftung auf dem Untergrund. Zwei Vorbehalte gehören dazu. Die Quelle ist deutsch und für die Schweiz nicht bestätigt. Und dasselbe Dokument enthält eine Grafik mit derselben Begrifflichkeit, die laut seinem eigenen Quellenverzeichnis nicht aus dem Regelwerk stammt, sondern aus einer Herstellerpublikation. [3]

Der zweite Unterschied ist der wichtigere, und er ist der Grund, warum hier keine Übersetzung angeboten wird: Die deutsche Zeile spricht von der Altbeschichtung, die Schweizer Zuordnungszeile von mineralischen Untergründen. [1][3] Das eine ist der Farbfilm, das andere die Fläche darunter. Wer daraus zwei Wörter für dieselbe Sache macht, behauptet mehr, als in den Quellen steht.

Eine Schweizer Primärquelle benutzt das Wort dennoch, nur an einer anderen Stelle des Fachs. Das Ausführungsreglement der Umwelt-Etikette für Fassadenfarben, herausgegeben von der Schweizer Stiftung Farbe in der Version 2.5 von 2026, stuft Kalkfarben in die Kategorie A minus ein und begründet das in Abschnitt 2.3.8:

«Sie erfüllen die Anforderungen an die Wetterbeständigkeit, vor allem in Bezug auf die Kreidung, nicht im gleichen Masse wie andere Produkte für die Aussenanwendung.» [8]

Damit steht das Wort in einem Schweizer Regelwerk, und zugleich steht dort ein Anstrichstoff, bei dem das Regelwerk selbst mit Kreidung rechnet: Kalkfarbe an der Fassade. Weiter trägt die Fundstelle nicht. Was ein Kreiden ist, wie es gemessen wird und ab welchem Grad es beanstandet wird, sagt auch dieses Reglement nicht, und es spricht über ein Erzeugnis vor dem Auftragen und nicht über eine Fläche, über die du mit der Hand fährst. Was die Einstufung A minus bedeutet und welche Auflage an ihr hängt, steht unter Kalkfarbe. [8]

Bleibt der Ausblick auf das nächste Produkt, und auch der bleibt vage. Eine enzyklopädische Quelle schreibt, «bestimmte Grundierungen» könnten kreidende Schichten festigen, und ordnet das ausdrücklich keinem Produkttyp zu. [5] Ausgetragen ist dieser Punkt unter Grundierung, Tiefgrund und Haftgrund. Bezeichnend ist, was auf der Gegenprobe fehlt: Die Produktseite eines deutschen Tiefgrundprodukts wurde gezielt nach dem Wort «kreidend» durchsucht, und es kommt dort nicht vor. [7]

Zwei Fragen, auf die wir keine Antwort haben

Es sind die zwei Fragen, wegen deren die meisten hier landen.

Wodurch eine Beschichtung zu kreiden beginnt, sagt keine geprüfte Quelle dieses Eintrags. Weder das Merkblatt Nr. 92 noch der Bildungsplan noch eine der zwei deutschen Vergleichsquellen nennt eine Ursache, und das Fassadenreglement der Umwelt-Etikette nennt auch keine: Es setzt die Kreidung voraus, statt sie zu erklären. [8]

Wie ein kreidender oder mehlender Untergrund behandelt wird, bevor neue Farbe darauf kommt, sagen sie ebenso wenig. Belegt ist als Massnahme allein die weitere Prüfung.

Beides lässt sich nicht durch Umformulieren schliessen, sondern nur durch eine Quelle, die wir bisher nicht haben. Was an Vorarbeit überhaupt in Frage kommt, sammelt Untergrundvorbereitung, und wenn die Fläche draussen liegt, kommt die Prüfung auf Hohlstellen dazu, siehe Fassade streichen.

Offengelegte Grenzen dieser Quellenlage

Was davon auf ein Offertblatt gehört

Nach diesen Quellen steht zwischen dem Befund und der ersten Position eine Prüfung. Ein Blatt, das von einer abfärbenden Fläche direkt zu einer Zeile «grundieren» springt, hat diesen Schritt entweder gemacht und nicht aufgeschrieben oder nicht gemacht. Frag deshalb nach zwei Angaben: welche Prüfmethoden angewendet wurden und was sie ergeben haben. Die Beurteilung der Festigkeit schuldet der Betrieb ohnehin, sie steht als eigener Punkt in seinem Bildungsplan. [2]

Was danach folgt, hängt am Befund und nicht am Wort. Wie viele Lagen am Ende auf die Fläche kommen, gehört unter Anzahl der Anstriche; löst sich der Putz statt der Farbe, ist es ein anderer Fall, siehe Putzabplatzungen.

Verwandte Begriffe

Quellen

  1. SMGV Schweizerischer Maler- und Gipserunternehmer-Verband: Redaktion GTK/M zusammen mit dem VSLF (Verband der Schweizerischen Lack- und Farbenindustrie): Merkblatt Nr. 92 «Prüfmethoden» (im Shop mit dem Zusatz «gemäss SIA 257»), Artikelnummer 2451, Stand Juli 2022.
  2. SMGV und FREPP: genehmigt durch das SBFI: Bildungsplan zur beruflichen Grundbildung für Malerin und Maler EFZ, Berufsnummer 53002, vom 22. Juli 2014, in Kraft seit 1. Januar 2015.
  3. ISB, Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung, Bayern: Illustrierende Aufgaben für die Berufsschule Maler und Lackierer, «Ich prüfe Untergründe und Altbeschichtungen baustellengerecht». Kein Publikationsdatum angegeben, das Quellenverzeichnis nennt eine Ausgabe von 2019.
  4. Landesinnungsverband des Bayerischen Maler- und Lackiererhandwerks: Info-Merkblatt «Untergrundprüfung im Maler- und Lackiererhandwerk», Stand Juni 2018.
  5. Wikipedia (deutschsprachig): Artikel «Grundierung», Revisions-ID 266496986.
  6. SIA Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein: SIA-Shop, Produktseite zur Norm SIA 257.
  7. Caparol (Deutschland): Produktseite «CapaSol RapidGrund».
  8. Schweizer Stiftung Farbe: «Ausführungsreglement Umwelt-Etikette UE IV, Fassadenfarben», Version 2.5, 2026, Abschnitt 2.3.8. Schweizer Primärquelle des Kennzeichnungssystems, im Volltext gelesen, abgerufen am 13.08.2026. Verwendet ist allein der Satz zur Wetterbeständigkeit der Kalkfarben. Eine Definition der Kreidung, ein Messverfahren dafür oder eine Ursache enthält das Reglement nicht.

Stand und Verantwortung

Inhaltlich geprüft am 14. August 2026. Verantwortlich: Redaktion malerofferte.ch.

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