Wann darf eine Holzterrasse geölt werden?
Für Terrassenholz empfiehlt Bosshard-Farben in Rümlang nicht die einfache Öllasur, sondern Arbezol Aqualin Pro mit vorbeugendem Bläue- und Schimmelschutz. [1][2] Das Produkt ist in der Schweiz als Biozidprodukt zugelassen; eine der zwei schweizerischen Nummern auf dem Blatt lautet CH-2012-0036.01.0001. [1] Fetthaltige Tropenhölzer wie Cumaru oder Ipe müssen davor sechs bis acht Wochen vorbewittern. [1]
Redaktionell geprüft: 14. August 2026
Was die zwei Merkblätter für eine Terrasse hergeben
- Arbezol Aqualin Pro trägt vier Zulassungsnummern, davon zwei schweizerische, und enthält laut Merkblatt wörtlich «0,74 g/100 g IPBC», einen Wirkstoff gegen Pilze. [1]
- Verarbeitet wird zwischen +5 und +30 °C Umgebungs- und Untergrundtemperatur, wörtlich derselbe Satz wie im Merkblatt des Produkts ohne Schutzwirkung. [1][2]
- Überstreichbar ist der Auftrag nach ca. 8 Stunden bei +20 °C und 65 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit, also vier Stunden früher als beim Schwesterprodukt. [1][2]
- «Cumaru, Ipe, Massaranduba, Teak und ähnliche» Hölzer brauchen vor dem ersten Auftrag sechs bis acht Wochen Vorbewitterung; die Holzarten stehen wörtlich im Blatt, die Frist ist nur sinngemäss wiedergegeben. [1]
Wer die Terrasse ölen lässt und wer sie bezahlt
Wem die Terrasse gehört, der bestimmt Zeitpunkt und Produkt und bekommt die Rechnung. Interessant wird die Frage erst im Mietverhältnis: Dort hängt beides an zwei Artikeln des Obligationenrechts, und die Grenze zwischen ihnen ist unscharf.
Art. 256 Abs. 1 OR verpflichtet die Vermieterschaft, die Sache «in einem zum vorausgesetzten Gebrauch tauglichen Zustand zu übergeben und in demselben zu erhalten». [3] Der zweite Halbsatz ist die Erhaltungspflicht während der ganzen Mietdauer. Dagegen steht Art. 259 OR, ein einziger Satz:
«Der Mieter muss Mängel, die durch kleine, für den gewöhnlichen Unterhalt erforderliche Reinigungen oder Ausbesserungen behoben werden können, nach Ortsgebrauch auf eigene Kosten beseitigen.» [3]
Eine Frankengrenze nennt das Gesetz nicht, und die zwei Verbände widersprechen sich beim Massstab. Der Mieterinnen- und Mieterverband schreibt, die Grenze sei «nirgends» genau festgelegt, und stellt darauf ab, ob eine handwerklich normal begabte Mieterschaft die Arbeit selbst ausführen kann; die früher verbreiteten 150 Franken nennt er ausdrücklich als überholte Faustregel. [4] Der Hauseigentümerverband Schweiz hält dagegen an einer Zahl fest: «Weit verbreitet ist eine Kostengrenze von CHF 150 bis 250 pro Einzelfall», und verlangt zusätzlich, dass Fachkenntnisse nötig sind. [5]
Keine dieser Quellen nennt das Ölen einer Terrasse. Die Zuordnung ist deshalb die Lesart dieser Redaktion aus zwei Normen und zwei Verbandspositionen und kein Entscheid: Wer einen Malerbetrieb kommen lässt, kauft Fachleistung ein, und nach beiden Massstäben spricht das gegen den kleinen Unterhalt und für die Erhaltungspflicht aus Art. 256 Abs. 1 OR. Wer sicher sein will, klärt es vor der Bestellung schriftlich. Was beim Auszug für Anstricharbeiten gilt, steht unter Malerarbeiten beim Auszug, und ob eine graue, rissige Fläche überhaupt ein Schaden ist, unter Abnutzung oder Schaden.
Warum für die Terrasse das andere Gebinde empfohlen wird
Beide Produkte desselben Herstellers dürfen aufs Holz, und nur eines ist für die waagrechte Fläche ausgerüstet. Das Merkblatt zum Pro-Produkt beschreibt es so:
«Arbezol Aqualin Pro ist eine wasserbasierte, verarbeitungsfertige, offenporige 3 in 1 Öllasur auf Basis spezieller ölmodifizierter emulgierter Bindemittel und Wachse. Mit vorbeugendem Bläue- und Schimmelschutz für den Ausseneinsatz ohne Erdkontakt.» [1]
Die einfache Arbezol Aqualin führt Terrassendecks zwar in ihrer eigenen Anwendungsliste, enthält aber keinen Bläue- und Schimmelschutz, und der Hersteller verweist an derselben Stelle auf das Schwesterprodukt. [1][2] Diese Abgrenzung ziehen wir aus den zwei Datenblättern zusammen; als Satz steht sie dort nicht. Was eine Öllasur überhaupt ist, was Wachs darin zu suchen hat und welche Holzfeuchte die Blätter verlangen, steht unter Holzöl.
Der Unterschied wirkt sich auch rechtlich aus. Ein Anstrichstoff, der vorbeugend gegen Pilze wirkt, ist in der Schweiz ein zulassungspflichtiges Biozidprodukt. Deshalb trägt das Blatt neben dem Wirkstoffsatz «Enthält 0,74 g/100 g IPBC» eine Reihe von Zulassungsnummern, deren erste schweizerische CH-2012-0036.01.0001 lautet. [1] Ein Mittel, das ausdrücklich Insekten bekämpft, ist wieder etwas anderes und trägt eine eigene Zulassung; dort steht auch, warum auf diesem Blatt vier Nummern nebeneinander stehen, siehe Holzschutzmittel. Und wer gar nichts aufträgt, bekommt kein Versagen, sondern eine andere Oberfläche, siehe Vergrauung.
Ein Öl ohne Zulassungsnummer verspricht keinen Bläueschutz, und eines mit Nummer ist deshalb noch nicht dasselbe Produkt: Die Nummern auf dem Blatt hängen am Gebinde, nicht am Wort Holzöl. [1]
Sechs bis acht Wochen, bevor das erste Öl kommt
Der Belag aus Ipe kommt im April auf die Unterkonstruktion, Ende Mai ist der Gartenbau fertig, und die Terrasse sieht aus, als könnte sie sofort behandelt werden. Nach dem Merkblatt kann sie es nicht: Fetthaltige Tropenhölzer wie «Cumaru, Ipe, Massaranduba, Teak und ähnliche» brauchen sechs bis acht Wochen Vorbewitterung, bevor gestrichen wird. [1] Der frühestmögliche Termin liegt damit im Juli, und wer im Mai eine Offerte einholt, bestellt eine Arbeit für einen Zeitpunkt, den nicht der Betrieb bestimmt. Die Monate in diesem Beispiel sind gewählt, die Wartefrist steht im Merkblatt.
Bei einheimischem Holz entfällt dieser Schritt. Dafür bleibt die zweite Grenze: Verarbeitet wird nach beiden Merkblättern nur zwischen +5 und +30 °C Umgebungs- und Untergrundtemperatur. [1][2] Was eine solche Spanne für eine Arbeit im Freien bedeutet und welche Wetterlagen sie ausschliessen, steht unter Wetterabhängigkeit an der Fassade.
Nach dem Auftrag ist die Fläche laut Merkblatt bei +20 °C und 65 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit nach ca. 3 Stunden staubtrocken und nach ca. 8 Stunden überstreichbar. [1] Beim Produkt ohne Bläueschutz dauert dasselbe 12 Stunden. [2] Welche Zeitpunkte ein Merkblatt überhaupt unterscheidet und woran seine Werte hängen, steht unter Trocknungszeiten. Wie viele Aufträge deine Terrasse braucht, sagt keines der zwei Blätter.
Wie oft eine geölte Terrasse später nachbehandelt werden muss, steht ebenfalls in keinem der zwei geprüften Merkblätter. [1][2]
Wogegen die Zulassung dieses Öl sperrt
Aus der Biozidzulassung folgen Anwendungsverbote, und einige davon betreffen Holz, das gar nicht zur Terrasse gehört. Ausgeschlossen ist die Verwendung bei Holz mit Lebensmittel-, Trinkwasser- oder Tierkontakt sowie bei Bienenhäusern, bei Gewächshäusern innen, bei Sauna-Anlagen innen und an Flächen, die von Fledermäusen genutzt werden. [1] Diese Liste ist eine Zusammenfassung des Datenblatts und keine wörtliche Übernahme.
Für eine Terrasse heisst das: Der Belag selbst steht nicht auf dieser Liste, der Hochbeetrand daneben und die Sitzbank am Hühnerauslauf stehen darauf. Solche Flächen muss der Betrieb kennen, bevor er ein Gebinde mitbringt, und geklärt gehören sie beim Aufnehmen der Offerte.
Zu Gesundheits- und Anwenderfragen bei IPBC-haltigen Produkten liegt dieser Redaktion keine geprüfte Quelle vor. Hier steht deshalb weder eine Warnung noch eine Entwarnung. Massgeblich sind das Sicherheitsdatenblatt des Herstellers und die Angaben auf dem Gebinde.
Offengelegte Grenzen dieser Quellenlage
- Der technische Teil ruht auf zwei Merkblättern desselben Herstellers. Ein zweiter Schweizer Anbieter mit vollständigem, aktuellem Merkblatt liess sich bei der Dossierrecherche für dieses Marktsegment nicht auffinden.
- Keine Quelle behandelt das Ölen einer Terrasse mietrechtlich. Die Zuordnung im Abschnitt zur Kostenfrage ist als Folgerung gekennzeichnet.
- Die Frankenangaben der Quellen 4 und 5 sind Verbandspositionen im Streit, keine gesetzliche Grenze. Sie stehen hier als Streit und nicht als Regel.
Was auf der Offerte für eine Terrasse stehen muss
Die Zeile «Terrasse ölen» nennt weder das Produkt noch das Holz. Ohne Produktbezeichnung samt Hersteller lässt sich nicht nachlesen, ob ein Bläueschutz drin ist und welche Bedingungen gelten, und ohne die Holzart bleibt offen, ob die Vorbewitterung anfällt. [1] Fehlt dazu die Zahl der Aufträge, fassen zwei Angebote dieselbe Fläche unterschiedlich oft an; wie diese Fläche ermittelt wird, steht unter Vorausmass und Ausmass.
Kommt der Termin wegen der Vorbewitterung erst Wochen später, gehört das auf das Blatt und nicht ins Telefonat. Ob dich die Endsumme dann noch bindet, hängt an der Preisabrede, siehe Offerte und Kostenvoranschlag. Für den Belag eines Balkons gelten dieselben zwei Merkblätter, aber nicht dieselbe Zuständigkeit im Haus, dazu mehr unter Balkon streichen. Welche Betriebe in deiner Gegend Aussenholz machen, zeigt Malerbetriebe in Bern.
Verwandte Begriffe
- Holztreppe streichen: Was auf eine Holztreppe kommt
- Holzfassade streichen: Holzfassade lasieren oder deckend streichen
- Küchenfronten streichen: Küchenfronten streichen, eine Platte und kein Holz
- Holzöl: Was Holzöl ist und wann es aufs Holz darf
- Vergrauung: Unbehandeltes Holz vergraut ungleichmässig
- Holzschutzmittel: Was ein Holzschutzmittel bekämpft
Quellen
- Bosshard-Farben AG, Ifangstrasse 97, 8153 Rümlang: Technisches Merkblatt «Arbezol Aqualin Pro», Artikelnummer 05576, datiert 4.6.26.
- Bosshard-Farben AG (Rümlang): Technisches Merkblatt «Arbezol Aqualin», Artikelnummer 05575, datiert 17.03.26.
- Fedlex, die Publikationsplattform des Bundesrechts: Obligationenrecht, SR 220, konsolidierte Fassung, Stand 1. Januar 2026, Art. 256 und Art. 259.
- Mieterinnen- und Mieterverband: «Kleiner Unterhalt». Kein Publikationsdatum ersichtlich.
- Hauseigentümerverband Schweiz (HEV): «Kleiner Unterhalt». Kein Datum ersichtlich.
Stand und Verantwortung
Inhaltlich geprüft am 14. August 2026. Verantwortlich: Redaktion malerofferte.ch.
In eigener Sache
Sechs bis acht Wochen Vorbewitterung schieben den Auftrag nach hinten, und ein verschobener Auftrag ist für ein Vermittlungsportal der schlechtere Fall. malerofferte.ch verdient daran, dass Offertanfragen bei Malerbetrieben ankommen, und eine Frist von zwei Monaten bremst genau das. Sie steht trotzdem oben, weil das Merkblatt sie für fetthaltige Tropenhölzer verlangt.
Bei einer Terrasse entscheiden zwei Angaben darüber, ob zwei Blätter dasselbe meinen: die Holzart und das Erzeugnis mit Namen. Beides verlangst du in der Anfrage, die über malerofferte.ch an Betriebe deiner Gegend geht. Steht die Vorbewitterung noch an, gehört der frühestmögliche Termin auf dasselbe Papier und nicht ins Telefonat.
Angebote einholen