Untergründe & Techniken

Wie der Untergrund vor dem Anstrich geprüft wird

Vor jeder Arbeitsausführung prüft der Malerbetrieb die Untergründe an mehreren Stellen auf Zustand und Eignung. Die Norm SIA 257, Ausgabe 2021, schreibt das vor; wiedergegeben ist sie im Merkblatt Nr. 92 des SMGV mit zwölf Prüfmethoden P 1 bis P 12, siebzehn Untergründen U 1 bis U 17 und 47 Mängeln M 1 bis M 47. [1]

Redaktionell geprüft: 14. August 2026

Drei Codebereiche und ein Preis

Augenschein1Methode wählen2An mehrerenStellen prüfen3Protokollmitunterzeichnen4Bauherrschaft oder Bauleitungder Malerbetrieb
Die ersten drei Schritte schuldet der Betrieb nach Norm SIA 257, wiedergegeben im Merkblatt Nr. 92 des SMGV. Der vierte ist keine Pflicht: Das Merkblatt empfiehlt das Prüfprotokoll und schreibt, es solle nach Möglichkeit vom Bauleiter oder von der Bauherrschaft mitunterzeichnet werden. Welche Methode im zweiten Schritt zu wählen ist, hängt vom Untergrund und vom gesuchten Mangel ab; die Grafik zeigt die Reihenfolge und keine Auswahl.SMGV, Merkblatt Nr. 92 «Prüfmethoden», Artikelnummer 2451, Stand Juli 2022, Kapitel 1, 2 und 5.

Wer prüft, wann und wie oft

Die Pflicht trifft den ausführenden Betrieb, nicht die Bauherrschaft. Das Merkblatt Nr. 92 des Schweizerischen Maler- und Gipserunternehmer-Verbands, Artikelnummer 2451, Stand Juli 2022, gibt den Text der Norm SIA 257 wieder; die Norm selbst wird kostenpflichtig abgegeben, jede Normpassage auf dieser Seite ist deshalb ein Zitat zweiter Hand. [1][10] Zum Umfang stehen darin zwei Sätze:

«Die Prüfungen sind an mehreren Stellen vorzunehmen. Ein vorgängiger Augenschein ist Grundlage jeder Prüfung.» [1]

Eine einzelne Stichprobe erfüllt die Vorgabe also nicht. Was ein Augenschein ist, definiert dasselbe Merkblatt eigens: «die unmittelbare, sinnliche Wahrnehmung eines Gegenstandes durch Sehen, Hören, Fühlen oder Schmecken und Riechen.» [1] Erst danach greift der Betrieb zu einem Gerät.

Wie hoch der Verband die Aufgabe hängt, zeigt die Berufsbildung. Der Bildungsplan für Malerin und Maler EFZ, vom SBFI am 22. Juli 2014 genehmigt, führt sie als Musterbeispiel für die höchste Taxonomiestufe K6 an: «Malerinnen EFZ und Maler EFZ prüfen und beurteilen den Untergrund nach SIA-Normen bzw. technischen Merkblättern des SMGV.» [7] Was der Betrieb danach mit dem Befund macht, steht unter Altanstrich entfernen und unter Grundierung, Tiefgrund und Haftgrund.

Drei Buchstaben, die aus einer Floskel eine Angabe machen

Das Merkblatt arbeitet mit einem dreiteiligen Code. Seine Legende lautet wörtlich: «U Untergrund», «M Mangel, auf welchen geprüft wird», «P Prüfmethode». [1] Die Reichweite steht im Kapitel über das Prüfprotokoll: Untergründe U 1 bis U 17, Mängel M 1 bis M 47, Prüfmethoden P 1 bis P 12. [1] Kapitel 4 setzt die drei zu Matrizen zusammen, getrennt nach Holz, mineralischen Untergründen sowie Metall und Kunststoff. [1]

Erst wenn Untergrund, gesuchter Mangel und Methode zusammen dastehen, ist «Untergrund geprüft» eine Angabe und keine Floskel. Genau diese drei fragt das Prüfprotokoll ab. [1]

Wie das im Betrieb aussieht, steht in einem Formular, das der Verband gratis abgibt. Im Prüfprotokoll zu Merkblatt Nr. 95, Stand Januar 2024, lautet die vierte von dreizehn Fragen wörtlich: «Sind Risse M21 erkennbar? Prüfmethode: Sichtprüfung P4 und Benetzungsprobe P5. Erkennung: Dunkle Abzeichnung der Risse, wasserführende Risse >0.2 mm.» [5] Der Code steht dort neben den Methoden und dem Wert, ab dem ein Riss als wasserführend gilt. Was ein Riss sonst bedeutet, steht unter Risse in der Wand, die Ausgangsfläche des Prüfers unter Spachtelqualität Q1 bis Q4.

Eine Methode für das Auge, eine für den pH-Wert

Die Sichtprüfung P4 klingt nach dem, was jeder kann, und das Merkblatt widerspricht dem selbst. Es unterscheidet die direkte Prüfung ohne Hilfsmittel, die direkte mit Lupe, Endoskop oder Spiegel und die indirekte mit Kamera oder Videoskop. Dazu der Satz, der die Grenze zieht: «Die Interpretation der Resultate ist von der Erfahrung des beurteilenden Prüfers abhängig.» [1] Ein Befund aus P4 hängt damit an einer Person, und deshalb verlangt das Protokoll deren Namen. Den Zusammenhang zwischen beidem stellt allerdings diese Redaktion her, das Merkblatt zieht ihn nicht.

Die Indikatormethode P7 misst dagegen etwas, das man nicht sehen kann. Der Betrieb prüft die Alkalität mit Phenolphthalein oder Indikatorpapier: «Wird mit Phenolphthalein geprüft, verfärbt sich der Untergrund resp. das Phenolphthalein ab dem pH-Wert 8 lila.» [1] Fällt die Fläche zu alkalisch aus, lautet die Massnahme nicht Grundierung, sondern Warten. «Bei zu hoher Alkalität der zu beschichtenden Untergründe (Beton und mineralische Putze) ist die Trocknungs- resp. Aushärtungszeit (Karbonatisierung) zu verlängern.» [1] Frischer Beton kann also fertig aussehen und trotzdem noch nicht beschichtbar sein. Wie lange Beschichtungsstoffe ihrerseits brauchen, steht unter Trocknungszeiten.

Die übrigen zehn Methoden beschreibt dasselbe Merkblatt ebenso ausführlich, jede mit Originaltext, Auswertung, Prüfgeräten und möglichen Massnahmen. [1]

Was nach der Prüfung auf Papier gehört

Ein Protokoll ist eine Empfehlung und keine Pflicht. Der Wortlaut: «Es wird empfohlen, die Prüfresultate in einem Prüfprotokoll festzuhalten.» [1] Neun Punkte zählt das Merkblatt dafür auf, darunter die Angaben zum Objekt, die genaue Lage der Stichprobe nach Raum und Prüfstelle, geprüfter Untergrund, geprüfte Mängel und angewendete Methode, die Feststellung, ob ein Mangel vorliegt, und zuletzt Prüfperson, Datum und Unterschrift. [1] Eine zweite Unterschrift bringt dieser Satz ins Spiel: «Nach Möglichkeit sollte das Prüfprotokoll vom Bauleiter oder der Bauherrschaft mitunterzeichnet werden.» [1]

Das Merkblatt druckt das Formular selbst ab, auf den Seiten 25 und 26, mit drei Prüfblöcken und dem Vermerk: «Das abgebildete Prüfprotokoll enthält alle notwendigen Angaben.» [1] Zwei engere Formulare liegen zusätzlich frei vor: die Checkliste zu Merkblatt Nr. 91 für Glattputze und Trockenbauflächen, Stand September 2025, mit zehn Prüffragen und je einem Ankreuzfeld [4], und das genannte Prüfprotokoll zu Merkblatt Nr. 95 mit dreizehn Fragen [5]. Was am Ende der Arbeit protokolliert wird, steht unter Abnahme von Malerarbeiten.

Wo du für das Codesystem nichts bezahlen musst

Der SMGV verkauft die Fachinformation Nr. 10 «Prüfung Untergründe inkl. Prüfprotokoll», Artikelnummer 2459, Ausgabe August 2022, beschrieben als «Set mit je 5 Blättern», zu 30.60 CHF und für Mitglieder 10.20 CHF. [2] Sein Download-Center führt dazu genau zwei Dateien, beide nur für Mitglieder zugänglich. [6] Über die erste sagt Merkblatt Nr. 92 selbst: «Auf dem Formular sind die in der Norm SIA 257 : 2021 beschriebenen handwerklichen Prüfmethoden zusammengefasst.» [1] Zusammengefasst wird damit Material, das dasselbe Merkblatt auf 28 gratis herunterladbaren Seiten ausbreitet; die zweite Datei ist dort abgedruckt.

Die Rechnung macht der Verband an anderer Stelle selbst auf. Das 5er-Set der Checkliste zu Merkblatt Nr. 91 ist derselbe Artikeltyp zum selben Preis, und auf seiner Shopseite steht wörtlich: «Diese Checkliste steht gratis zum Download zur Verfügung.» [3] Gekauft wird bei solchen Artikeln der gedruckte Block, den Inhalt gibt es daneben umsonst. Das ist die Lesart dieser Redaktion aus den zwei Shopseiten und kein Satz des Verbands. Ob die zwei Blätter wörtlich dasselbe sagen wie Merkblatt Nr. 92, ist nicht behauptet: Wir haben sie nicht gesehen, und im Archiv der Verbandszeitschrift applica fand sich kein Artikel, der sie wiedergibt.

Beim Herunterladen lohnt der Blick aufs Impressum. Ein Schweizer Farbenhersteller spiegelt Merkblatt Nr. 92 auf seiner eigenen Seite, dort aber in der Fassung vom Juli 2018, die noch auf der Norm SIA 257 in der Ausgabe 2005 fusst und andere Codebereiche führt. [8] Massgeblich ist die Ausgabe Juli 2022. Den Herausgeber ordnet SMGV-Mitgliedschaft ein, die Normnummern nebenan SIA 242.

Was dieser Eintrag nicht belegt

Was davon auf deinem Blatt steht

Steht auf deiner Offerte eine Zeile «Untergrund prüfen», sagt sie für sich genommen nichts darüber, was geprüft wurde. Nachprüfbar wird sie durch drei Rückfragen: welcher Untergrund, welcher Mangel, welche Methode. Genau diese drei Angaben verlangt das Prüfprotokoll, und wer sie stellt, fragt nach nichts, was der Betrieb nicht ohnehin schuldet. [1] Wo solche Angaben im Angebot stehen, klärt Offerte und Kostenvoranschlag.

Zwei Stellen im Regelwerk berühren dabei den Preis. Nicht jede Prüfung ist inbegriffen: Laborprüfungen «sind durch die Bauleitung anzuordnen und separat zu entschädigen». [1] Und ein Befund kann die Fläche aus dem Malerauftrag herausnehmen. Die Checkliste zu Merkblatt Nr. 91 hält fest, dass Absprengungen oder Hohlstellen über 300 cm² mit beschichtungstechnischen Massnahmen nicht saniert werden können. [4] Dort steht dann keine Anstrichposition, sondern eine Reparatur.

Was aus deutschen Prüflisten nicht mitkommt

Die Untergrundprüfung ist auch in Deutschland geregelt, nur an einer anderen Kette. Das Info-Merkblatt des Landesinnungsverbands des Bayerischen Maler- und Lackiererhandwerks, Stand Juni 2018, stützt sich auf die VOB mit der ATV DIN 18363 und auf das BFS-Merkblatt Nr. 20. Seine Prüftabelle nennt dieselben Handgriffe, etwa «Saugfähigkeit» mit «Benetzungsprobe mit Wasser», führt aber keine Codes. [9] Ein U-, M- oder P-Kürzel vom Schweizer Prüfprotokoll lässt sich dort also nicht nachschlagen. Ob das deutsche Regelwerk anderswo ein vergleichbares System kennt, hat diese Redaktion nicht geprüft; die Aussage betrifft die eine gelesene Quelle.

Verwandte Begriffe

Quellen

  1. SMGV Schweizerischer Maler- und Gipserunternehmer-Verband, Redaktion GTK/M zusammen mit dem VSLF: Merkblatt Nr. 92 «Prüfmethoden», Artikelnummer 2451, Impressum «Merkblatt Juli 2022», 28 Seiten, gestützt auf die Norm SIA 257 Ausgabe 2021. Alle darin wiedergegebenen Passagen der Norm sind Zitate zweiter Hand. Abgerufen am 13.08.2026.
  2. SMGV: Shopseite «Fachinfo Nr. 10: Prüfung Untergründe inkl. Prüfprotokoll», Artikelnummer 2459, Ausgabe August 2022. Belegt Preis, Ausgabe und die Beschreibung «Set mit je 5 Blättern». Abgerufen am 13.08.2026.
  3. SMGV: Shopseite «5er-Set SMGV-Checkliste/Prüfprotokoll Nr. 91», Artikelnummer 2452, Ausgabe Dezember 2025, mit wörtlichem Gratis-Hinweis. Abgerufen am 13.08.2026.
  4. SMGV: «Checkliste / Prüfprotokoll, Beschichtungen auf Glattputze und Trockenbauflächen», Checkliste zu Merkblatt Nr. 91, Artikelnummer 2452, Impressum «Stand September 2025», 5 Seiten. Abgerufen am 13.08.2026.
  5. SMGV: «Prüfprotokoll, Bodenbeschichtungen auf mineralische Untergründe», Prüfprotokoll zu Merkblatt Nr. 95, Artikelnummer 2454, «Stand Januar 2024», 4 Seiten. Abgerufen am 13.08.2026.
  6. SMGV: Download-Center des Verbands, maschinenlesbares Verzeichnis. Belegt, dass die Fachinformation Nr. 10 dort mit genau zwei Dateien geführt wird und beide als zugriffsbeschränkt markiert sind. Erfasst sind die deutschsprachigen Einträge. Abgerufen am 13.08.2026.
  7. SMGV und FREPP, genehmigt durch das SBFI: Bildungsplan zur Verordnung über die berufliche Grundbildung für Malerin und Maler mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis, Berufsnummer 53002, genehmigt am 22. Juli 2014, in Kraft seit 1. Januar 2015. Abgerufen am 13.08.2026.
  8. KABE Farben, Schweizer Hersteller: Spiegelung von Merkblatt SMGV Nr. 92 in der überholten Fassung «Merkblatt Stand Juli 2018», gestützt auf die Norm SIA 257 Ausgabe 2005, 27 Seiten, mit abweichenden Codebereichen. Als Beleg für aktuelle Werte unbrauchbar. Abgerufen am 13.08.2026.
  9. Landesinnungsverband des Bayerischen Maler- und Lackiererhandwerks: Info-Merkblatt «Untergrundprüfung im Maler- und Lackiererhandwerk» inklusive Checkliste, Stand Juni 2018. Deutsche Quelle, nur als Vergleich verwendet und im Text als deutsche gekennzeichnet. Abgerufen am 13.08.2026.
  10. SIA Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein: SIA-Shop, Produktseite zur Norm SIA 257. Belegt allein, dass die Norm kommerziell vertrieben wird; der Normtext wurde nicht gekauft. Abgerufen am 13.08.2026.

Stand und Verantwortung

Inhaltlich geprüft am 14. August 2026. Verantwortlich: Redaktion malerofferte.ch.

In eigener Sache

Der Hinweis, dass dich das Codesystem und das Prüfprotokoll keinen Franken kosten, nützt uns nichts, denn bezahlt werden wir für Anfragen, die Malerbetriebe über unser Vergleichsportal erhalten. Er steht hier, weil die Belege ihn tragen. Dass Rückfragen an eine Prüfzeile Angebote vergleichbarer machen, nützt uns dagegen sehr, und auch das gehört an diese Stelle.

Lass dir die drei Angaben zur Untergrundprüfung in die Offerte schreiben, bevor du unterschreibst. Eine Anfrage auf malerofferte.ch bringt dir mehrere Blätter nebeneinander, und daran zeigt sich, wer Untergrund, Mangel und Methode benennt und wer es bei der blossen Zeile «Untergrund prüfen» belässt.

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