Fassade & Aussen

Blechverkleidung streichen, wenn das Blech schon beschichtet ist

Vor dem Anstrich einer Blechverkleidung steht die Frage, was schon darauf sitzt. Ein Schweizer Fachartikel von 2019 kennt an der Metallfassade drei Altbeschichtungen und lässt vor Ort zwei Dinge prüfen: den Vernetzungsgrad mit einem Lösemittel und die Haftzugfestigkeit, im dortigen Sanierungssystem mindestens 1,5 N/mm² [1]. Im Katalog NPK 676 steht die Metallfassade unter Ziffer 250 [2].

Redaktionell geprüft: 14. August 2026

Die Werte, an denen eine beschichtete Blechfassade hängt

Eine Mangelzeile und eine Katalogziffer, mehr steht beim Verband nicht

Zwei Schriften des Schweizerischen Maler- und Gipserunternehmer-Verbands ordnen das Bauteil ein, ohne zu sagen, wie es beschichtet wird.

Die erste ist das Merkblatt Nr. 92 «Prüfmethoden», Artikelnummer 2451, Stand Juli 2022. Sein Kapitel 4.3 gilt dem metallischen Untergrund, und eine seiner Mangelzeilen trägt die Nummer M 45: «Tragfähigkeit von Altbeschichtungen oder von vorhandenen Grundbeschichtungen», geprüft mit den Methoden P 8 und P 10 [3]. Diese Zeile gilt für alle Untergründe des Kapitels, also auch für die Altbeschichtung selbst. Welche Untergrundtypen dort nebeneinanderstehen, zeigt Geländer streichen; was die zwei Prüfmethoden im Einzelnen verlangen, steht unter Altanstrich entfernen und unter Untergrundprüfung. Die Zuordnung der Zeilen zu den Spalten ist aus den Wortkoordinaten der Seite rekonstruiert, wörtlich sind die Bezeichnungen selbst [3].

Die zweite ist das Merkblatt E Nr. 1 zu den SIA-Ausmassbestimmungen, Artikelnummer 2498, Stand September 2024. Es druckt die Gliederung des Katalogs NPK 676 «Malerarbeiten aussen» ab, und dort heisst die Ziffer 250 wörtlich «Fassaden aus Holz, Metall und Kunststoff» [2]. Das Blech am Dachrand läuft in demselben Katalog woanders, nämlich unter Ziffer 640 «Dachwasseranlagen, Blechwerk und Kleinteile» [2]. Fassaden werden nach Ziffer 5.2.2 der SIA 118/257 als Fläche gemessen [2], anders als ein Geländer, das über Laufmeter läuft. Die Norm selbst liegt dieser Redaktion nicht vor, zitiert ist der vom Verband abgedruckte Wortlaut; die übrigen Messregeln stehen unter Ausmassregeln beim Maler.

Wie das Blech beschichtet wird, sagt keine der zwei Schriften. Eine Rostgradtabelle kommt in keiner Schweizer Quelle vor, die für das zugrunde liegende Dossier ausgewertet wurde, und ein Leistungsprofil des Verbands für Metall im Aussenbereich ist nicht veröffentlicht [5].

Drei Altbeschichtungen, und dem Blech sieht man keine an

Der einzige geprüfte Schweizer Fachartikel, der die Metallfassade als Ganzes behandelt, stammt von Roger von Niederhäusern, Leiter Technologie und Industrie der Dold AG in Wallisellen, erschienen in der Verbandszeitschrift applica 1/2019 [1]. Er zählt auf, was bei einer Sanierung in Frage kommt: «Pulverbeschichtete Fassade, Coil-Coating-beschichtete Fassade, bereits sanierte Fassade (mit 1- oder 2-komponentigen Systemen)» [1]. Der Artikel spricht von Metallfassaden; dass eine Blechverkleidung an der Fassade darunter fällt, hat diese Redaktion geschlossen, und es steht so in keiner Quelle.

Die ersten zwei sind Werksbeschichtungen, im Werk eingebrannt. Was ein eingebranntes und damit vernetztes System von einem lufttrocknenden unterscheidet, steht unter Lack. Für das Blech an deiner Fassade heisst es zweierlei. Erstens haftet nicht jeder neue Anstrich auf einer solchen Schicht. Zweitens lässt sich von blossem Auge nicht entscheiden, welche der drei Arten vorliegt, und genau deshalb beschreibt der Artikel zwei Prüfungen statt einer Faustregel.

Ob eine Blechfassade überstrichen werden kann, entscheidet der Zustand der vorhandenen Beschichtung und nicht der Farbton, der darüber kommen soll. [1]

Zwei Prüfungen, die am Objekt stattfinden

Die erste betrifft die Vernetzung. Wörtlich: «Der Vernetzungsgrad wird mit einem speziellen Lösemittel wie beispielsweise Xylol überprüft. Dieser Schritt kann vor Ort am Objekt erfolgen.» [1] Sie findet also am eingebauten Bauteil statt.

Die zweite betrifft die Haftung, und sie liefert eine Zahl. Beim Stempelabriss klebt eine Fachperson einen zylinderförmigen Stempel mit einem 2K-Epoxidharzkleber auf den Untergrund und reisst ihn nach dem Aushärten mit einem Prüfgerät ab [1]. Der Artikel nennt dazu eine Grenze und zugleich ihren Geltungsbereich: Die Haftzugfestigkeit müsse mindestens 1,5 N/mm² betragen, «nur dann haftet die Altbeschichtung gut genug auf dem Untergrund, um problemlos eine Dold-Renovationsbeschichtung vorzunehmen» [1]. Das ist der Wert eines Hauses für sein eigenes System, geschrieben vom Technologieleiter dieses Hauses, und keine Verbandsregel.

Liegt ein ausreichend vernetztes System vor, nennt derselbe Artikel den Aufbau: «Als Haftvermittler kommt in diesem Fall eine 2-komponentige Epoxidharzgrundierung zum Einsatz», darüber ein 2-komponentiger Decklack, üblicherweise auf Polyurethanbasis [1]. Welche Grundierungen die Schweizer Verbandsliteratur für Metall systematisch führt, steht unter Rostschutzfarbe.

Zwei Angaben über 120 Mikrometer, die nicht dasselbe messen

Zur Schichtdicke gibt es zwei voneinander unabhängige Schweizer Angaben, und beide nennen 120 µm. Sie messen verschiedene Dinge, und wer sie zusammenzieht, erfindet eine Regel.

Die erste betrifft den Decklack. «Für die Langlebigkeit eines 2-komponentigen Polyurethan-Decklackes ist eine ausreichende Trockenschichtdicke von mindestens 120 µm entscheidend», und unterhalb davon nehme die Farbtonbeständigkeit stark ab [1]. Der Artikel beschreibt auch den Weg dahin: Dringt UV-Strahlung durch den Decklack bis zur Grundierung, beginnt diese nach einigen Monaten zu kreiden, mit sichtbaren Farbtonveränderungen bis hin zum Haftungsverlust der Decklackschicht [1]. Das ist eine Ursachenbeschreibung für diesen einen Aufbau und keine allgemeine Aussage darüber, wodurch Beschichtungen kreiden, siehe Kreiden.

Die zweite kommt von einem Hersteller und betrifft den Gesamtaufbau. Im technischen Merkblatt zur Tosaqua 2K-PUR-Emaille der Bosshard-Farben AG in Rümlang, Art. 72610, Blattdatum 16.4.25, steht für Zink im Aussenbereich: «Auf liegenden verzinkten Flächen im Aussenbereich mindestens 2x Tosaqua 2K-PUR-Emaille applizieren. Gesamtschichtstärke > 120 µm.» [4] Gemeint sind zwei Aufträge eines bestimmten Produkts auf einer liegenden Fläche, nicht die Trockenschichtdicke eines Decklacks an einer senkrechten Wand. Dasselbe Blatt weist für isocyanathaltige Beschichtungen auf die Vorschriften der Suva hin [4], siehe Isocyanate in 2K-Lacken.

Was diese Quellenlage nicht hergibt

Vier der fünf Quellen sind Dokumente Dritter. Sie sind für die zugrunde liegende Faktengrundlage am 13. August 2026 geladen und lokal aus dem Textlayer ausgelesen worden. Die fünfte ist ein Protokoll dieser Redaktion und als solches gekennzeichnet.

Was der Offerte fehlt, wenn nur die Fläche darin steht

Am Ende steht auf dem Blatt eine Fläche in Quadratmetern und ein Betrag daneben. Fünf Angaben gehören dazu, und jede von ihnen stammt aus einer Quelle dieser Seite.

Der Untergrund gehört benannt, also die vorhandene Werksbeschichtung, soweit sie bekannt ist. Die Beurteilung der Altbeschichtung gehört als eigene Leistung aufs Blatt, denn das Verbandsmerkblatt führt sie als eigene Mangelzeile mit eigenen Prüfmethoden [3]. Wird zusätzlich am Objekt geprüft, gehören Verfahren und Kostenträger dazu, weil Lösemitteltest und Stempelabriss Arbeit vor Ort sind [1]. Das Erzeugnis gehört mit Artikelnummer hin, samt der Zahl der Aufträge und der Trockenschichtdicke, weil daran nach beiden Quellen die Haltbarkeit hängt [1][4]. Und die Katalogziffer trennt die Fassadenfläche vom Blechwerk am Dach, 250 gegen 640 [2].

Kommt der Farbton neben ein pulverbeschichtetes Bauteil zu liegen, wird es aufwendiger. Der Sanierungsartikel verlangt dafür eine pulverbeschichtete Mustervorlage zur Rezeptierung des Nasslacks und den Vergleich vor Ort, weil die Belichtung mitspielt [1]. Wann eine Abweichung als Mangel gilt und wer die Zusatzleistung schuldet, steht unter Farbabweichung zwischen zwei Chargen.

Ein Satz, den keine der zwei Quellen ausspricht

«Ein pulverbeschichtetes Blech kann man nach gründlichem Anschleifen überstreichen.» Der Satz liegt nahe, und er steht in keiner der geprüften Quellen. Das Blatt zur Tosaqua 2K-PUR-Emaille sagt: «2K- und Einbrennlackierungen sind in der Regel, nach gründlichem Anschleifen, überlackierbar», und verlangt dazu eine Grundierung mit einem seiner zwei 2K-Primer [4]. Es nennt Einbrennlackierungen und nicht Pulverbeschichtungen. Dass Pulverlack ein eingebranntes System ist, sagt der andere Artikel [1]. Beide Sätze zusammenzuschieben ergibt eine dritte Aussage, für die niemand geradesteht.

Dazu kommt eine zweite Grenze, und sie betrifft die Belegkette selbst. Der Sanierungsartikel nennt in seiner eigenen Quellenzeile zwei Merkblätter des Bundesausschusses Farbe und Sachwertschutz in Frankfurt am Main, die Nummern 20 und 25 [1]. Das Herstellerblatt schreibt seinerseits «BFS-Merkblatt beachten» [4]. Woher diese Reihe stammt und warum sie in der Schweiz nicht selbstverständlich gilt, hält die oben verlinkte Seite zur Rostschutzfarbe fest. Die BFS-Merkblätter Nr. 20 und Nr. 25 sind kostenpflichtig und wurden für diesen Eintrag nicht beschafft. Nachweisbar ist nur, dass der tragende Artikel sich auf sie stützt; ihr Inhalt bleibt hier ungeprüft. Ebenso wenig steht hier eine Korrosivitätskategorie: Sie gehört zu Metallzaun streichen.

Verwandte Begriffe

Quellen

  1. von Niederhäusern, Roger: (Leiter Technologie und Industrie der Dold AG, Wallisellen ZH): «Grundlagen der Sanierung von Metallfassaden», in: applica 1/2019, Seiten 8 bis 11. Archiv auf dem Server des SMGV. Fachpresse, Schweiz, mit benanntem Autor und Herstellerbezug. Keine Merkblatt- oder Normqualität, Stand 2019, nicht gegen eine neuere Ausgabe geprüft. Die Prüf- und Aufbauangaben beziehen sich auf das Renovationssystem des Hauses, für das der Autor arbeitet. Die Quellenzeile des Artikels nennt die BFS-Merkblätter Nr. 20 und Nr. 25 sowie einen Systemflyer der Dold AG.
  2. SMGV Schweizerischer Maler- und Gipserunternehmer-Verband: (Oberwiesenstrasse 2, 8304 Wallisellen): Merkblatt SMGV E Nr. 1 «Erläuterungen und Darstellungen zu den SIA-Ausmassbestimmungen für Malerarbeiten. Inkl. Entscheidungsschemas NPK 675 und NPK 676», Artikelnummer 2498, Stand September 2024, 28 Seiten. Fachverband, Schweiz, Primärquelle für die Katalogziffern und die Ausmassart. Die Norm SIA 118/257 selbst liegt nicht vor; zitiert ist der vom Verband abgedruckte Wortlaut.
  3. SMGV: Redaktion GTK/M zusammen mit dem VSLF Verband der Schweizerischen Lack- und Farbenindustrie: Merkblatt Nr. 92 «Prüfmethoden», Artikelnummer 2451, Stand Juli 2022, 28 Seiten. Fachverband, Schweiz, Primärquelle für die Mangelzeile M 45 in Kapitel 4.3. Die Matrix dieses Kapitels ist im Dossier über die Wortkoordinaten der Seite rekonstruiert, die Bezeichnungen sind wörtlich. Das Merkblatt erhebt nach eigener Angabe «keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Allgemeingültigkeit».
  4. Bosshard-Farben AG: (Ifangstrasse 97, 8153 Rümlang): Technisches Merkblatt «Tosaqua 2K-PUR-Emaille glanz / seidenglanz», Art. 72610, Blattdatum 16.4.25. Herstellerdokument, Schweizer Hersteller. Hier verwendet für die Aufbauzeile zu liegenden verzinkten Flächen, für die Zeile zu 2K- und Einbrennlackierungen und für den Verweis auf die Suva-Vorschriften. Der Hersteller beschreibt, wofür er bei seinem eigenen Erzeugnis geradesteht.
  5. Redaktion malerofferte.ch: Faktengrundlage dieses Eintrags, Abschnitt 9, Nulltreffer 2, 4 und 7, Recherchestand 13. August 2026. Projekteigenes Rechercheprotokoll, keine externe Quelle. Hier ausschliesslich als Fundstelle dafür verwendet, dass die BFS-Merkblätter kostenpflichtig und nicht beschafft sind, dass für Metall aussen kein Leistungsprofil-Heft veröffentlicht ist und dass in keiner ausgewerteten Schweizer Quelle eine Rostgradtabelle vorkommt.

Stand und Verantwortung

Inhaltlich geprüft am 14. August 2026. Verantwortlich: Redaktion malerofferte.ch.

In eigener Sache

Diese Seite rät dir, zwei Prüfungen und eine Schichtdicke schriftlich zu verlangen, bevor jemand streicht. Wir leben von Anfragen, die über malerofferte.ch an Betriebe gehen, und jede zusätzliche Prüfposition verteuert zunächst die Offerte, auch die aus unserer Vermittlung. Wir raten trotzdem dazu, weil der Anstrich sonst auf einer Annahme über die alte Schicht beruht, die keine der Quellen dieser Seite deckt.

Zwei Sätze genügen für die Anfrage auf malerofferte.ch: woraus die Verkleidung besteht, und ob sie ab Werk beschichtet ist oder schon einmal nachgestrichen wurde. Wer darauf mit einer Rückfrage zum Zustand der alten Schicht antwortet, prüft nach demselben Massstab wie diese Seite.

Angebote einholen
Blechverkleidung streichen, NPK 676 Ziffer 250