Fassade & Aussen

Sockelputz, die Zone über und unter dem Terrain

Der Sockelbereich ist nach dem Merkblatt Nr. 72 des SMGV die Zone der Fassade unterhalb und oberhalb der Sockellinie, dort wo die Wand ans Terrain, an Terrassen und an Balkone stösst. [1] Führt der Putz unter die Sockellinie, braucht er eine Schutzbeschichtung, und die ist eine besondere, gesondert zu vergütende Leistung. [1]

Redaktionell geprüft: 13. August 2026

Die Masse, die am Sockel gelten

Warum der Sockel eigene Regeln hat und wer sie auslöst

Das Merkblatt Nr. 72 stammt vom Schweizerischen Maler- und Gipserunternehmer-Verband zusammen mit JardinSuisse, suissetec und dem Schweizerischen Plattenverband. [1] Vier Verbände an einem Dokument sind ungewöhnlich, und der Grund steht in der Sache: Am Sockel treffen Putz, Blech, Belag und Erdreich aufeinander, und jedes Gewerk kann die Arbeit des anderen zunichtemachen.

Die Bezugslinie für alles Weitere heisst Sockellinie und ist die «Linie beim Übergang vom verdeckten Teil, z. B. durch Terrain, auf die sichtbare Fläche der Aussenwand». [1] Sie ist keine Naturkonstante, sondern eine Festlegung, und das Merkblatt sagt, wer sie trifft: Vor dem Verputzen ist die Sockellinie «durch den Bauherrn bzw. seinen Vertreter (Architekt/Bauleitung) festzulegen». [1] Ändert sich der Terrainverlauf später, muss ebenfalls die Bauherrschaft für die nötigen Anpassungen sorgen. [1]

Wer das Terrain nachträglich anhebt, verschiebt damit die Sockellinie und alle Masse, die daran hängen. [1]

Oberhalb dieser Linie gelten drei Höhen. Die Sockeldämmplatten einer verputzten Aussenwärmedämmung dürfen «laut Norm SIA 243 nur bis maximal 0,25 m über die Sockellinie geführt werden». [1] Die Spritzwasserzone reicht nach demselben Merkblatt bis «ca. 0,30 m über der Sockellinie»; darüber verlangt es für dampfdichte oder stark dampfbremsende Materialien eine bauphysikalische Berechnung. [1] Und wegen der Feuchtelast sind unterhalb der Sockellinie und «bis ca. 0,50 m oberhalb» korrosionsbeständige Putzprofile einzusetzen, etwa aus Chromnickelstahl. [1] Wie der Aufbau darüber aussieht, steht unter Aussenwärmedämmung.

fristenbandMassstab 1: Höhe über Sockellinie, 0 bis 60gestrichelte Kante: Richtwert, keine feste ZahlSockellinie0102030405060Höhe über S…Sockeldämmplattehöchstens so hoch über die Sockellinie, Norm SIA 243Spritzwasserzoneca.-Wert, darüber gelten andere MaterialregelnKorrosionsfeste Profilebis ca. hierhin, wegen der Feuchtelast
Alle drei Werte messen von der Sockellinie nach oben, und die legt nicht der Malerbetrieb fest, sondern die Bauherrschaft. Verschiebt sich das Terrain, verschieben sich alle drei Balken mit. Der mittlere Balken ist gestrichelt, weil das Merkblatt ihn selbst als ca.-Wert führt. Was unterhalb der Sockellinie liegt, zeigt die Zeichnung nicht.Sockeldämmplatte nach Norm SIA 243, zitiert im SMGV-Merkblatt Nr. 72, November 2017; Spritzwasserzone und Profilhöhe nach demselben Merkblatt.

Was sich am Sockel nicht verhindern lässt

Drei Sätze des Merkblatts nehmen Erwartungen weg, und alle drei stehen dort im Klartext. Der erste: «Dauerhaft wasserdichte Anschlüsse an horizontale, wasserführende Flächen können nicht erreicht werden!» [1] Der zweite: «Die Funktion einer Abdichtung gemäss Norm SIA 271 kann mit der Schutzbeschichtung nicht erbracht werden!» [1] Der dritte betrifft den Bewuchs: «Bewuchs durch Algen und Pilze in durch Spritzwasser belasteten Bereichen ist nicht auszuschliessen und zu tolerieren. Nicht zuletzt entscheiden Unterhalt und Reinigung dieser Zonen über langfristig saubere und bewuchsfreie Fassaden.» [1]

Beeinflussen lässt sich die Belastung trotzdem, und zwar unter der Wand statt an ihr. Das Merkblatt verlangt entlang der Fassade eine wasserdurchlässige Filterschicht aus Rundkies mit einer Mindestbreite von ca. 0,30 Metern und einer Einbauhöhe von mindestens 0,20 Metern. [1] Und es sagt, wie die Körnung wirkt: «Grobe Körnungen (Geröll und Schotter) verringern die Belastung! Feine, runde oder gebrochene Körnungen verstärken die Belastung und fördern eine Verschmutzung des Fassadensockels durch Feinmaterial.» [1] Die Grössen dazu übernimmt das Merkblatt aus der Norm SIA 318: Kies misst 4 bis 32 Millimeter, Geröll 32 bis 120, Schotter über 32 Millimeter. [1] Was am Bewuchs sonst noch belegt ist, steht unter Algenbefall an der Fassade.

Dass der Sockel dabei die am stärksten belastete Zone der Fassade ist, hält das Merkblatt Nr. 58 des SMGV in seiner Einteilung fest: Beanspruchungsgruppe 3 umfasst «Fassadenteile, welche Niederschlägen direkt oder indirekt (Spritzwasser) ausgesetzt sind». [3] Diese Gruppe gehört in die Ausschreibung des Deckputzes, zusammen mit Körnung, Struktur, Bindemittel, Farbton und Ort der Ausführung. [3]

Was dabei nicht an die Wand darf, sagt derselbe Text zweimal. Erdreich, also Unterboden, Oberboden oder Substrat, darf im Sockelbereich nicht direkt an die verputzte Aussenwand aufgefüllt werden. [1] Und fassadenseitig dürfen Schutzmassnahmen nicht mit einem saugfähigen Vlies ausgeführt werden. [1] Das ältere Merkblatt Nr. 71 sagt dasselbe für das Grüne davor: Blumenbeete, Sträucher und Bäume samt ihrem Erdreich dürfen nicht direkt an die Fassade geführt werden, und auch Äste und Blätter gehören regelmässig zurückgeschnitten. [2] Zwei Merkblätter aus sieben Jahren Abstand, dieselbe Regel. Die Zuständigkeit dafür ist im Merkblatt geteilt: Die Schutzmassnahmen «müssen von der Bauleitung angeordnet und vom Gärtner zusammen mit der Auffüllung ausgeführt werden». [1] Der Malerbetrieb steht in dieser Kette nicht.

Zwei Begriffe, die am Sockel regelmässig vertauscht werden

Kapillarschnitt und Trennschnitt klingen ähnlich und tun Verschiedenes. Der Kapillarschnitt ist ein «Trennschnitt als Massnahme zur Unterbindung von kapillar aufsteigender Feuchtigkeit in Putzschichten»; dabei werden alle Putzschichten bis in den Untergrund durchtrennt und mit einem wassersperrenden Material verfüllt. [1] Der Trennschnitt dagegen trennt den Putz von anderen Bauteilen oder von Nachbarschichten und dichtet nichts ab. [1] Bei Sockelabschlüssen aus Metall sitzt der Kapillarschnitt ca. 25 Millimeter oberhalb der Sockellinie. [1]

Wichtiger als der Unterschied ist die Warnung dazu, denn hier schadet die halbe Ausführung mehr als gar keine: «Durch einen mangelhaft ausgeführten Kapillarschnitt wird das Putz- und Beschichtungssystem in dieser durch Feuchtigkeit belasteten Zone geschwächt, was die Gefahr von Putzschäden erhöht!» [1] Zeigt sich der Schaden später als Fleck oder als abplatzende Farbe, ist die Ursache nicht der Anstrich, siehe Feuchtigkeitsflecken und Risse an der Fassade.

Der dritte Begriff, der hierher gehört, ist der Sockelputzmörtel selbst. Das Merkblatt beschreibt ihn als Mörtel «in der Regel aus Portlandzement als Bindemittel mit maximal 5 Massenprozent hydraulischem Kalk sowie Zuschlägen und allenfalls Zusätzen zur Verminderung der kapillaren Wasseraufnahme». [1] Er ist damit ein anderes Material als der Aussenputz darüber, und das ist der Grund, warum der Sockel auch farblich oft anders ausfällt. Welche Putzarten es sonst gibt, steht unter Abrieb.

Was an diesem Sockel nicht im Merkblatt steht

Die Schutzbeschichtung, und warum sie auf der Offerte eine eigene Zeile hat

Führt der Putz unter die Sockellinie, kommt eine Schicht dazu, die es weiter oben nicht gibt. Das Merkblatt definiert sie als «Schicht zum Schutz der Deckschicht vor einer schädlichen Durchfeuchtung unterhalb der Sockellinie» und legt sie in der Fläche fest: mindestens 0,10 Meter breit auf die Grundmauer oder die Perimeterdämmung, und wo unterhalb der Sockellinie Bauteile anschliessen, mindestens 0,20 Meter auf deren waagrechte Fläche. [1] Die Stärke liegt «je nach Produkt zwischen 2 und 5 mm», und ein erhöhter Schutz entsteht erst bei 5 Millimetern. [1]

Der Satz, der Geld kostet, steht direkt daneben: «Die Schutzbeschichtung ist nicht Bestandteil des Putzes und stellt immer eine besondere Leistung dar, die gesondert auszuschreiben, zu beauftragen und zu vergüten ist.» [1] Zwei Offerten für dieselbe Fassade sind deshalb nur dann vergleichbar, wenn beide sagen, ob sie den Sockel einschliessen. Fehlt die Position auf einem der Blätter, ist es nicht das günstigere, sondern das unvollständigere. Was sonst noch auf ein solches Blatt gehört, steht unter Offerte und Kostenvoranschlag, und wie Flächen überhaupt ermittelt werden, unter Vorausmass und Ausmass.

Eine zweite Leistung nennt das Merkblatt ausdrücklich als nicht inbegriffen: das Begradigen einer schlecht ausgeführten Perimeterdämmung. Der obere Abschluss sei «vielerorts nicht horizontal und gerade ausgeführt» oder beschädigt und verschmutzt; solche Arbeiten seien «nicht inbegriffene Leistungen (laut Norm SIA 118/243)» und würden dem Unternehmer gesondert vergütet, sofern sie nicht im Leistungsverzeichnis stehen. [1] Wie eine Leistung überhaupt in ein solches Verzeichnis kommt, zeigt Mengenarten im NPK.

Verwandte Begriffe

Quellen

  1. SMGV Schweizerischer Maler- und Gipserunternehmer-Verband zusammen mit JardinSuisse, suissetec und SPV Schweizerischer Plattenverband: Merkblatt SMGV Nr. 72 «Projektierung und Ausführung von Aussenputzen und der verputzten Aussenwärmedämmung im Sockelbereich. Konstruktive Massnahmen und Ausführung in Neubau und Sanierung», November 2017, 40 Seiten. Fachverbände, Schweiz, Schweizer Original: alle vier Herausgeber sind schweizerisch, keine ausländische Beteiligung. Sekundärzitate darin: Die Höhe der Sockeldämmplatte ist als Regel der Norm SIA 243 wiedergegeben, die Grenze der Schutzbeschichtung gegenüber der Abdichtung als Verweis auf die Norm SIA 271, die Körnungen als Angaben nach Norm SIA 318 und die nicht inbegriffenen Leistungen als Verweis auf die Norm SIA 118/243. Diese Normtexte sind kostenpflichtig und wurden nicht beschafft. Die Artikelnummer 2957 steht auf der Übersichtsseite des Verbands und liess sich im Impressum des PDF nicht bestätigen.
  2. SMGV: Herausgegeben von GTK-G und GTK-M zusammen mit der VTH, dem EPS-Verband Schweiz und dem VSLF: Merkblatt Nr. 71 «Renovation und Aufdoppelung von verputzten Aussenwärmedämmungen», Artikelnummer 2968, Stand Juni 2010, 22 Seiten. Fachverband, Schweiz, Schweizer Original. Hier ausschliesslich für die Bepflanzungsregel verwendet, die dieses Merkblatt und Nr. 72 unabhängig voneinander enthalten.
  3. SMGV: Erarbeitet von der GTK/G zusammen mit der VTH: Merkblatt «Deckputze, Strukturen», in der Merkblattliste als Nr. 58 geführt, Artikelnummer 2958, Stand Dezember 2004, 12 Seiten. Fachverband, Schweiz, Schweizer Original. Hier allein für die Beanspruchungsgruppe 3 und die Pflichtangaben der Deckputz-Ausschreibung verwendet. Ältestes hier zitiertes Dokument; es verweist noch auf die Empfehlung SIA V 243/1 und ist deshalb für Normverweise nicht benutzt.

Stand und Verantwortung

Inhaltlich geprüft am 13. August 2026. Verantwortlich: Redaktion malerofferte.ch.

In eigener Sache

Ob die Schutzbeschichtung im Papier steht, entscheidet am Sockel mehr als der Quadratmeterpreis, und wer das prüfen will, holt ein zweites Blatt ein. Für dessen Vermittlung bezahlen die Malerbetriebe malerofferte.ch. Dass die Beschichtung «immer eine besondere Leistung» ist und gesondert zu vergüten sei, steht wörtlich im Merkblatt Nr. 72 des SMGV; dass diese Regel die Offerte verlängert und uns damit entgegenkommt, ändert nichts an ihrer Herkunft.

Am Sockel entscheidet die Frage, ob die Schutzbeschichtung im Papier steht, und nicht der Quadratmeterpreis der Fläche darüber. Auf malerofferte.ch fragst du Betriebe deiner Region an und lässt dir Sockellinie, Schutzbeschichtung und Kiesstreifen als getrennte Zeilen ausweisen.

Angebote einholen
Sockelputz, die Zone über und unter dem Terrain