Korrosionsschutz oder Rostschutzfarbe
Korrosionsschutz ist keine Farbe, sondern ein System aus Vorbereitung, Schichtdicke und Schutzdauer. Ein eigenes Schweizer Regelwerk dafür gibt es nicht: Die Norm SIA 257 führt den Korrosionsschutz nur als einen von fünf Zwecken einer Grundbeschichtung [1]. Die einzige Einteilung, die das System beschreibt, steht in einer deutschen Norm und in einem Schweizer Fachartikel von 2019 [2].
Redaktionell geprüft: 17. August 2026
Auf einen Blick
- 1 von 5 Zwecken | so führt die Norm SIA 257 den Korrosionsschutz in ihrer Definition der Grundbeschichtung [1]
- 120, 240 und 480 Stunden | Salzsprühnebel je Schutzdauerklasse für die Kategorie C3, nach der Tabelle des Fachartikels von 2019 [2]
- 160 bis 320 µm | Gesamtschichtdicke, die derselbe Artikel ab der Kategorie C4 nennt; keine Verbandsregel und keine Norm [2]
- Nr. 81 | Merkblatt des SMGV mit «Korrosivitäts-Kategorien» im Titel, Art. 2989, Jahr 2014 [4]
Wo das Wort in den Schweizer Regeln überhaupt vorkommt
Die Verständigung der Norm SIA 257 definiert, was eine Grundbeschichtung ist. Das SMGV-Merkblatt Nr. 84, Art. 2974, Stand Juni 2007, gibt sie wörtlich wieder [1]:
«Grundbeschichtung. Definition: Beschichtung, die zur Haftvermittlung, als Korrosionsschutz, zur Verminderung der Saugfähigkeit des Untergrundes und/oder der Verfestigung oder als Sperrschicht dient.» [1]
Der Korrosionsschutz steht dort als einer von fünf Zwecken, zwischen der Haftvermittlung und der Sperrschicht. Er ist in dieser Norm also eine Aufgabe, die eine Schicht erfüllen kann, und kein eigener Gegenstand. Warum der Verband «Grundbeschichtung» sagt und du «Grundierung» liest, steht unter Grundierung, Tiefgrund und Haftgrund.
Achtzehn Jahre später zitiert das SMGV-Merkblatt Nr. 91, Art.-Nr. 2456, Dezember 2025, dieselbe Definition in seinem Kapitel 5.2 wortgleich, aber ohne den Halbsatz «als Korrosionsschutz» [3]. Welche der beiden Fassungen dem heutigen Normtext folgt, lässt sich hier nicht sagen: Die SIA 257 wird kommerziell vertrieben und liegt dieser Redaktion nicht vor.
Die zweite Fundstelle steht in der Berufsbildung. Der Bildungsplan für Malerin und Maler EFZ, Berufsnummer 53002, vom SBFI am 22. Juli 2014 genehmigt, verlangt im Leistungsziel 2.2.2 auf der höchsten Taxonomiestufe K6, den Untergrund «nach SIA-Normen bzw. technischen Merkblättern des SMGV» zu beurteilen, und zählt dafür zwölf Kriterien auf. Das zweite heisst «Korrosion», gleich nach der Feuchtigkeit und vor dem pH-Wert [5]. Was ein Betrieb dabei tut, steht unter Untergrundprüfung.
Ein Merkblatt mit dem Thema im Titel gibt es beim Verband: Nr. 81 «CE-Kennzeichen für Gipsbauplatten und Korrosivitäts-Kategorien», Jahr 2014, Art. 2989, frei herunterladbar [4]. Ein Literaturverzeichnis des Verbands führt denselben Titel länger, mit dem Zusatz «für Metallprofil-Unterkonstruktionen» [3]. Es geht also um die Blechprofile hinter einer Trockenbauwand und nicht um dein Geländer. Sein Inhalt ist für diesen Eintrag nicht beschafft. Für das Beschichten eines Metallbauteils bleibt es dabei, dass kein Merkblatt existiert; nachgezählt ist das unter Rostschutzfarbe.
Was eine Schutzdauer misst
Der Artikel «Korrosionsschutz und wässrige Systeme» von Ruedi Anliker jr., Bereichsleiter Forschung und Entwicklung der Rupf & Co. AG, erschien 2019 in der Fachzeitschrift applica [2]. Er ist Fachpresse mit benanntem Autor aus der Lackindustrie und keine Verbandsregel.
Seine Tabelle ordnet jeder Korrosivitätskategorie drei Schutzdauerklassen zu, und jeder Klasse gehören Stunden im Salzsprühnebel. Für die Kategorie C3 sind es 120, 240 und 480 Stunden [2]. Bewertet werden dabei vier Dinge, wörtlich: «Rostgrad · Blasenbildung · Haftung · Rostunterwanderung an einer Filmverletzung» [2]. Das Blech im Prüfschrank wird also absichtlich verletzt, und gemessen wird, wie weit der Rost unter die Schicht kriecht.
In derselben Tabelle steht in Klammern, wie die Fläche vorher behandelt wurde: «(Sandstrahlvorbehandlung Sa 2½)» [2]. Das ist ein Strahlgrad, kein Schliff von Hand.
Eine lange Schutzdauer ist eine Angabe über ein gestrahltes Blech im Prüfschrank und keine Zusage für dein Bauteil im Garten. [2]
Wie die Kategorien C1 bis CX heissen, welche Umgebung zu welcher gehört und wie viele Jahre die drei Schutzdauerklassen umfassen, steht unter Metallzaun streichen. Was der Entrostungsgrad an einem konkreten Bauteil bedeutet, steht unter Geländer streichen.
Die Schichtdicke ist die gemessene Stellschraube
Derselbe Artikel beschreibt einen Versuch, der die Rangfolge im System sichtbar macht. Die Schichtstärke der wässrigen Grundierung wurde schrittweise von 50 auf 110 µm erhöht, der Decklack blieb konstant bei zirka 70 µm. Wörtlich: «Je höher die Schichtstärke, umso besser werden dabei die Prüfergebnisse wie Unterwanderung, Blasengrad und Rostgrad.» [2]
Für hohe Belastungen nennt der Artikel zwei Bedingungen. Ab der Kategorie C4 «sollten nur noch chemisch trocknende 2K-Epoxid- und 2K-PUR-Lacke eingesetzt werden mit Gesamtschichtdicken von 160 bis 320 μm» [2]. Und für den Aufbau selbst: «Hier sind in der Regel nur noch 2K-Epoxy-Grundierungen, bevorzugt mit mineralischem Glimmer, zugelassen. Der Decklack wird nur einmalig mit zirka 50 bis 60 μm Trockenschicht aufgetragen.» [2]
In beiden Angaben liegt das Gewicht auf der Grundierung, und der Decklack bleibt dünn. Das ist die Lesart dieser Redaktion aus zwei Sätzen desselben Artikels und keine Aussage der Quelle. Welche Decklacke die Schweizer Systematik überhaupt kennt, steht unter Lack.
Wo das System aufhört
Der Artikel zieht seine eigene Grenze, und sie verläuft genau dort, wo die meisten privaten Bauteile stehen. Wörtlich: «Für Anstriche auf Flugrost respektive handentrostete Flächen gelten produktspezifische Empfehlungen.» [2] Für die Fläche, die jemand mit Bürste und Schleifvlies vorbereitet hat, gibt es also keine allgemeine Regel, sondern nur das, was auf dem Blatt des gewählten Erzeugnisses steht.
Eine Einstufung des Rostes, bevor er entfernt wird, fehlt ganz. Die Rostgrade Ri 0 bis Ri 5 und die Normen ISO 8501 und ISO 4628 kommen in keiner Schweizer Quelle vor, die für dieses Lexikon ausgewertet wurde. Danach gesucht hat jemand, aufgeschrieben ist der Nulltreffer [7]. Und wo tatsächlich gestrahlt wird, ist die Arbeit selbst geregelt und nicht der Anstrich; was dabei die Umgebung schützt, steht unter Staubschutzwand.
Der Wirkstoff ist zweimal ausgewechselt worden
Was in einer Rostschutzgrundierung wirkt, ist über die Jahrzehnte zweimal ersetzt worden, jedes Mal aus demselben Grund. Der Artikel schreibt: «Nachdem die gute alte orange Bleimennige und das gelbe Zinkchromat verboten worden sind, wird heute meist Zinkphosphat eingesetzt. Dieser Stoff gilt nun aber ebenfalls als umweltgefährdend; bei einem Anteil von über 2,4 Prozent muss er mit dem Gefahrensymbol ‹N› ... gekennzeichnet werden. Moderne Rostschutzfarben werden daher heute zum Beispiel mit Strontiumphosphat formuliert.» [2]
Ein Verbotsjahr nennt der Artikel nicht. Seit wann Bleimennige in der Schweiz verboten ist und was das für einen alten Anstrich am Metall heisst, steht unter Bleifarbe in Altanstrichen.
Wo diese Seite auf einer einzigen Quelle steht
- Die zwei Abschnitte über Schutzdauer und Schichtdicke stützen sich auf einen einzigen Fachartikel von 2019, geschrieben vom Entwicklungsleiter eines Schweizer Lackherstellers. Das ist keine Verbandsregel und keine Norm, und der Stand ist nicht gegen eine neuere Ausgabe geprüft. Die Stunden im Salzsprühnebel und die Gesamtschichtdicke von 160 bis 320 µm gelten deshalb nur so weit wie diese eine Quelle.
- Der Wortlaut der Norm SIA 257 liegt dieser Redaktion nicht vor. Beide Merkblattzitate geben ihn aus zweiter Hand wieder.
- Der Inhalt des Merkblatts Nr. 81 ist nicht beschafft. Belegt sind sein Titel, sein Jahr und seine Artikelnummer.
- Ob die Normreihe ISO 12944 in der Schweiz als SN EN ISO 12944 übernommen ist, hat diese Redaktion nicht gesucht. Das ist eine offene Frage und keine Fehlanzeige.
- Eine Zahl in Franken steht hier nicht. Das Portal hat keine eigenen Offertdaten, und unter den geprüften Quellen ist keine Preisquelle.
Was das in deiner Offerte bedeutet
Eine Zeile «Korrosionsschutz» sagt für sich genommen nichts, weil das Wort nach der Norm eine Aufgabe bezeichnet und kein Erzeugnis. Vier Zusätze machen sie prüfbar. Die Umgebung des Bauteils oder die Kategorie, weil daran der ganze Aufbau hängt. Die Art der Vorbereitung, also gestrahlt oder von Hand entrostet, weil die Prüfwerte der Fachliteratur an der ersten Variante gemessen sind. Die Trockenschichtdicke, je Lage und gesamt. Und der Produktname mit Artikelnummer, sonst lässt sich kein Blatt aufschlagen.
Steht auf der Zeile eine Zahl von Jahren, gehört die Rückfrage dazu, worauf sie sich stützt. Ob dich die Summe darunter überhaupt bindet, hängt an der Dokumentart, siehe Offerte und Kostenvoranschlag.
Die Norm, die überall zitiert wird, ist eine deutsche
Wer nach Korrosionsschutz sucht, landet fast immer bei der DIN EN ISO 12944. Der Artikel, auf den sich diese Seite stützt, beschreibt sie so: Sie «regelt in acht Teilen in sogenannten Ausführungs- und Anforderungsbestimmungen den Korrosionsschutz von Eisen und Stahl», wobei Teil 2 die Kategorien nach dem Standort definiert und Teil 5 die Beschichtungen nach Bindemittelart und erforderlicher Trockenschichtdicke [2].
Das Kürzel DIN steht für die deutsche Übernahme. Für andere Beschichtungsnormen führt der Katalog der Schweizerischen Normen-Vereinigung regelmässig beide Fassungen nebeneinander, etwa SN EN 13300 neben DIN EN 13300 [6]. Ob es für die Reihe 12944 ebenso eine Schweizer Übernahme gibt, ist damit nicht gesagt. Ob die Normreihe ISO 12944 in der Schweiz als SN EN ISO 12944 übernommen ist, hat diese Redaktion nicht gesucht. Das ist eine offene Frage und keine Fehlanzeige.
Verwandte Begriffe
- Bodenbeschichtung: Was zu einer Bodenbeschichtung gehört
- Blechverkleidung streichen: Blechverkleidung streichen, wenn das Blech schon beschichtet ist
- Isocyanate in 2K-Lacken: Bei Isocyanaten im Lack unterscheidet die Suva nach der Verarbeitung
- SMGV: Was der SMGV herausgibt und was davon frei ist
- Eisenglimmer: Was Eisenglimmer im Anstrich bewirken soll
- Rost entfernen: Entrosten und Strahlen sind zwei verschiedene Arbeiten
Quellen
- SMGV Schweizerischer Maler- und Gipserunternehmer-Verband, gemeinsam mit dem Schweizerischen Verband der Gips- und Gipsbauplattenindustrie (Herausgeber laut Titelseite: GTK-T, GTK-G und GTK-M des SMGV sowie SVGG): Merkblatt Nr. 84 «Untergrundvorbehandlung von Trockenbauflächen aus Gipsplatten», Art.-Nr. 2974, Stand Juni 2007. Fachverband, Schweiz, Primärquelle. Der wiedergegebene Wortlaut der Norm SIA 257 ist ein Zitat zweiter Hand; der Normtext wird kommerziell vertrieben und wurde nicht beschafft. Das Merkblatt behandelt Trockenbauflächen und nicht Metall; verwendet ist hier ausschliesslich der Definitionskasten aus der Verständigung der Norm. (Juni 2007, abgerufen am 13.08.2026)
- Anliker jr., Ruedi (Bereichsleiter Forschung und Entwicklung der Rupf & Co. AG), in: applica: «Korrosionsschutz und wässrige Systeme», in: applica 1/2019, Seiten 23 bis 27, mit der Tabelle «Korrosionsschutzeinteilung nach DIN EN ISO 12944 Teil 2, 5 und 6». Archiv auf dem Server des SMGV. Fachpresse, Schweiz, mit benanntem Autor und Herstellerbezug, keine Verbands- und keine Normqualität. Die zitierte Norm ist eine deutsche Fassung einer internationalen Norm und steht hier als die vom Autor benannte Bezugsnorm, nicht als Schweizer Norm. Der Normtext selbst wurde nicht beschafft. Stand 2019, nicht gegen eine neuere Ausgabe geprüft. Auf dieser einen Quelle ruhen die zwei Abschnitte über Schutzdauer und Schichtdicke. (1/2019, abgerufen am 13.08.2026)
- SMGV Schweizerischer Maler- und Gipserunternehmer-Verband: Merkblatt Nr. 91 «Beschichtungen auf Glattputze und Trockenbauflächen», Art.-Nr. 2456, Stand Dezember 2025, im Shop des Verbands unter dem Titel «Beschichtungen auf geglättete Putze und verspachtelte Trockenbauflächen» geführt. Fachverband, Schweiz, Primärquelle. Verwendet für die Fassung der SIA-257-Definition ohne den Halbsatz «als Korrosionsschutz». Der längere Titel des Merkblatts Nr. 81 stammt aus dem Literaturverzeichnis des Merkblatts Nr. 85 desselben Verbands, Art.-Nr. 2966, Stand November 2017, das dieses Dokument unter der damaligen Nummer 73 führt; die SMGV-Merkblätter sind im Lauf der Zeit umnummeriert worden. (Dezember 2025, abgerufen am 13.08.2026)
- SMGV Schweizerischer Maler- und Gipserunternehmer-Verband: Übersichtsseite «Merkblätter und Fachinformationen». Fachverband, Schweiz, Verbandsseite. Verwendet ausschliesslich für Titel, Jahr und Artikelnummer des Merkblatts Nr. 81. Der Inhalt dieses Merkblatts ist nicht beschafft. (abgerufen am 13.08.2026)
- SMGV und FREPP, genehmigt durch das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation: «Bildungsplan zur Verordnung des SBFI über die berufliche Grundbildung für Malerin/Maler mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (EFZ)», Berufsnummer 53002, in Kraft seit 1. Januar 2015. Berufsbildung, staatlich genehmigt, Schweiz. Das gelesene PDF liegt beim Berufsbildungszentrum Schaffhausen; inhaltlich ist es das Dokument von SMGV, FREPP und SBFI. Verwendet für das Leistungsziel 2.2.2 mit seiner Kriterienliste. (22. Juli 2014, abgerufen am 13.08.2026)
- SNV Schweizerische Normen-Vereinigung: Katalogeinträge zu SN EN 13300:2022 und DIN EN 13300:2023 im Normenkatalog. Normungsorganisation, Schweiz. Verwendet ausschliesslich als Beleg dafür, dass zu einschlägigen Beschichtungsnormen eine Schweizer und eine deutsche Übernahme derselben europäischen Norm nebeneinander im Katalog stehen. Für die Reihe ISO 12944 ist das mit dieser Quelle nicht geprüft. (abgerufen am 13.08.2026)
- Redaktion malerofferte.ch: Eigene Rechercheunterlage zu Metall, Korrosion und Lack, Abschnitt 9 «Nulltreffer», Punkt 4. Projekteigenes Rechercheprotokoll, keine externe Quelle. Verwendet ausschliesslich als Fundstelle dafür, dass jemand nach den Rostgraden Ri 0 bis Ri 5 und nach den Normen ISO 8501 und ISO 4628 in den Schweizer Quellen gesucht und nichts gefunden hat. Geprüft ist damit die Erfolglosigkeit dieser Suche und nicht, dass es in der Schweiz keine solche Einstufung gibt. (Recherchestand 13.08.2026)
Stand und Verantwortung
Inhaltlich geprüft am 17. August 2026. Verantwortlich: Redaktion malerofferte.ch.
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Die vier Angaben, die diese Seite für eine Zeile «Korrosionsschutz» verlangt, gehören auch in eine Anfrage über malerofferte.ch, und wir werden dafür bezahlt, dass sie bei Malerbetrieben ankommt. Am Ergebnis auf dem Bauteil sind wir nicht beteiligt: Ein eigenes Schweizer Regelwerk zum Korrosionsschutz gibt es nicht, und die Prüfwerte stammen aus einer deutschen Norm und einem Fachartikel von 2019.
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