Farben & Materialien

Deckkraft oder Ergiebigkeit

Deckkraft und Ergiebigkeit sind zwei Angaben. Die Deckkraft führt die Umwelt-Etikette als Kontrastverhältnis, gemessen auf einer Schwarz-Weiss-Karte und eingeteilt in vier Klassen, Klasse 1 als beste. [1] Ermittelt wird sie laut Reglement UE I bei einem Verbrauch von 7,5 Quadratmetern je Liter. [2] Die Ergiebigkeit ist genau diese Menge.

Redaktionell geprüft: 14. August 2026

Vier Angaben, die auf dem Papier stehen

klassenband, vier stufenKontrastverhältnis, vier Klassendeckt besserdeckt schlechterKlasse 1bestes NiveauKlasse 2Kategorie AKlasse 3Kategorie CKlasse 4
Das Kontrastverhältnis wird in vier Klassen eingeteilt, Klasse 1 ist das beste Niveau. Markiert ist Klasse 2, weil das Ausführungsreglement sie für die Kategorie A verlangt.«Ausführungsreglement Umwelt-Etikette UE I, Wandfarben innen», Version 4.4, Schweizer Stiftung Farbe.

Die Schweizer Prüfbedingung: 7,5 Quadratmeter je Liter

Das Ausführungsreglement UE I für Wandfarben innen, Version 4.4, gültig ab dem 1. Januar 2026, knüpft seine Einstufung an beide Kennwerte. Wörtlich heisst es dort in Abschnitt 2.3.8: «Für eine Einstufung in die Kategorie A müssen die Produkte mindestens die Klasse 2 für Nassabriebbeständigkeit und Kontrastverhältnis nach DIN EN 13300 erreichen … Für die Einstufung in Kategorie C muss in beiden Kriterien die Klasse 3 erreicht werden. Das Kontrastverhältnis wird bei einem Verbrauch von 7.5 m² /l ermittelt.» [2]

Der letzte Satz ist die wichtigste Zeile dieser Seite. Deckvermögen ist immer eine Aussage über eine bestimmte Auftragsmenge. Wer 7,5 Quadratmeter aus einem Liter holt und dabei Klasse 2 erreicht, deckt besser als jemand, der dieselbe Klasse mit fünf Quadratmetern erreicht, also mit deutlich mehr Farbe auf derselben Fläche. Ohne die Bezugsmenge vergleichen zwei Klassenangaben nichts.

Zwei Vorbehalte gehören dazu. Erstens ist die Zahl 7,5 als Prüfbedingung des Schweizer Bewertungssystems belegt und nicht als allgemeiner Normwert; wie die Norm selbst prüfen lässt, steht in ihrem kostenpflichtigen Text. Zweitens sind Einteilung und Messverfahren zwei Dokumente: SN EN 13300:2022 teilt ein, das Deckvermögen messen SN EN ISO 6504-1:2020 nach dem Kubelka-Munk-Verfahren und SN EN ISO 6504-3:2020 für Innenanwendungen. [3] Warum die Schweizer Bezeichnung SN und nicht DIN lautet, steht im Eintrag zur Nassabriebklasse, und für die Verbindlichkeit von Normen in der Schweiz unter SIA-Norm.

Was auf der Kontrastkarte geschieht

Das Glossar zur Umwelt-Etikette beschreibt die Messung so: «Zur Bestimmung der Deckkraft wird eine bestimmte Schichtstärke an Farbe auf eine Kontrastkarte (Schwarz-Weiss-Karte) aufgetragen. Nach definierter Trocknungszeit wird das Kontrastverhältnis zwischen dem weissen und dem schwarzen Untergrund gemessen.» [1] Je weniger Unterschied zwischen den zwei Feldern übrig bleibt, desto besser deckt die Farbe.

Der zweite Kennwert misst nichts, er zählt. Ergiebigkeit ist die Fläche, die aus einer Menge herauskommt, und sie hängt an Auftragsart, Untergrund und Struktur. Beide Angaben zusammen beschreiben laut Glossar die Gebrauchstauglichkeit einer Wandfarbe: das Kontrastverhältnis für den Materialverbrauch, die Nassabriebbeständigkeit für die Dauerhaftigkeit. [1] Was hinter dem zweiten Wert steckt, steht unter Nassabriebklasse.

Eine Deckkraftklasse wird erst dann zur vergleichbaren Angabe, wenn die Menge dabeisteht, mit der sie erreicht wurde. [1][2]

Vier Merkblätter, drei Bezugsgrössen

Auf Herstellerblättern steht der Verbrauch, nicht die Ergiebigkeit, und die Bezugsgrösse wechselt. Die Bosshard-Farben AG in Rümlang nennt für die BO-Innendispersion, Dokumentstand 6. März 2025, rund 250 bis 300 Gramm je Quadratmeter bei zweimaligem Anstrich [4], für die Lithomatt L, Stand 19. Februar 2025, rund 100 bis 125 Gramm je Quadratmeter pro Anstrich [6] und für die ExpoSil Siliconharzfarbe, Stand 16. März 2026, rund 400 Gramm je Quadratmeter bei zweimaligem Anstrich [7]. Nur ein Blatt derselben Herstellerin nennt eine Ergiebigkeit: Für die Exponit PU Latex steht dort «Ergiebigkeit 7.5 m²/l», Stand 19. Juni 2025. [5] Alle vier Angaben gelten für das jeweils benannte Erzeugnis unter den Bedingungen seines Merkblatts.

Drei Bezugsgrössen also: je Anstrich, für zwei Anstriche, je Liter. Zwei Zahlen aus zwei Blättern lassen sich deshalb nicht nebeneinanderlegen, ohne vorher nachzusehen, worauf sie sich beziehen. Dieselbe Falle steckt in jeder Mengenangabe am Bau, wie sie unter Vorausmass und Ausmass beschrieben ist.

Was 7,5 Quadratmeter je Liter in Gramm sind

Die Prüfbedingung lässt sich in die Einheit der Merkblätter übersetzen, wenn die Dichte bekannt ist. Für die BO-Innendispersion gibt das Merkblatt eine Dichte von 1,50 g/cm³ an. [4] Ein Liter wiegt damit 1500 Gramm. Verteilt auf 7,5 Quadratmeter sind das 200 Gramm je Quadratmeter.

Dasselbe Merkblatt nennt für dieselbe Farbe 250 bis 300 Gramm je Quadratmeter bei zweimaligem Anstrich. [4] Verteilt man diesen Verbrauch gleichmässig auf zwei Anstriche, bleiben 125 bis 150 Gramm je Anstrich. Die Prüfmenge liegt damit über einem Anstrich und unter zweien.

Die Rechnung stammt von dieser Redaktion, die Ausgangswerte aus dem Merkblatt und dem Reglement. Die gleichmässige Verteilung auf zwei Anstriche ist eine Annahme; kein Merkblatt sagt, ob der erste und der zweite Anstrich gleich viel Material brauchen. Was daraus folgt, ist trotzdem nützlich: Eine Klassenangabe beschreibt nicht den Anstrich, den du bestellst, sondern eine festgelegte Menge auf einer Prüfkarte. Wie viele Anstriche deine Wand braucht, ist eine eigene Frage, und die geprüften Schweizer Quellen nennen dazu keine feste Zahl, nachzulesen unter Anzahl der Anstriche.

Wo die zwei Wörter durcheinandergehen

Deckkraft, Deckvermögen und Kontrastverhältnis meinen in diesen Quellen dieselbe Grösse; das Merkblatt zur BO-Innendispersion schreibt sie sogar zusammen: «Kontrastverhältnis (Deckvermögen) nach DIN EN 13300 Klasse 2 (≥ 98 und < 99,5)». [4] Diese Klammer ist der einzige Klassenbereich, den dieser Eintrag belegen kann, und er ist eine Herstellerangabe und kein Normzitat. [8]

Ergiebig heisst dagegen weit reichend und sagt für sich allein nichts über das Deckvermögen. Eine Farbe, die sich dünn ausziehen lässt, kann auf der Karte schlechter abschneiden, und eine gut deckende kann viel Material brauchen. Erst beide Angaben zusammen ergeben ein Bild, und genau deshalb prüft das Reglement das eine bei einer festen Menge des anderen. [2] Für die Erzeugnisse mit mineralischem Bindemittel kommt eine dritte Grösse dazu, nachzulesen unter Silikatfarbe und unter Kalkfarbe.

Offengelegte Schwächen

Abgerufen am 13. August 2026. Glossar und Reglement der Umwelt-Etikette sind Schweizer Primärquellen; die vier Merkblätter der Bosshard-Farben AG sind Herstellerangaben zu benannten Erzeugnissen und gelten nicht für andere Produkte. Der Text der Normen SN EN 13300 und SN EN ISO 6504 wird kostenpflichtig vertrieben und lag diesem Eintrag nicht vor; belegt sind daraus Bezeichnung, Ausgabejahr und Regelungsgegenstand aus dem Normenkatalog.

Diese zwei Angaben in deinem Angebot

In Positionszeilen stehen selten Kennwerte, oft dagegen ein Produktname und eine Zahl von Anstrichen. Mit dem Namen kommst du an das Merkblatt und darin an Verbrauch, Dichte und Klasse. Mit der Zahl der Anstriche kommst du an die Menge, die auf deine Fläche geht. Fehlt eine der zwei Angaben, lassen sich zwei Offerten in diesem Punkt nicht vergleichen.

Der zweite Blick gilt der Fläche selbst. Wie sie in der Schweiz ermittelt wird, steht unter Ausmassregeln beim Maler, und was ein Ansatz je Quadratmeter überhaupt einschliesst, unter Quadratmeterpreis beim Maler. Ein Materialpreis lässt sich aus diesen Kennwerten nicht ableiten: Die Blätter nennen Gramm, keine Franken.

Verwandte Begriffe

Quellen

  1. Schweizer Stiftung Farbe: «Glossar zur Umwelt-Etikette», Version 1, gültig ab 1.1.2026. Schweizer Primärquelle, im Original-PDF geprüft. Hier verwendet: die Einträge Kontrastverhältnis und Gebrauchstauglichkeit. Abgerufen am 13.08.2026.
  2. Schweizer Stiftung Farbe: «Ausführungsreglement Umwelt-Etikette UE I, Wandfarben innen», Version 4.4, gültig ab 1.1.2026. Schweizer Primärquelle. Hier verwendet: Abschnitt 2.3.8 mit den Klassenanforderungen der Kategorien A und C und mit der Prüfbedingung 7,5 Quadratmeter je Liter. Abgerufen am 13.08.2026.
  3. SNV Schweizerische Normen-Vereinigung: Normenshop connect.snv.ch, Katalogeinträge SN EN 13300:2022 «Beschichtungsstoffe … Einteilung», Ausgabe November 2022; SN EN ISO 6504-1:2020 «Paints and varnishes, Determination of hiding power, Part 1: Kubelka-Munk method for white and light-coloured paints», Ausgabe Januar 2020, CHF 105.00; SN EN ISO 6504-3:2020 «… Part 3: Determination of hiding power of paints for masonry, concrete and interior use», Ausgabe Juli 2020, CHF 82.00. Katalogdaten, abgerufen am 13.08.2026. Die Normtexte selbst wurden nicht beschafft. Abgerufen am 13.08.2026.
  4. Bosshard-Farben AG: Ifangstrasse 97, 8153 Rümlang, Technisches Merkblatt TM073 «BO-Innendispersion», Dokumentkennung «10100 BO-Innendispersion / 6.3.25». Herstellerangabe zu einem benannten Erzeugnis. Verwendet sind Dichte, Verbrauch und der Klassenbereich; sie gelten unter den Bedingungen des Merkblatts und nicht für Dispersionsfarben im Allgemeinen. Abgerufen am 13.08.2026.
  5. Bosshard-Farben AG: Rümlang, Technisches Merkblatt TM066 «Exponit PU Latex 5 / 20 / 40», Dokumentkennung «35610/50/60/70 Exponit PU-Latex / 19.6.25». Herstellerangabe zu einer benannten Produktreihe, hier allein für die Zeile «Ergiebigkeit 7.5 m²/l» verwendet. Abgerufen am 13.08.2026.
  6. Bosshard-Farben AG: Rümlang, Technisches Merkblatt TM122 «Lithomatt L», Dokumentkennung «10940 Lithomtt L / 19.2.25», Schreibfehler im Original. Herstellerangabe zu einem benannten, lösemittelhaltigen Erzeugnis, hier allein für den Verbrauch je Anstrich verwendet. Abgerufen am 13.08.2026.
  7. Bosshard-Farben AG: Rümlang, Technisches Merkblatt TM065 «ExpoSil Siliconharzfarbe», Dokumentkennung «39520 ExpoSil Siliconharzfarbe / 16.03.26». Herstellerangabe zu einem benannten Fassadenerzeugnis, hier allein für den Verbrauch bei zweimaligem Anstrich verwendet. Abgerufen am 13.08.2026.
  8. Redaktion malerofferte.ch: Prüfvermerk zu den Klassengrenzen, 13. August 2026. Gesucht wurde eine frei zugängliche Quelle, die die vier Deckvermögensklassen zahlenmässig gegeneinander abgrenzt. Geprüft wurden der Normenkatalog der SNV, das Glossar, das Reglement UE I und die Merkblätter der Bosshard-Farben AG. Gefunden wurde ein einziger Bereich, und zwar als Herstellerangabe im Merkblatt TM073. Dokumentierter Nulltreffer. Abgerufen am 13.08.2026.

Stand und Verantwortung

Inhaltlich geprüft am 14. August 2026. Verantwortlich: Redaktion malerofferte.ch.

In eigener Sache

An welche Farbe du dich hältst, ist für uns ohne Belang, denn bezahlt werden wir dafür, dass Malerbetriebe über unser Vergleichsportal Anfragen erhalten. Beitragen können wir hier die Prüfbedingung aus dem Schweizer Reglement und die Umrechnung, die auf keinem Merkblatt steht. Ein Interesse an einem bestimmten Produkt haben wir nicht und hätten dafür auch keine Daten.

Damit zwei Materialangaben dasselbe bedeuten, brauchst du je Blatt zwei Zeilen: das Erzeugnis mit Namen und die Zahl der Beschichtungen. Beides kannst du in deiner Ausschreibung auf malerofferte.ch gleich verlangen. Die Kennwerte selbst schlägst du danach im Merkblatt nach, ohne uns.

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