Farben & Materialien

Nassabriebklasse, das Ergebnis eines Prüfverfahrens

Die Nassabriebklasse ordnet eine Wandfarbe danach ein, wie viel Material abgeht, wenn 200-mal ein feuchtes Vlies darüberfährt. [1] Das Glossar der Schweizer Stiftung Farbe nennt fünf Klassen und die Klasse 1 als beste. [1] Geprüft wird nach SN EN ISO 11998:2006, eingeteilt nach SN EN 13300:2022, beide als Schweizer Normen geführt. [3]

Redaktionell geprüft: 17. August 2026

Die vier Werte, die feststehen

klassenband, fünf stufenNassabriebklassen nach SN EN 13300abriebfesterweniger abriebfestKlasse 1Klasse 2Kategorie AKlasse 3Kategorie BKlasse 4Klasse 5
Fünf Klassen, Klasse 1 ist die beste. Die Klassengrenzen in Mikrometern stehen hier nicht: Der Text der Norm SN EN 13300:2022 ist kostenpflichtig und wurde für dieses Lexikon nicht beschafft. Gezeichnet ist deshalb nur die Reihenfolge und die Schwelle, die die Umwelt-Etikette daran knüpft.«Glossar zur Umwelt-Etikette» und «Ausführungsreglement UE I», Schweizer Stiftung Farbe, gültig ab 1.1.2026.

Warum die Norm in der Schweiz SN heisst und in Deutschland DIN

Auf Schweizer Ratgeberseiten und in Merkblättern steht regelmässig «DIN EN 13300». DIN ist die deutsche Normungsorganisation. Der Normenshop der Schweizerischen Normen-Vereinigung führt für dieselbe Suche zwei getrennt kaufbare Produkte: SN EN 13300:2022, Ausgabe November 2022, Status «Aktuell», CHF 49.00, herausgegeben von der SNV, und daneben DIN EN 13300:2023, geführt als «German version EN 13300:2022», herausgegeben vom DIN in Berlin. [3] Beide sind nationale Übernahmen derselben europäischen Norm. Wer in der Schweiz «DIN EN 13300» schreibt, meint inhaltlich das Richtige und benennt die deutsche statt der Schweizer Fassung.

Das Ausgabejahr ist die zweite Falle. Der Katalogeintrag hält fest, dass SN EN 13300:2022 die Ausgaben von 2001 und 2002 ersetzt. [3] Alles, was vor Ende 2022 über diese Norm geschrieben wurde, bezieht sich auf die alte Fassung. Ob die Revision die Klassen verändert hat, geht aus dem Katalog nicht hervor, und dieser Eintrag behauptet es nicht.

Getrennt davon steht das Messverfahren. SN EN 13300 heisst laut Katalogtitel «Einteilung»; den Nassabrieb misst SN EN ISO 11998:2006, Ausgabe Oktober 2006, CHF 56.00, und den Glanzwert misst SN EN ISO 2813:2014. [3] Die Klasse ist also das Ergebnis eines Versuchs nach der einen Norm, eingeordnet nach der anderen. Was die Glanzmessung damit zu tun hat, steht unter Glanzgrad. Wie Normen in der Schweiz überhaupt verbindlich werden, steht unter SIA-Norm.

Was mit der Farbe geschieht, bevor eine Klasse herauskommt

Das Glossar zur Umwelt-Etikette, gültig ab dem 1. Januar 2026, beschreibt die Nassabriebbeständigkeit so: Sie «beschreibt die Reinigungsfähigkeit mit einem feuchten Schwamm. Gemessen wird der Abrieb einer Farbe, wenn insgesamt 200-mal mit einem genau definierten feuchten Vlies über die Farbe hin und her gescheuert wird.» [1] Danach wird gemessen, wie viel Schichtdicke fehlt. Je weniger, desto niedriger die Klasse.

Damit ist die Klasse keine Eigenschaft, die einem Anstrich anzusehen wäre, sondern ein Messwert unter festgelegten Bedingungen. Das Vlies, die Zahl der Züge und die Auswertung stehen in der Prüfnorm; welche Zahl zu welcher Klasse führt, in der Einteilungsnorm. [3] Diese Trennung erklärt, warum auf Merkblättern zwei Normnummern nebeneinanderstehen.

Geprüft wird eine Farbschicht unter Bedingungen, die das Verfahren vorschreibt, und nicht die Wand, auf der dieselbe Farbe später klebt. [1]

Für die Bewertung heisst das zweierlei. Die Klasse gilt für das Erzeugnis, das geprüft wurde, und sie sagt nichts darüber, wie gut dein Anstrich haftet. Ob eine Fläche überhaupt Farbe hält, hängt am Untergrund, und wie der geprüft wird, steht unter Untergrundprüfung. Kommt beim Darüberfahren Material an die Hand, ist das ein anderer Befund, nachzulesen unter Kreiden.

Was die Umwelt-Etikette an Klassen verlangt

Die Umwelt-Etikette ist das Schweizer Bewertungssystem für Beschichtungsstoffe. Getragen wird sie laut ihrem Flyer von der Schweizer Stiftung Farbe, unterstützt unter anderem vom Bundesamt für Umwelt, vom Hauseigentümerverband, vom Schweizerischen Maler- und Gipserunternehmer-Verband und vom Verband der Schweizerischen Lack- und Farbenindustrie. [6] Ihr Ausführungsreglement UE I für Wandfarben innen, Version 4.4, gültig ab dem 1. Januar 2026, macht die Nassabriebklasse zur Bedingung: Für die Kategorie A müssen Produkte «mindestens die Klasse 2 für Nassabriebbeständigkeit und Kontrastverhältnis» erreichen, für die Kategorie B die Klasse 3 beim Nassabrieb. [2] Das Einstufungsraster im Flyer nennt dieselben Obergrenzen und für die Kategorien D und E die Klasse 5. [6]

Eine Buchstabenkategorie sagt damit zweierlei zugleich, nämlich etwas über Umwelt und Gesundheit und etwas über die Gebrauchstauglichkeit. Wasserverdünnbare Farben liegen laut Reglement in den Kategorien A bis E, lösemittelbasierte in F und G. [2] Steht auf einer Innenfarbe also F oder G, ist sie lösemittelbasiert, und über ihre Nassabriebklasse ist damit nichts gesagt. Was hinter dem zweiten Kriterium der Gebrauchstauglichkeit steckt, steht unter Deckkraft und Ergiebigkeit.

Klasse 3 und Klasse 1 an zwei Erzeugnissen aus Rümlang

Die Bosshard-Farben AG an der Ifangstrasse 97 in Rümlang veröffentlicht ihre Technischen Merkblätter mit Ausgabedatum. Für die BO-Innendispersion, Dokumentstand 6. März 2025, steht dort «Nassabriebbeständigkeit gemäss ISO 11998 Klasse 3», dazu Glanzgrad matt und Schweizer Umwelt-Etikette Kategorie B. [4] Für die Exponit PU Latex, Dokumentstand 19. Juni 2025, steht «Nassabrieb Klasse 1 (< 5 μm)», ebenfalls Kategorie B. [5] Beides sind Angaben der Herstellerin zu benannten Erzeugnissen und gelten nicht für andere Produkte derselben Gattung.

Die Klammer im zweiten Merkblatt ist der einzige Klassengrenzwert, den dieser Eintrag belegen kann: weniger als 5 Mikrometer Abtrag für die beste Klasse, angegeben vom Hersteller. [5] Was die Klassen 2, 3, 4 und 5 voneinander trennt, steht im Normtext, und der wird kostenpflichtig vertrieben. Eine vollständige Klassentabelle findest du hier deshalb nicht, und Tabellen aus deutschen Ratgebern sind mit diesen Quellen nicht überprüfbar.

Dasselbe Merkblatt nennt für die Exponit PU Latex den Grund für die harte Klasse gleich mit, nämlich den «hohen Bindemittelanteil», und als Einsatzgebiete Schulräume, Krankenhäuser, Korridore, Treppenhäuser und Ladenlokale. [5] Woraus dieser Anteil besteht, steht unter Latexfarbe und für die andere Gattung unter Dispersionsfarbe.

Warum im Korridor die Klasse zur Frage wird und nicht der Farbton

Wer den Korridor der Wohnung streichen lässt, sucht meistens einen Farbton. Belegen lässt sich an dieser Stelle etwas anderes, nämlich die Beanspruchung. Dasselbe Merkblatt zur Exponit PU Latex führt den Korridor auf seiner ersten Seite unter «Anwendung», und es nennt den Grund dazu: Die Farben eignen sich «aufgrund des hohen Bindemittelanteils für alle Räume, die besonders beansprucht werden und einer intensiven Verschmutzung unterworfen sind, wie Schulräume, Krankenhäuser, Korridore, Treppenhäuser, Schalterhallen, Ladenlokale, Hotels, Kinos usw.» [5][8] Als Eigenschaften stehen auf derselben Seite «Ausgezeichnete Scheuerbeständigkeit» und «Gut reinigungsfähig», dazu der Nassabrieb Klasse 1. [5] Das Ausführungsreglement kennt dieselbe Unterscheidung, nennt aber keine Räume: Produkte der Kategorie A– «sollten nicht für beanspruchte Flächen eingesetzt werden». [2]

Drei Grenzen gehören dazu. Die Liste ist eine Anwendungsempfehlung der Herstellerin und keine Regel; das Blatt schreibt selbst, seine Angaben «können nur allgemeine Hinweise sein». [5] Sie stellt den Wohnungskorridor neben Schulräume, Krankenhäuser und Kinos und sagt nicht, welche Klasse ein Korridor verlangt. Und zum Farbton sagt sie nur, dass abgetönt werden kann, nämlich «Weiss, bunt, nach allen gängigen Farbkarten oder nach Muster». [5] Welcher Ton in einen Korridor gehört, belegt keine der hier geprüften Quellen.

Was diese Quellen offenlassen

Drei Fragen bleiben offen, und sie bleiben es aus verschiedenen Gründen. Erstens die Klassengrenzen: Sie stehen im Normtext, der Geld kostet. Zweitens die Wirkung der Revision von 2022, weil der Katalog nur nennt, was ersetzt wurde. [3] Drittens die Frage, welche Klasse als übliche Anforderung gilt. Das Glossar der Umwelt-Etikette äussert sich dazu, nennt an der entscheidenden Stelle aber für zwei verschiedene Untergrundarten denselben Klassenwert. [7] Der Satz ist damit erkennbar fehlerhaft, und wir geben ihn nicht wieder, statt uns eine der beiden Lesarten auszusuchen.

Was daraus folgt: Ein Anstrich mit Klasse 2 ist nach diesen Quellen nachweislich abriebfester als einer mit Klasse 3, und um wie viel, lässt sich hier nicht sagen.

Offengelegte Schwächen

Abgerufen am 13. August 2026; die Angaben zum Korridor sind am 17. August 2026 am Original-PDF nachgeprüft worden. [8] Das Glossar, das Reglement und der Flyer der Umwelt-Etikette sind Schweizer Primärquellen; die zwei Merkblätter der Bosshard-Farben AG sind Herstellerangaben zu benannten Erzeugnissen. Der Text der Normen SN EN 13300 und SN EN ISO 11998 wird kostenpflichtig vertrieben und lag diesem Eintrag nicht vor; belegt sind daraus Bezeichnung, Ausgabejahr, Preis und Regelungsgegenstand aus dem Normenkatalog.

Wo die Klasse auf deinem Angebot auftaucht

Auf Offerten steht die Klasse selten, auf Merkblättern immer. Die Verbindung dazwischen ist der Produktname: Steht in der Positionszeile ein Erzeugnis mit Bezeichnung, findest du sein Merkblatt und darin die Klasse samt Prüfnorm. Steht dort «abwaschbare Wandfarbe», hast du ein Eigenschaftswort ohne Wert. Ähnlich unbestimmt sind «scheuerbeständig» und «strapazierfähig»; keines dieser Wörter ist in den hier geprüften Quellen definiert.

Zwei Angaben lohnen sich in der Anfrage. Erstens das Erzeugnis mit Namen, weil ohne ihn keine Kennzahl nachschlagbar ist, wie es auch unter Minergie-ECO bei einer Farbe steht. Zweitens die Zahl der Beschichtungen, weil eine harte Klasse den zweiten Anstrich nicht ersetzt; dazu steht mehr unter Anzahl der Anstriche. Wie die Fläche darunter gemessen wird, steht unter Ausmassregeln beim Maler.

Verwandte Begriffe

Quellen

  1. Schweizer Stiftung Farbe: «Glossar zur Umwelt-Etikette», Version 1, gültig ab 1.1.2026. Schweizer Primärquelle, im Original-PDF geprüft. Hier verwendet: die Beschreibung des Prüfverfahrens, die Zahl der Klassen und die Angabe, dass Klasse 1 das beste Ergebnis ist. Abgerufen am 13.08.2026.
  2. Schweizer Stiftung Farbe: «Ausführungsreglement Umwelt-Etikette UE I, Wandfarben innen», Version 4.4, gültig ab 1.1.2026. Schweizer Primärquelle. Hier verwendet: Abschnitt 2.3 zur Zuordnung wasserverdünnbarer und lösemittelbasierter Farben und Abschnitt 2.3.8 zu den Klassenanforderungen der Kategorien A bis C. Abgerufen am 13.08.2026.
  3. SNV Schweizerische Normen-Vereinigung: Normenshop connect.snv.ch, Katalogeinträge SN EN 13300:2022 «Beschichtungsstoffe, Wasserhaltige Beschichtungsstoffe und Beschichtungssysteme für Wände und Decken im Innenbereich, Einteilung», Ausgabe November 2022, Status «Aktuell», CHF 49.00, mit dem Vermerk, dass sie SN EN 13300 2001 und SN EN 13300 AC 2002 ersetzt; DIN EN 13300:2023 «German version EN 13300:2022», Herausgeber DIN e.V., Berlin; SN EN ISO 11998:2006, Ausgabe Oktober 2006, CHF 56.00; SN EN ISO 2813:2014, Ausgabe Dezember 2014. Katalogdaten, abgerufen am 13.08.2026. Die Normtexte selbst wurden nicht beschafft. Abgerufen am 13.08.2026.
  4. Bosshard-Farben AG: Ifangstrasse 97, 8153 Rümlang, Technisches Merkblatt TM073 «BO-Innendispersion», Dokumentkennung «10100 BO-Innendispersion / 6.3.25». Herstellerangabe zu einem benannten Erzeugnis. Die Klasse gilt für dieses Produkt unter den im Merkblatt genannten Bedingungen und nicht für Dispersionsfarben im Allgemeinen. Abgerufen am 13.08.2026.
  5. Bosshard-Farben AG: Rümlang, Technisches Merkblatt TM066 «Exponit PU Latex 5 / 20 / 40», Dokumentkennung «35610/50/60/70 Exponit PU-Latex / 19.6.25». Herstellerangabe zu einer benannten Produktreihe. Der Wert «Klasse 1 (< 5 μm)» ist eine Angabe der Herstellerin und kein Zitat aus dem Normtext. Abgerufen am 13.08.2026.
  6. Schweizer Stiftung Farbe: Flyer «Umwelt-Etikette», 2 Seiten, Dateistand Juni 2025. Schweizer Primärquelle, hier verwendet für die Trägerschaft und für das Einstufungsraster mit den Obergrenzen je Kategorie. Abgerufen am 13.08.2026.
  7. Redaktion malerofferte.ch: Prüfvermerk zum Glossar der Umwelt-Etikette, 13. August 2026. Der Glossareintrag zur Nassabriebbeständigkeit schliesst mit einem Satz, der für mineralische und für alle übrigen Untergründe dieselbe Klasse als Standardanforderung nennt. Da beide Werte identisch sind, ist der Satz in sich widersprüchlich; welcher der zwei Werte falsch gesetzt wurde, ist von aussen nicht feststellbar. Der Satz wird deshalb nicht zitiert. Dokumentierter Quellenfehler. Abgerufen am 13.08.2026.
  8. Redaktion malerofferte.ch: Prüfvermerk zur Korridornennung, 17. August 2026. Das Technische Merkblatt TM066 wurde am 17.08.2026 erneut am Original-PDF geprüft (HTTP 200, 2 Seiten, 90 657 Bytes). Der zitierte Satz steht auf Seite 1 im Abschnitt «Anwendung»; die Eigenschaften «Ausgezeichnete Scheuerbeständigkeit» und «Gut reinigungsfähig» sowie die Farbtonangabe «Weiss, bunt, nach allen gängigen Farbkarten oder nach Muster» stehen auf derselben Seite, der Gewährleistungsvorbehalt auf Seite 2. Der Satz zur Kategorie A– steht in Abschnitt 2.3.8 des Ausführungsreglements UE I, Version 4.4. Die vier übrigen für diesen Eintrag geprüften Dokumente (Glossar, Reglement, Flyer, TM073) nennen den Korridor an keiner Stelle; die Nennung stützt sich damit auf ein einziges Herstellerdokument. Abgerufen am 17.08.2026.

Stand und Verantwortung

Inhaltlich geprüft am 17. August 2026. Verantwortlich: Redaktion malerofferte.ch.

In eigener Sache

malerofferte.ch verkauft keine Farbe und betreibt kein Prüflabor. Wir leiten Anfragen an Malerbetriebe weiter und werden dafür bezahlt, verdienen also daran, dass du überhaupt anfragst. Beitragen können wir zu dieser Seite die Normbezeichnungen mit Ausgabejahr und die Auskunft, welche Zahl aus welchem Dokument stammt.

Eine Klasse taucht in Positionszeilen fast nie auf, ein Produktname dagegen schon. Verlange ihn, wenn du deine Räume auf malerofferte.ch ausschreibst, und schlag die Kennwerte danach selbst im Merkblatt nach. Welche Klasse für deine Räume genügt, entscheidet dabei niemand für dich.

Angebote einholen
Nassabriebklasse nach SN EN 13300, fünf Klassen