Farben & Materialien

Der Glanzgrad steht als Zahl im Merkblatt

Glanzgrad ist ein Messwert in Prozent, und er gilt nur zusammen mit dem Winkel, unter dem gemessen wurde. Die Schweizer Norm SN EN ISO 2813:2014 nennt drei davon, nämlich 20, 60 und 85 Grad. [2] Eine Kundeninformation der Bosshard-Farben AG in Rümlang führt für 55 Baumalerprodukte Winkel und Messwert einzeln auf. [1]

Redaktionell geprüft: 14. August 2026

Die Zahlen, um die es hier geht

fristenband, zwei getrennte massstäbeMassstab 1: Prozent bei 85 Grad, 0 bis 60kein Glanz0102030405060Prozent bei…Exponit Protecttiefster Wert der ListeBO-InnendispersionTosadur 2K Rapid mattträgt matt im Namenanderer MassstabMassstab 2: Prozent bei 60 Grad, 0 bis 900102030405060708090Prozent bei…Tosacryl Aqua 1K-EmailleSaxotol Decklack glanz
Die zwei Bänder haben getrennte Massstäbe, weil sie unter verschiedenen Winkeln gemessen wurden. Ein Wert bei 85 Grad und ein Wert bei 60 Grad sagen nichts übereinander aus, auch dann nicht, wenn beide in Prozent stehen. Gezeigt sind fünf von 55 Erzeugnissen eines einzigen Schweizer Herstellers, Stand Juli 2025; die Werte sind keine Norm und keine Branchenregel. Der oberste Balken des oberen Bandes trägt matt im Produktnamen und liegt trotzdem bei 55.Messwerte aus der Technischen Kunden-Information TKI072 «Glanzgrade der wichtigsten Baumalerprodukte» der Bosshard-Farben AG, Rümlang, Juli 2025.

Wo der Glanz in der Schweiz eine Folge hat

Zwei Schweizer Regelwerke knüpfen an den Glanz eine Folge, und beide tun es mit einer Zahl.

Das Ausführungsreglement UE I der Schweizer Stiftung Farbe für Wandfarben innen, Version 4.4, gültig ab dem 1. Januar 2026, teilt in Abschnitt 2.3.4 die Innenanstriche für Wände und Decken in zwei Unterkategorien: «matt» mit «Glanz < 25 bei 60°» und «glänzend» mit «Glanz > 25 bei 60°». An dieser Trennung hängt der zulässige Gehalt an flüchtigen organischen Stoffen. Für die matte Kategorie nennt das Reglement 30 Gramm je Liter, für die glänzende 100 Gramm je Liter, jeweils gleich für wasserbasierte und lösemittelbasierte Erzeugnisse. [3] Der Vorbehalt gehört dazu: Diese Höchstwerte stammen aus der europäischen Richtlinie 2004/42/EG, und sie gelten hier, weil das Schweizer Reglement sie übernimmt. Ob und in welcher Schweizer Verordnung sie darüber hinaus verbindlich sind, haben wir nicht geklärt.

Das zweite Regelwerk betrifft die Wand unter der Farbe. Das Merkblatt Nr. 86 «Deckbeschichtungen auf Trockenbauplatten im Innenbereich», Artikelnummer 2985, Stand März 2012, herausgegeben vom Schweizerischen Maler- und Gipserunternehmer-Verband zusammen mit der Trockenmörtel-, der Gipsplatten- und der Lackindustrie, schreibt in allen sechs Untergrundtabellen dieselbe Zeile: «Q3-Sonderverspachtelung: für matte nicht strukturierte Beschichtungen. Q4-höchste Anforderung: für Beschichtungen bis zu einem mittleren Glanz.» [4]

Wer statt matt einen glänzenderen Anstrich bestellt, bestellt damit nach diesem Merkblatt eine höhere Spachtelqualität am Untergrund. Das ist der Punkt, an dem die Glanzwahl auf die Rechnung durchschlägt, und er steht in aller Regel nicht in der Zeile, in der über den Glanz entschieden wird. Welche Stufe was verlangt, steht unter Spachtelqualität Q1 bis Q4. Was oberhalb eines mittleren Glanzes gilt, sagt das Merkblatt nicht; es kennt für Farbbeschichtungen nur diese zwei Stufen. Für Decken erklärt dieselbe Zeile, warum sie in der Praxis matt gestrichen werden: Streiflicht auf einer Decke zeigt jede Unebenheit, und die matte Variante verlangt die tiefere Untergrundstufe. Mehr dazu unter Decke streichen.

Was die Zahl misst und warum der Winkel dazugehört

Gemessen wird, wie viel Licht eine Oberfläche gerichtet zurückwirft, wenn man sie in einem festgelegten Winkel anstrahlt. Der Katalog der Schweizerischen Normen-Vereinigung führt die zuständige Norm unter SN EN ISO 2813:2014, Ausgabe Dezember 2014, Status aktuell; ihr Titel nennt die drei Winkel 20, 60 und 85 Grad. [2] Den Normtext selbst haben wir nicht beschafft, er kostet 82 Franken.

In der Liste aus Rümlang steht zu jedem Erzeugnis genau ein Winkel, und kein Produkt trägt zwei Werte. Die matten Erzeugnisse sind dort bei 85 Grad gemessen, die mittleren bei 60, die höchstglänzenden bei 20. [1]

Zwei Glanzangaben sind nur vergleichbar, wenn derselbe Messwinkel dahintersteht. [1][2]

Praktisch heisst das: «85° / 3» und «60° / 30» sagen nichts übereinander aus. Wer zwei Merkblätter nebeneinanderlegt und nur auf die Prozentzahl schaut, vergleicht zwei verschiedene Messungen.

Wo das Wort und die Zahl auseinanderfallen

Dieselbe Liste enthält einen Widerspruch, und er ist der Grund, warum diese Seite nicht bei den Wörtern bleibt. Die Erzeugnisse, die der Hersteller matt oder stumpfmatt nennt, liegen bei 85 Grad zwischen 0,6 und 8,5 Prozent. Ein Produkt derselben Liste, die Tosadur 2K Rapid matt, wird bei demselben Winkel mit 55 Prozent gemessen. [1] Ein Erzeugnis mit matt im Namen liegt also um mehr als das Sechsfache über dem höchsten Wert der übrigen matten Erzeugnisse, und zwar innerhalb der Preisliste eines einzigen Herstellers.

Eine Einteilung von stumpfmatt bis glänzend mit Zahlengrenzen aus einer Norm haben wir gesucht und nicht gefunden. [8] Die Tabellen, die im Netz mit fünf Stufen kursieren, liessen sich auf keine Fundstelle zurückführen. Belegt ist die Zweiteilung bei 25, gemessen bei 60 Grad, und sie stammt aus dem Umweltrecht und nicht aus einer Anstrichnorm. [3] Die Norm SN EN 13300:2022 teilt wasserhaltige Beschichtungsstoffe für innen ein, ihr Text kostet 49 Franken und lag uns nicht vor; welche Stufen sie für den Glanz kennt, steht deshalb nicht auf dieser Seite. [7]

Was der Glanz mit dem Farbton macht

Der Glanzgrad verändert, wie ein Farbton aussieht. In der Verbandszeitschrift des Schweizerischen Maler- und Gipserunternehmer-Verbands schreiben drei Technikleiter Schweizer Farbenhersteller über das Merkblatt zur Farbübereinstimmung: «Ein sehr grosser Einflussfaktor ist der Glanzgrad der Beschichtung. Geringste Glanzgradunterschiede können dazu führen, dass nahezu gleichfarbige Beschichtungen, aus unterschiedlichem Winkel betrachtet, deutlich voneinander abweichen.» [5]

Der Herausgeber des RAL-Systems zieht dieselbe Konsequenz auf seiner Seite: Für die matten Farbtöne der Sammlung RAL CLASSIC ist das Farbregister RAL 840-HR massgebend, für die glänzenden das Register RAL 841-GL. [6] Ein Farbton, zwei Register, getrennt nach Glanz. Wer denselben Ton einmal matt und einmal glänzend bestellt, bekommt deshalb zwei Flächen, die nebeneinander verschieden aussehen, ohne dass jemand etwas falsch gemacht hätte. Ob so ein Unterschied ein Mangel ist, gehört zu Farbabweichung und Charge, was eine RAL-Nummer überhaupt festlegt, dorthin.

Offengelegte Schwächen

Abgerufen am 13. August 2026. Die Kundeninformation und das Technische Merkblatt der Bosshard-Farben AG sind Herstellerangaben zu benannten Erzeugnissen und gelten nicht für die Produkte anderer Hersteller. Der Text der Normen SN EN ISO 2813 und SN EN 13300 wird kostenpflichtig vertrieben und lag diesem Eintrag nicht vor; belegt sind daraus Bezeichnung, Titel, Ausgabe und Status aus dem Normenkatalog.

Was davon auf ein Angebot gehört

Drei Angaben machen aus einer Glanzzeile eine prüfbare Zeile. Erstens das Erzeugnis mit Namen, denn erst damit kommst du an sein Merkblatt und an die Zahl darin. Zweitens die Glanzangabe des Herstellers im Wortlaut, wie sie im Merkblatt steht. Drittens der Messwinkel, falls das Merkblatt ihn nennt; fehlt er, ist die Prozentzahl nicht einordenbar.

Dazu kommt die Angabe zum Untergrund. Steht auf deinem Blatt ein glänzenderes Erzeugnis, aber keine Position für die Spachtelqualität, dann sind entweder die Vorarbeiten nicht eingerechnet oder die Anforderung ist nicht bedacht worden. Wie ein Betrieb den Untergrund überhaupt beurteilt, steht unter Untergrundprüfung, wie die Fugen davor behandelt werden, unter Fugen spachteln. Und wenn zwischen zwei Schichten eine Wartezeit liegt, gehört sie auf dasselbe Blatt, siehe Trocknungszeiten.

Verwandte Begriffe

Quellen

  1. Bosshard-Farben AG: Ifangstrasse 97, 8153 Rümlang, Technische Kunden-Information TKI072 «Glanzgrade der wichtigsten Baumalerprodukte», datiert «Rümlang, Juli 2025», 2 Seiten. Herstellerangabe. Die Liste ist eine Momentaufnahme des Sortiments eines einzigen Schweizer Herstellers; die genannten Bandbreiten sind kein Normbereich und keine Branchenregel. Abgerufen am 13.08.2026.
  2. SNV Schweizerische Normen-Vereinigung: Normenshop, Katalogeintrag SN EN ISO 2813:2014 «Paints and varnishes, Determination of gloss value at 20 degrees, 60 degrees and 85 degrees», Ausgabe Dezember 2014, Status «Aktuell», CHF 82.00. Katalogdaten, abgerufen am 13.08.2026. Der Normtext selbst wurde nicht beschafft. Abgerufen am 13.08.2026.
  3. Schweizer Stiftung Farbe: «Ausführungsreglement Umwelt-Etikette UE I, Wandfarben innen», Version 4.4, gültig ab 1.1.2026, Abschnitt 2.3.4. Schweizer Primärquelle. Die zitierten VOC-Höchstwerte und die Glanzgrenze stammen aus der europäischen Richtlinie 2004/42/EG und stehen hier als vom Schweizer Reglement übernommene Werte, nicht als Schweizer Verordnungsrecht. Abgerufen am 13.08.2026.
  4. SMGV Schweizerischer Maler- und Gipserunternehmer-Verband: Zusammen mit der VTH Schweizerische Vereinigung der Trockenmörtelhersteller, dem SVGG Schweizerischer Verband der Gips- und Gipsbauplattenindustrie und dem VSLF Verband der Schweizerischen Lack- und Farbenindustrie, Merkblatt Nr. 86 «Deckbeschichtungen auf Trockenbauplatten im Innenbereich», Artikelnummer 2985, Stand März 2012, 10 Seiten. Schweizer Fachverbandsquelle. Die zitierte Zeile steht wortgleich in allen sechs Untergrundtabellen des Merkblatts. Abgerufen am 13.08.2026.
  5. applica: Fachzeitschrift des SMGV, Ausgabe 2/2017, Seiten 15 bis 18, Fachartikel dreier Technikleiter Schweizer Farbenhersteller über das BFS-Merkblatt Nr. 25 «Richtlinien zur Beurteilung von Farbübereinstimmungen und Farbabweichungen». Sekundärquelle mit benannter Autorschaft. Der Artikel referiert das Merkblatt; der Merkblatttext selbst lag nicht vor. Hier allein für die Aussage zum Glanzgrad verwendet. Abgerufen am 13.08.2026.
  6. RAL gemeinnützige GmbH: Fränkische Strasse 7, 53229 Bonn, Deutschland, Produktseite zur Sammlung RAL CLASSIC. Angabe des Systemherausgebers, wörtlich: «The basis for the reproduction of matt shades is the RAL 840-HR colour register, while it is the RAL 841-GL colour register for glossy shades.» RAL ist eine deutsche gemeinnützige GmbH und keine Normungsorganisation. Abgerufen am 13.08.2026.
  7. SNV Schweizerische Normen-Vereinigung: Normenshop, Katalogeintrag SN EN 13300:2022, Ausgabe November 2022, Status «Aktuell», ersetzt SN EN 13300:2001, CHF 49.00. Katalogdaten, abgerufen am 13.08.2026. Der Normtext wurde nicht beschafft; über seine Glanzgradstufen sagt dieser Eintrag deshalb nichts. Abgerufen am 13.08.2026.
  8. Eigene Recherche der Redaktion: 13. August 2026. Gesucht wurde eine Einteilung der Glanzstufen von stumpfmatt bis glänzend mit Zahlengrenzen aus einer Norm. Geprüft wurden der Normenkatalog der SNV, die zwei Ausführungsreglemente der Umwelt-Etikette, das Glossar der Umwelt-Etikette und die Merkblätter Nr. 84, 85 und 86 des SMGV. Eine solche Einteilung wurde nicht gefunden. Dokumentierter Nulltreffer. Abgerufen am 13.08.2026.
  9. Bosshard-Farben AG: Rümlang, Technisches Merkblatt TM073 «BO-Innendispersion», Dokumentkennung «10100 BO-Innendispersion / 6.3.25». Herstellerangabe zu einem benannten Erzeugnis, hier allein als eines der fünf im Bild gezeigten Produkte. Abgerufen am 13.08.2026.

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Inhaltlich geprüft am 14. August 2026. Verantwortlich: Redaktion malerofferte.ch.

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