Räume & Bauteile

Estrich streichen: Dachraum oder Unterlagsboden

Estrich heisst in der Schweiz der Raum unter dem Dach, der Duden markiert diese Bedeutung als schweizerisch [3]. Im Merkblatt Nr. 95 des Schweizerischen Maler- und Gipserunternehmer-Verbands steht dasselbe Wort für den Unterlagsboden [1]. Wer eine Offerte einholt, nennt deshalb besser das Bauteil als den Raum.

Redaktionell geprüft: 14. August 2026

Was auf dieser Seite belegt ist

Wie der Malerverband das Wort Estrich benutzt

Das Merkblatt Nr. 95 «Bodenbeschichtungen auf mineralische Untergründe» stammt vom SMGV in Wallisellen, trägt die Art.-Nr. 2458 und den Stand Januar 2024. Es beginnt sein Materialkapitel mit einer Definition, und die Klammer darin ist für diese Seite der ganze Punkt:

«Estrich (Unterlagsboden): Schicht oder Schichten aus Estrichmörtel, die auf der Baustelle direkt auf den Untergrund, mit oder ohne Verbund, oder auf eine zwischenliegende Trenn- oder Dämmschicht aufgebracht werden, um eine oder mehrere der nachstehenden Funktionen zu erfüllen: eine vorgegebene Höhenlage zu erreichen, einen Bodenbelag aufzunehmen, unmittelbar genutzt zu werden.» [1]

Die Definition trägt im Original eine Fussnote auf die Norm SIA 251 [1]. Der Verband setzt die zwei Wörter also gleich und stützt sich dabei auf eine Schweizer Norm. Der Normtext selbst ist für diesen Eintrag nicht beschafft worden; SIA-Normen sind kostenpflichtig, und wiedergegeben ist allein, dass das Merkblatt darauf verweist. Was dasselbe Blatt über die Arbeit auf einem solchen Boden sagt, also über Systeme, Vorbereitung und Beurteilung, steht unter Bodenbeschichtung; hier zählt allein seine Ziffer 3.1.1.

Diese Redaktion hat den ganzen frei verfügbaren Merkblattbestand des Verbands danach durchsucht: 31 PDF aus der Fachplanungsübersicht, davon 27 mit maschinenlesbarer Textebene. In diesen 27 kommt das Wort Estrich sieben Mal vor, und zwar ausnahmslos in der Bodenbedeutung, etwa als Anhydritestrich, Zementestrich oder Trockenestrichplatte. Die Dachbedeutung fällt kein einziges Mal. Die vier restlichen Dateien sind reine Scans ohne Textebene und wurden nicht im Bild durchgesehen; für sie ist damit nichts belegt. Wie die Wörterbücher denselben Fall beschreiben, steht unter Schweizer Baubegriffe; was am Unterlagsboden vor einer Beschichtung gemessen wird, unter Anhydritboden.

Auf der Herstellerseite sieht es gleich aus. Die Produktübersicht der Bosshard-Farben AG an der Ifangstrasse 97 in 8153 Rümlang, einer Schweizer Herstellerin von Farben und Lacken, führt das Wort sechsmal, und jedes Mal ist der Boden gemeint. Der ReboProtect 40, Art. Nr. 31100, ist nach der Beschreibung des Herstellers geeignet «für Wohnräume, Restaurants, Lagerräume, Garagen oder Werkstätten mit mineralischen Untergründen wie Beton, Zement, Estrich oder Natursteine», und der ReboClear wird nach derselben Übersicht «für die Behandlung, Schutz und Verfestigung von horizontalen zementären Bodenflächen, Estrichen, Zement-Kalk-Putz oder weiteren mineralischen Untergründen eingesetzt» [4]. Kein einziger Eintrag der Übersicht meint den Raum unter dem Dach. Zwei Verbandsmerkblätter, ein Herstellerkatalog, dieselbe Lesart.

In der Suchmaske meint Estrich den Dachraum, im Merkblatt des Malerverbands den Bodenaufbau. [1][3]

Die Fläche unter dem Dach wird in zwei Einheiten gemessen

Bleiben wir beim Raum unter dem Dach. Ist dort die Dachkonstruktion sichtbar, zerfällt die Fläche im Ausmass in zwei Teile, und das steht im Merkblatt SMGV E Nr. 1, Art. 2498, Stand September 2024, das die Ausmassbestimmungen der Norm SIA 118/257 abbildet. Die Bildunterschrift zur Dachuntersicht sagt es in zwei Sätzen:

«Dachuntersicht als Fläche durchmessen. Die separat behandelten Sparren werden in Laufmeter gemessen.» [2]

Die Regel dahinter steht in Ziffer 5.2.3, die aufzählt, welche Bauteile «unter Angabe der Abwicklung in Laufmeter gemessen» werden. In dieser Liste stehen neben Leibungen, Stützen und Rohrleitungen auch «Sparren, Pfetten, Fachwerke, Deckenbalken» [2]. Im Anhang desselben Merkblatts führt die Ausschreibungsgruppe A. 3.9 die Dachuntersichten mit der Einheit Quadratmeter [2]. Zwei Einheiten für eine einzige Sichtfläche also, und sie hängen nicht am Material, sondern daran, ob die Sparren separat behandelt werden.

Für die Offerte heisst das: Eine Zeile «Estrich streichen, 60 m2» beschreibt eine Dachuntersicht vollständig und die Sparren gar nicht. Die vier Strukturklassen, nach denen die Untersicht selbst eingeteilt wird, stehen unter Strukturklassen; die allgemeinen Messregeln unter Ausmassregeln für Malerarbeiten, und wie aus dem geschätzten Vorausmass eine Schlussrechnung wird, unter Vorausmass und Ausmass.

Welche Untergründe in einem Schweizer Estrich tatsächlich anstehen, also ob Holz, roher Beton oder Verputz, ist für diesen Eintrag nicht recherchiert worden. Die zwei Merkblätter regeln Messung und Begriff, nicht die Beschaffenheit von Dachräumen.

Offengelegte Grenzen dieser Quellenlage

Was in der Zeile stehen muss, damit sie den Dachraum meint

Ohne drei Zusätze bleibt die Zeile mehrdeutig. Erstens das Geschoss, denn dieselbe Bezeichnung passt auf eine Fläche zuoberst im Haus und auf eine zuunterst. Zweitens die Einheit: Quadratmeter für die Untersicht, Laufmeter für die Sparren, und beides getrennt ausgewiesen [2]. Drittens der Untergrundbefund, denn ohne ihn steht in der Offerte eine Menge und keine Arbeit. Wie ein Betrieb den Untergrund prüft, steht unter Untergrundprüfung; ob dich die Endsumme eines solchen Papiers bindet, unter Offerte und Kostenvoranschlag.

Bezahlt wird die Arbeit von der Eigentümerschaft. Gehört der Estrich zu einer Mietwohnung, gelten dieselben Regeln wie für jeden anderen mitvermieteten Raum, siehe Wann der Vermieter streichen muss.

Der Irrtum, der nicht an der Grenze halt macht

Der Duden führt Estrich mit zwei Bedeutungen. Bedeutung 1 lautet «fugenloser Fussboden, Unterboden aus einer erhärteten Masse (insbesondere Zement)» und trägt keine Regionalmarkierung. Bedeutung 2 lautet «Dachboden, Dachraum» und trägt den Vermerk «Gebrauch: schweizerisch» [3]. Eine deutsche Anleitung zum Estrich streichen beschreibt deshalb eine Bodenbeschichtung, und wer sie für den Dachraum liest, liest über ein anderes Bauteil.

Der übliche Rat lautet an dieser Stelle, man müsse eben auf die Herkunft des Textes achten. Er greift zu kurz. Das Merkblatt Nr. 95 stammt vom Schweizer Fachverband und benutzt trotzdem Bedeutung 1 [1]. Die Grenze verläuft also nicht zwischen zwei Ländern, sondern zwischen der Sprache, in der jemand seine Wohnung beschreibt, und der Sprache, in der ein Merkblatt einen Untergrund benennt. Das ist die Lesart dieser Redaktion aus zwei Fundstellen und steht so in keiner der beiden Quellen.

Verwandte Begriffe

Quellen

  1. SMGV Schweizerischer Maler- und Gipserunternehmer-Verband: (Oberwiesenstrasse 2, 8304 Wallisellen), Merkblatt SMGV Nr. 95 «Bodenbeschichtungen auf mineralische Untergründe», Art.-Nr. 2458, Stand Januar 2024, Ziffer 3.1.1. Verbandsquelle, Primärquelle für die Begriffsdefinition. Die Definition verweist ihrerseits auf die Norm SIA 251, die kostenpflichtig und für diesen Eintrag nicht beschafft worden ist; zitiert ist ausschliesslich die Wiedergabe im Merkblatt.
  2. SMGV: Merkblatt SMGV E Nr. 1 «Erläuterungen und Darstellungen zu den SIA-Ausmassbestimmungen für Malerarbeiten, inkl. Entscheidungsschemas NPK 675 und NPK 676», Art. 2498, Stand September 2024, 28 Seiten, Ziffer 5.2.3, Bildunterschrift auf Seite 11 und Ausschreibungsgruppe A. 3.9. Verbandsquelle. Kapitel 5 gibt nach Angabe des Herausgebers den Originaltext der Norm SIA 118/257 wieder, Anhang A ist tabellarisch und visuell modifizierte Verbandsdarstellung. Die Norm selbst ist für diesen Eintrag nicht beschafft worden.
  3. Duden online: Stichwort «Estrich», Bibliographisches Institut, Dudenredaktion. Abgerufen am 13. August 2026, ein Publikations- oder Aktualisierungsdatum war auf der Seite nicht ersichtlich. Wörterbuch. Bedeutung 1 ohne Regionalmarkierung, Bedeutung 2 mit dem Vermerk «Gebrauch: schweizerisch».
  4. Bosshard-Farben AG: (Ifangstrasse 97, 8153 Rümlang), Produktkategorien-Übersicht mit den Beschreibungen zu ReboProtect 40 (Art. Nr. 31100), ReboClear, PolySealer farblos und Tosacryl Aqua-1K-Emaille. Kein Publikationsdatum ersichtlich, abgerufen am 13. August 2026, Volltext der HTML-Seite lokal entmarkupt gelesen. Herstellerwebseite eines Schweizer Herstellers. Verwendet ausschliesslich als Beleg für den Wortgebrauch, nicht für eine technische Eigenschaft. Was ein Haus über seine eigenen Erzeugnisse sagt, ist keine unabhängige Prüfung.

Stand und Verantwortung

Inhaltlich geprüft am 14. August 2026. Verantwortlich: Redaktion malerofferte.ch.

In eigener Sache

Unser Geld kommt aus vermittelten Anfragen an Malerbetriebe. Der Rat, in der Anfrage das Bauteil statt des Raums zu nennen, führt zu genaueren und damit oft höheren Offerten. Er steht hier trotzdem, weil zwei Zeilen mit zwei Einheiten das ist, was die Ausmassbestimmungen verlangen, und eine Rückfrage nichts kostet.

Schreib in die Anfrage, welches Geschoss du meinst und ob die Sparren sichtbar sind. Über malerofferte.ch landet dieselbe Beschreibung bei Betrieben aus deiner Umgebung, und du siehst an den Einheiten in der Antwort, ob alle vom selben Bauteil sprechen.

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