Was eine NCS-Nummer über den Farbton verrät
Die NCS-Notation beschreibt den Farbton selbst. Nach Angabe des Herausgebers NCS Colour AB in Stockholm steht in NCS S 1040-R20B die 1040 für 10 Prozent Schwarzanteil und 40 Prozent Buntanteil, R20B für ein Rot mit 20 Prozent Blau. [1] In der Schweiz ist das keine Norm, aber ein zulässiger Bezug: Das Merkblatt SMGV/BFS Nr. 25 nennt die NCS-Farbmusterkarte ausdrücklich. [4]
Redaktionell geprüft: 14. August 2026
Was auf dieser Seite belegt ist
- Die Notation ist lesbar: Schwarzanteil, Buntanteil und Farbwinkel stecken in der Zeichenfolge selbst. [1]
- Der Herausgeber ist ein privates Unternehmen in Stockholm, die NCS Colour AB. [2]
- Als Standard übernommen ist das System nach seiner eigenen Liste in fünf Fällen, darunter Schweden und Spanien. Die Schweiz gehört nicht dazu. [2][3]
- Als geprüfte Musterfarben gibt es heute 2050 Stück, beschreiben lassen sich nach demselben Herausgeber 10 Millionen. [1][3]
In fünf Fällen eine Norm, in der Schweiz keine
NCS ist schwedisch. Im Fussbereich der Herausgeberseite steht die NCS Colour AB, Org.nr 5560455288, Igeldammsgatan 30, 112 49 Stockholm. [2] Gegründet wurde das Unternehmen 1945 als T. Palmer AB, den Namen NCS Colour trägt es seit 2010; das System selbst kam 1979 auf den Markt und geht auf drei schwedische Forscher zurück. [3]
Wo es Normstatus hat, sagt der Herausgeber selbst. Er führt eine Liste unter dem Satz «The NCS System has been adopted as a standard in» und nennt darin fünf Fälle: ASTM International in den USA mit ASTM E2970, Schweden mit den Normen SS 19100, SS 19102 und SS 19104, Norwegen mit NS-SS 19102, Spanien mit UNE 48103 und Südafrika mit SANS 1091. [2][3]
Die Schweiz steht nicht auf dieser Liste. Das ist keine Auslassung dieser Redaktion, sondern eine Aufzählung des Herausgebers, und sie ist damit der belastbarste Beleg dafür, dass NCS hier kein Normenwerk ist. Was hier gilt, gilt auf einem anderen Weg: Das Merkblatt SMGV/BFS Nr. 25, Artikelnummer 2380, ist die vom Verband an Schweizer Normen angepasste Fassung eines deutschen Regelwerks und nennt in Anhang A.2 die NCS-Farbmusterkarte mit Zertifikat als zulässiges Bezugsmuster für besondere Anforderungen. [4] Gelesen ist dafür die Fassung vom Mai 2017; unter derselben Artikelnummer verkauft der Verband seit 2026 eine neuere, die wir nicht kennen. [4] Und in der Verbandszeitschrift applica schreiben drei Technikleiter Schweizer Farbenhersteller über dasselbe Merkblatt durchgehend von einer Farbkarte «wie beispielsweise RAL oder NCS». [5]
Eine Schweizer Norm, die NCS vorschreibt, haben wir nicht gefunden. Die drei Normen, die dafür in Frage kämen, SIA 257, SIA 242 und SIA 243, sind kostenpflichtig und wurden nicht im Volltext geprüft. [7] Die belastbare Formulierung lautet deshalb: branchenüblich und vom Fachverband als Bezug genannt, nicht in der Schweiz genormt. Wer das Merkblatt herausgibt, steht unter SMGV.
Die Zeichenfolge auseinandernehmen
Sechs Farben sind der Ausgangspunkt. Der Herausgeber nennt sie die Elementarfarben: «white, black, yellow, red, blue and green», wahrgenommen als rein, und aus ihnen heraus lasse sich jede Farbe beschreiben. [1] Ein reines Gelb wirkt weder rötlich noch grünlich, ein reines Rot weder gelblich noch bläulich. Genau darauf setzt die Notation auf.
Sie hat zwei Teile. Die Nuance steht vorn und besteht aus zwei Zahlenpaaren, dem Schwarzanteil und dem Buntanteil. Der Farbton steht hinten und gibt an, wo zwischen zwei Elementarfarben der Ton liegt. Das Beispiel des Herausgebers zerlegt sich so: In NCS S 1040-R20B bedeutet 1040 eine Schwärze von 10 Prozent und eine Buntheit von 40 Prozent, R20B ein Rot mit 20 Prozent Blau. [1] Unbunte Töne haben keinen Farbwinkel und tragen stattdessen ein N: «white, black and all grey colours have no hue and are notated with -N for neutral». [1]
Die Notation sagt dir, wie eine Farbe aussieht, und nicht, woraus sie gemischt wird. [1]
Warum sich eine RAL-Nummer nicht so lesen lässt
Das Merkblatt Nr. 25, das der Schweizerische Maler- und Gipserunternehmer-Verband in einer an Schweizer Normen angepassten Fassung abgibt, trennt die Farbsammlungen in seinem Anhang A.1.1 genau an dieser Eigenschaft: Fertige Farbmustersammlungen seien darin, wie systematisch ihre Farbtöne geordnet sind, verschieden, «mehr (z. B. NCS, RAL-Design) oder weniger (z. B. RAL-Basisregister 840 HR)». [4] NCS steht dort also auf der systematischen Seite.
Der praktische Unterschied ist gross. Aus NCS S 2005-Y20R liest jemand mit etwas Übung heraus, dass der Ton hell, sehr wenig bunt und leicht ins Rötliche gezogen ist. Aus einer vierstelligen RAL-Nummer liest niemand etwas heraus, sie ist eine Registriernummer. Was sie stattdessen festlegt, steht unter RAL-Farbsystem.
Ein zweiter Unterschied betrifft die Menge. Der Herausgeber schreibt, mit den sechs Elementarfarben liessen sich die 10 Millionen Farben beschreiben, die wir sehen. [1] Als körperliche Muster existieren sie nicht: Zum Start 1979 umfasste der NCS-Atlas 1450 Standardfarben, heute sind es 2050. [3] Beschreibbar und bemusterbar sind also zwei verschiedene Mengen, und der Vertrag hängt am Muster. Wie ein solches Muster an der Wand entsteht, steht unter Musterfläche.
Wo die Genauigkeit der Notation endet
Drei Grenzen sind belegt, und alle drei treffen den Fall, in dem jemand eine Notation für eine Zusage hält.
Die erste betrifft das Produkt. Die drei Technikleiter halten in derselben Zeitschrift fest: «Lasuren oder Effektprodukte wie beispielsweise Stucco Veniziano können nur annähernd an RAL oder NCS angepasst werden.» [5] Wer eine Lasur oder eine Spachteltechnik nach einer NCS-Notation bestellt, hat also keinen Massstab, sondern eine Richtung.
Die zweite betrifft das Rezept. Im Farbtonverzeichnis der Bosshard-Farben AG in Rümlang steht NCS zweimal, als NCS Index auf 94 und als NCS S auf 95 gedruckten Seiten, beide Male mit Farbtongruppe und Hellbezugswert. [6] Worin sich diese zwei Kollektionen unterscheiden, sagt das Verzeichnis nicht. Es zeigt aber, dass eine NCS-Notation bei einem Schweizer Hersteller in ein eigenes Rezept mit einer eigenen Preisklasse übersetzt wird. Was diese Klasse kostet, steht unter Sonderfarbton und Mehrpreis.
Die dritte betrifft die zwei Zahlen, die ein Farbton sonst noch mitbringt. Aus der Notation folgt weder ein Hellbezugswert, an dem an der gedämmten Fassade eine Regel hängt, noch ein Glanzgrad, der den Farbeindruck kippen kann. Ob eine Abweichung vom bestellten Ton ein Mangel ist, entscheidet sich nach anderen Regeln, siehe Farbabweichung.
Offengelegte Schwächen
- Drei der sieben Quellen sind Selbstauskünfte des Systemherausgebers über sein eigenes System, darunter die Liste der Normübernahmen.
- Ob eine Schweizer Norm NCS vorschreibt, ist nicht abschliessend geklärt, weil drei SIA-Normen nicht beschafft wurden.
- Das Verzeichnis der Bosshard-Farben AG ist nicht sicher datierbar.
- Gelesen ist die Ausgabe Mai 2017 des Merkblatts Nr. 25. Der Verbandsshop führt unter derselben Artikelnummer seit 2026 eine neuere Ausgabe, deren Inhalt ungeprüft ist.
Was davon in deine Offerte gehört
Schreib die Notation vollständig hin, mit dem S und mit dem Bindestrich, also NCS S 1040-R20B und nicht 1040 R20B. Dazu gehört die Kollektion, weil derselbe Hersteller mehrere NCS-Kollektionen führt. [6] Und dazu gehört das Erzeugnis, weil die Notation eine Farbempfindung beschreibt und kein Produkt.
Fehlt eine dieser drei Angaben, vergleichst du zwei Angebote, die verschiedene Dinge meinen können. Wie eine Offerte im Übrigen gelesen wird, steht unter Offerte und Kostenvoranschlag; was passiert, wenn du dich nach der Unterschrift für einen anderen Ton entscheidest, unter Farbtonwechsel als Nachtrag.
Verwandte Begriffe
- Farbberatung: Kostet die Farbberatung extra?
- Wände streichen: Was Wände streichen in der Schweiz kostet
- Anzahl Anstriche: Wie viele Anstriche braucht eine Wand?
Quellen
- NCS Colour AB: Stockholm, Schweden, Seite «The System». Schwedische Quelle, ausdrücklich als solche gekennzeichnet, Selbstauskunft des Herausgebers. Wörtlich: «The six elementary colours: white, black, yellow, red, blue and green are perceived as ‹pure› [...] making it possible to describe all of the 10 million colours that form our world.» und «The NCS notation NCS S 1040-R20B has the nuance 1040, i.e. 10% blackness and 40% chromaticness. The hue R20B denotes a red (R) with 20% blue (B).»
- NCS Colour AB: Stockholm, Seite «About us». Schwedische Quelle. Verwendet für Firmensitz und Handelsregisternummer aus dem Fussbereich sowie für die Liste unter «The NCS System has been adopted as a standard in». Die Liste ist eine Selbstauskunft und wurde nicht gegen die genannten Normenwerke geprüft.
- NCS Colour AB: Stockholm, Seite «The history of NCS Colour». Schwedische Quelle. Wörtlich: «Founding year: 1945 as T. Palmer AB», «2010: Became NCS Colour», «NCS System Launch: 1979 with the original NCS Atlas including 1,450 NCS Standard colours» und «NCS Standard Colours today: 2,050». Nennt als Urheber die Forscher Anders Hård, Lars Sivik und Gunnar Tonnquist. Führt dieselbe Liste der Normübernahmen wie Quelle 2.
- SMGV Schweizerischer Maler- und Gipserunternehmer-Verband: Merkblatt SMGV/BFS Nr. 25 «Richtlinien zur Beurteilung von Farbübereinstimmungen und Farbabweichungen», Artikelnummer 2380, Ausgabe Mai 2017, 15 Seiten. Volltext abgerufen als Spiegelung: Schweizer Primärquelle, für diesen Eintrag selbst geladen und lokal aus dem Textlayer extrahiert. Die Schweizer Fassung ist die von der GTK/M an Schweizer Normen angepasste Ausgabe des Merkblatts des deutschen Bundesausschusses Farbe und Sachwertschutz. Verwendet sind hier Anhang A.1.1 und ein Verweis auf Anhang A.2. Die kanonische Bezugsquelle ist der Verbandsshop, der das Dokument kostenpflichtig abgibt und Mitgliedern gratis. Zur Ausgabe: Gelesen und ausgewertet ist die Fassung vom Mai 2017, deren Titelblatt dieses Datum trägt. Derselbe Verbandsshop führt unter der Artikelnummer 2380 am 14.08.2026 eine neuere Ausgabe 05.2026. Sie ist kostenpflichtig und liegt dieser Redaktion nicht vor; ob Anhang A.1.1 und Anhang A.2 darin gleich lauten, ist offen. Die Übersichtsseite des Verbands nennt für Nr. 25 am selben Tag weiterhin das Jahr 2017.
- applica: Fachzeitschrift des SMGV, Ausgabe 2/2017, Seiten 15 bis 18, «Wann ein Farbton akzeptierbar ist», von Wolfram Selter, Jürgen Dombrowski und Roger von Niederhäusern. Sekundärquelle mit benannter Autorschaft, Verbandsorgan Schweiz. Hier verwendet für die Sprachverwendung «RAL oder NCS» und für den Satz zu Lasuren und Effektprodukten.
- Bosshard-Farben AG: Ifangstrasse 97, 8153 Rümlang, «Farbtongruppenzuteilung / Attribution au groupe de teintes», Dokumentkennung B122, 169 PDF-Seiten. Herstellerangabe eines Schweizer Herstellers, für diesen Eintrag geladen und lokal extrahiert. Die Seitenzahlen 94 und 95 stehen im Inhaltsverzeichnis unter «NCS Index» und «NCS S». Datumsvorbehalt: Das Dokument nennt in seinem Text kein Ausgabedatum; die Metadaten weisen eine Vorlage vom 26.07.2012 und eine PDF-Erstellung vom 14.07.2022 aus. Es ist damit nicht sicher datierbar.
- Eigene Recherche der Redaktion: 13. August 2026. Gesucht wurde eine Schweizer Norm, die NCS verbindlich vorschreibt. Geprüft wurden die drei Seiten des Herausgebers, der Volltext des Merkblatts Nr. 25 und der applica-Artikel 2/2017. Eine solche Vorschrift wurde nicht gefunden. Grenze dieser Suche: Die Normen SIA 257, SIA 242 und SIA 243 sind kostenpflichtig und wurden nicht im Volltext geprüft. Das Fehlen einer Fundstelle ist deshalb kein Beweis für ihr Nichtbestehen. Dokumentierter Nulltreffer.
Stand und Verantwortung
Inhaltlich geprüft am 14. August 2026. Verantwortlich: Redaktion malerofferte.ch.
In eigener Sache
Wir messen keine Farben und verkaufen keine Farbfächer. malerofferte.ch leitet Anfragen an Malerbetriebe weiter und wird dafür bezahlt. Beitragen können wir hier eine Fundstelle, die sonst niemand nennt: die Liste des Herausgebers, auf der die Schweiz fehlt.
Hast du dich für eine NCS-Notation entschieden, schreib sie vollständig in die Anfrage, samt Kollektion. Über malerofferte.ch geht sie an Betriebe in deiner Region, und am Rücklauf siehst du, wer den Ton ohne Rückfrage einpreist und wer zuerst ein Muster anlegen will.
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