Untergründe & Techniken

Was Putzgrund und Armierung im Putz leisten

Der Putzgrund ist die Fläche, auf der der Putz hält; trägt der Rohbau nicht, kommt ein Putzträger davor. Die Armierung ist etwas anderes: eine Einlage **im** Putz, die Risse vermindert. Das Merkblatt «Putzträger, Putzbewehrungen und Putzbrücken» des SMGV von Januar 2000 trennt dabei Zugbewehrung und Schwindbewehrung nach der Bewegung, die sie aufnehmen. [1]

Redaktionell geprüft: 14. August 2026

Was über die zwei Begriffe feststeht

wandaufbau, hervorgehoben: gittergewebeUntergrundRohbau oder Putzträger davorErste Putzlagerund zwei Drittel der DickeGittergewebeim oberen Drittel eingebettetZweite Putzlagenass in nass aufgetragenDeckputzeigene Lage, eigene PositionUntergrundOberfläche
Gezeichnet ist die Regel, die das Merkblatt «1/3 zu 2/3» nennt: Zuerst kommen rund zwei Drittel der Putzdicke, dann wird das Gewebe eingedrückt, dann folgt die zweite Lage nass in nass. Massstäblich ist das Bild nicht, und es gilt für die Schwindbewehrung im Grundputz, nicht für eine Bewehrung auf bestehendem Putz: Dort wird sie aufgespachtelt und liegt in der Mitte der Spachtelschicht.Lage und Reihenfolge nach dem SMGV-Merkblatt «Putzträger, Putzbewehrungen und Putzbrücken», GTK/G, Januar 2000, Kapitel 4.2 und 5.4.

Wenn der Rohbau selbst kein Putzgrund ist

Das Merkblatt definiert den Putzträger über eine Verbindung, die es gerade nicht gibt:

«Putzträger sind konstruktive Hilfsmittel, die das Aufbringen einer nicht kraftschlüssig mit einem Untergrund verbundenen Putzschicht ermöglichen (SIA Empf. V 242/1, Verputz- und Gipserarbeiten, Art. 1 3).» [1]

Nicht kraftschlüssig heisst: Der Putz haftet nicht am Untergrund, er hängt an etwas, das davor montiert wurde. In einem Hinweiskasten hält das Merkblatt fest, ein Putzträger sei ein selbständiger Putzgrund, der eine Beschichtung oder einen Belag dauerhaft tragen könne. [1] Dazu zählen Rippenstreckmetall, flaches oder gewelltes Streckmetall, punktgeschweisste Drahtgittergewebe, Ziegeldrahtgewebe, Holzwolle-Leichtbauplatten und Gipskartonplatten, die das Merkblatt noch unter diesem Namen führt; der Verband nennt sie in seinen jüngeren Merkblättern Gipsplatten. [1][3]

Eingesetzt werden Putzträger bei Deckenbekleidungen und abgehängten Decken, bei Trennwänden und Vorsatzschalen, bei vorgehängten Fassaden, als Brandschutzbekleidung und bei der Überbrückung von Holzbalken und Eisenträgern. [1] Für den letzten Fall gilt eine Regel, die zeigt, worum es geht: Metallische Putzträger dürfen nie auf dem zu überbrückenden Teil befestigt werden, sondern nur auf dem angrenzenden massiven Untergrund, sie müssen eine Mindestmaschenweite von 12 mal 12 Millimetern haben, und der überbrückte Teil bekommt zusätzlich eine Trennlage. [1] Der Balken soll sich bewegen dürfen, ohne den Putz mitzunehmen.

Ein Putzträger ist kein leichtes Bauteil. Das Merkblatt rechnet vor, dass ein Putzträger mit einer rund 2 Zentimeter dicken Putzschicht im frisch aufgebrachten Zustand bis zu 80 Kilogramm pro Quadratmeter wiegen kann. [1] Entsprechend knapp fällt der Hinweiskasten aus: Putzträger seien niemals nur lose übereinander anzubringen. [1] Welches Gewerk das ausführt, steht unter Gipser; was danach als Putzlage darauf kommt, unter Innenputz.

Zwei Bewegungen, zwei Bewehrungen

Die Unterscheidung, an der alles hängt, ist keine Materialfrage, sondern eine Frage der Bewegung. Wörtlich:

«Zugbewehrungen, welche zur Aufnahme beschränkter Zugkräfte innerhalb der Putzschicht und Verminderung der Gefahr von Rissbildungen dienen und Schwindbewehrungen, welche nur zur Verteilung der Spannungen beim Abbinden des Mörtels eingesetzt werden.» [1]

Die Schwindbewehrung arbeitet gegen das, was der Putz mit sich selbst macht, während er abbindet und trocknet. Geeignet sind laut Merkblatt alkaliresistente Gittergewebe, Rabitz- Drahtgeflechte und Naturfasergewebe wie Jute, eingesetzt zur Verhinderung von Rissen in Putzen, über zugemauerten Wandschlitzen, bei Wärmedämmputzen und verputzten Wärmedämmungen sowie bei Mischmauerwerk. [1]

Die Zugbewehrung arbeitet gegen das, was der Untergrund mit dem Putz macht, also gegen Schwinden, Quellen und Wärmeausdehnung dahinter. Geeignet sind punktgeschweisste Drahtgitter, flaches Streckmetall und abgestimmte Hochmodulfasern, eingesetzt über Ausfachungen, bei Riegelwänden und Riegelfassaden sowie bei tragfähigen, aber gerissenen Wand- oder Fassadenputzen. [1]

Wo Mischmauerwerk steht, also Backstein neben Beton, arbeiten die zwei Baustoffe verschieden. Genau dort steht die Bewehrung im Merkblatt als Anwendungsfall, und genau dort zeigen sich sonst später Fugenrisse.

Nicht zu verwechseln mit dem Stahl im Beton

Das Wort Armierung kennen die meisten aus dem Betonbau, und die Übertragung liegt nahe: eine Einlage, die Zugkräfte aufnimmt, weil das umgebende Material Druck gut und Zug schlecht verträgt. So weit stimmt das Bild, und das Merkblatt sagt es mit denselben Worten, wenn es festhält, eine Putzbewehrung solle die Zugfestigkeit des Putzes in der zugbelasteten Zone erhöhen. [1]

An zwei Stellen hört der Vergleich auf. Erstens trägt Betonstahl das Bauwerk, eine Putzbewehrung trägt gar nichts: Der Putz ist kein tragendes Bauteil, und das Merkblatt spricht durchgehend von Verminderung der Rissbildung und Verteilung von Spannungen, nie von Lastabtrag. Zweitens, und das ist die härtere Grenze, sagt das Merkblatt in seinen Anmerkungen ausdrücklich:

«Bewegungsfugen oder sich bewegende Bauteile können nicht mit Zugbewehrungsmaterialien überbrückt werden.» [1]

Ein Bewehrungsstahl im Beton läuft durch das ganze Bauteil, eine Putzbewehrung endet an jeder Fuge. Was mit einem Riss geschieht, der schon da ist, steht unter Rissüberbrückung; wie ein Malerbetrieb einen Riss beurteilt, unter Risse in der Wand.

Wo das Gewebe liegt, entscheidet über seine Wirkung

Das Merkblatt hat für die Einbaulage einen eigenen Namen, und der klingt wie eine Faustregel aus der Werkstatt:

«Schwindbewehrungen, insbesondere Gittergewebe sind immer im oberen Drittel einer (Grund)putzschicht einzubetten, da die Schwindspannungen hier am grössten sind, daher auch der Ausdruck 1/3 zu 2/3.» [1]

Praktisch heisst das: zuerst rund zwei Drittel der Putzdicke auftragen, dann das Gewebe eindrücken, dann die zweite Lage nass in nass darüber. [1] Auf einem bestehenden Putz gilt eine andere Regel; dort wird die Bewehrung aufgespachtelt, und sie soll in der Mitte der Spachtelschicht liegen. [1] Eine Unstimmigkeit trägt die Quelle selbst: An der einen Stelle heisst es «in der Mitte bzw. im oberen Drittel», an der anderen «immer im oberen Drittel». Wir geben beide Formulierungen wieder und entscheiden nicht zwischen ihnen.

Liegt das Gewebe zuunterst im Putz, sitzt es dort, wo die Schwindspannungen am kleinsten sind, und die Bewehrung wirkt nicht wie vorgesehen. [1]

Auch die Maschenweite ist an die Lage gekoppelt. Ein Gewebe zum Einlegen in eine Putzschicht soll eine Maschenweite von etwa der dreifachen Korngrösse des Putzmörtels haben, und Gittergewebe unter 8 Millimetern Maschenweite sind bei Grundputzen nicht zu verwenden, weil sonst die Wirkung stark nachlässt, Spannungen nicht ausreichend verteilt werden und Schichtentrennungen eintreten können. [1] Zu fein ist hier also schlechter als grob. Metallische Bewehrungen brauchen dazu einen Zementmörtelanwurf gegen Korrosion; was ein solcher Anwurf sonst leistet, steht unter Haftschichten.

Offengelegte Grenzen dieser Quellenlage

Warum das Wort Armierung allein nichts aussagt

Nach diesem Merkblatt kann dasselbe Wort zwei ganz verschiedene Arbeiten meinen, und welche der beiden im Angebot steckt, entscheidet über Aufwand und Ergebnis. Welches Gewebe wann überhaupt verlangt wird und ab welcher Rissbreite, steht unter Armierungsgewebe. Frag deshalb nach, welche der beiden Bewehrungen gemeint ist, an welchen Flächen oder Bauteilen sie eingebaut wird und ob sie in eine neue Putzschicht kommt oder auf einen bestehenden Putz gespachtelt wird. Eine Fläche in Quadratmetern gehört dazu, sonst lässt sich die Position mit keiner zweiten vergleichen; wie eine Fläche überhaupt ermittelt wird, steht unter Ausmassregeln für Malerarbeiten.

Steht auf dem Blatt ein Putzträger, gehört dazu die Angabe, worauf er montiert wird. Der Unterschied zwischen einer Bewehrung im Putz und einem Putzträger vor dem Untergrund ist auch ein Preisunterschied, weil der Putzträger eine eigene Konstruktion mit Befestigung ist. Ob dafür ein eigenes Heft des Normpositionen-Katalogs gilt, sagt das Merkblatt nicht, und wir haben keines beschafft. Wer das Merkblatt herausgibt, steht unter SMGV.

Verwandte Begriffe

Quellen

  1. SMGV Schweizerischer Maler- und Gipserunternehmer-Verband: Erarbeitet von der GTK/G Gemeinsame Technische Kommission für das Gipsergewerbe: Merkblatt «Putzträger, Putzbewehrungen und Putzbrücken», Januar 2000, 6 Seiten. Fachverband, Schweiz, Primärquelle, vollständig gelesen. Das PDF ist ein Scan ohne Textlayer; die sechs Seiten sind als Bilder gerendert und einzeln abgeschrieben worden. Das Dokument selbst trägt weder eine Artikelnummer noch eine Merkblattnummer; die Übersichtsseite des Verbands führt es als Nr. 51 mit der Artikelnummer 2967 und belegt damit die Bezeichnung, wenn auch nicht am Original [4]. Die Fusszeile der letzten Seite lautet «WE / 3000 / 1.2000». Die darin wiedergegebenen Passagen der Empfehlung SIA V 242/1 sind Zitate zweiter Hand; der Text der Empfehlung wurde nicht beschafft. Zwei Stellen des Dokuments widersprechen einander in der Einbaulage der Schwindbewehrung, siehe den Abschnitt über die Lage. Abgerufen am 13.08.2026.
  2. SMGV: Erarbeitet von der GTK/G: Merkblatt Nr. 50 «Haftschichten», Artikelnummer 2954, Stand Oktober 2003, 7 Seiten. Fachverband, Schweiz, Primärquelle. Für diesen Eintrag ausschliesslich als Beleg dafür geführt, dass der Zementmörtelanwurf eine eigene Gattung mit eigener Definition ist. Seine Zahlenwerte sind hier nicht übernommen. Abgerufen am 13.08.2026.
  3. SMGV: Zusammen mit dem Schweizerischen Plattenverband SPV, dem Verband Schweizerischer Hafner- und Plattengeschäfte VHP, der Schweizerischen Vereinigung der Trockenmörtelhersteller VTH und dem SVGG: Merkblatt Nr. 57 «Untergründe für Wandbeläge aus Keramik, Natur- und Kunststein (Fliesen und Platten) im Innenbereich», Artikelnummer 2960, Stand Oktober 2009, 15 Seiten. Fachverband, Schweiz, Mehrverbandsdokument. Für diesen Eintrag ausschliesslich als Beleg für die Umbenennung von Gipskartonplatten zu Gipsplatten geführt. Aktualitätsvorbehalt: Die Übersichtsseite des Verbands kennzeichnet diesen Titel als beschränkt anwendbar und in Überarbeitung [4]. Abgerufen am 13.08.2026.
  4. SMGV: Übersichtsseite «Merkblätter und Fachinformationen». Fachverband, Schweiz. Ein Publikations- oder Aktualisierungsdatum weist die Seite nicht aus, angegeben ist deshalb nur das Abrufdatum. Belegt die Zuordnung der Nummer 51 und der Artikelnummer 2967 zu diesem Titel sowie den Aktualitätsvermerk zu Merkblatt Nr. 57. Die Merkblatttabelle lautet an der betreffenden Stelle wörtlich «Nr. 51 Putzträger, Putzbewehrungen und Putzbrücken 2000 2967»; am 13.08.2026 nachgeprüft. Abgerufen am 13.08.2026.

Stand und Verantwortung

Inhaltlich geprüft am 14. August 2026. Verantwortlich: Redaktion malerofferte.ch.

In eigener Sache

Als Vermittlungsportal leben wir davon, dass du mehrere Angebote einholst. Bewehrung und Putzträger getrennt ausgewiesen zu verlangen, treibt genau das an. Die Unterscheidung selbst stammt aus einem Merkblatt des Verbands von 2000, das jeder gratis beziehen kann, und nicht aus unserem Geschäft.

Steht in deinem Baubeschrieb ein Gewebe, ohne dass jemand sagt, wogegen es eingebaut wird, fehlt die halbe Angabe. Lass dir bei deiner Anfrage auf malerofferte.ch die Bewegung nennen, gegen die gearbeitet wird, und die Fläche, für die das gilt.

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