Düse und Druck stehen im Merkblatt der Farbe
Welche Düse und welcher Druck an ein Airless-Gerät gehören, sagt das technische Merkblatt des Produkts. Caparol Schweiz nennt für die Fassadenfarbe Amphibolin 150 bis 180 bar und Düsen von 0,017 bis 0,021 Zoll [1], Sika Schweiz für Sikagard-403 W dagegen 0,38 bis 0,53 Millimeter [5]. Ein Schweizer Verbandsblatt, das ein solches Gerät beschreibt, gibt es nicht.
Redaktionell geprüft: 14. August 2026
Vier Einstellwerte aus drei Häusern
- 150 bis 180 bar | Spritzdruck in drei technischen Informationen von Caparol Schweiz, für Amphibolin, Capatop-plus und CapaGrund Universal [1][2][3]
- 0,013 bis 0,026 Zoll | kleinste und grösste Düsenangabe in vier Caparol-Informationen, hier aus vier Einzelangaben zusammengezogen [1][2][3][4]
- 0,38 bis 0,53 mm | Düsenangabe von Sika Schweiz für Sikagard-403 W, Ausgabe Mai 2023, Version 04.05 [5]
- 0,28 gegen 1,8 bis 2 mm | Airlessdüse gegen Druckluftdüse für den Arbosol UV-Täferlack der Bosshard-Farben AG, Ausgabe 20.4.26 [6]
Wo das Gerät im Schweizer Regelwerk fehlt
Für das Spritzen von Farben gilt in der Schweiz eine eigene Verordnung des Bundesrates, die Verordnung über die Verhütung von Unfällen und Berufskrankheiten beim Spritzen von Farben oder Lacken vom 5. April 1966, SR 832.314.12. Sie hat 46 Artikel, und das Wort Airless kommt in keinem davon vor, ebenso wenig Hochdruck oder Höchstdruck. [7] Als besonderes Spritzverfahren nennt sie ausdrücklich nur die elektrostatische Applikation: Art. 41 Abs. 1 lässt elektrostatische Spritzapparate mit einem Berührungsstrom von höchstens 0,5 Milliampere auch für Arbeiten auf dem Bau zu. [7] Für die übrigen nebelarmen Verfahren greift Art. 38 als Auffangnorm und erklärt die Artikel 8 bis 37 für anwendbar. [7] Ein Airless-Gerät ist damit nicht ungeregelt, aber es ist auch nicht als Gerät geregelt: Die Verordnung fasst das Spritzen verfahrensneutral. Ab wann sie überhaupt greift und was sie für den Ablauf auf der Baustelle bedeutet, steht unter Etappierung.
Die Verbandsseite ist genauso leer. Gesucht wurde im Volltext von vier SMGV-Merkblättern, dreizehn Merkblättern der Bosshard-Farben AG, vier technischen Informationen von Caparol Schweiz, vier Datenblättern von Sika Schweiz, der Spritzverordnung und drei Suva-Publikationen. Zur Bauart eines Airless-Geräts, zur Pumpe, zum Schlauch und zur Pistolenführung steht in keiner dieser Quellen etwas. Die einzige Schweizer Stelle, die überhaupt ein Auswahlkriterium für ein Spritzgerät nennt, ist die Suva, und sie nennt es in einem einzigen Halbsatz: «Wahl eines möglichst nebelarmen Spritzgeräts». [8] Der Satz steht in einer Broschüre über Polyurethanlacke mit Isocyanaten, Ausgabe März 2012, und richtet sich an Lackierereien und Schreinereien. Was daraus für die Gesundheit folgt, gehört auf die Seite Isocyanate in 2-Komponenten-Lacken und nicht hierher.
Jede Zahl auf dieser Seite gilt für ein Produkt in einer Ausgabe, nicht für ein Gerät. [1][5][6]
Was in der Zeile Airless eines Merkblatts steht
Caparol Schweiz, in der Fussleiste seiner Blätter als DAW Schweiz AG in Nänikon ausgewiesen, führt die Angaben am ausführlichsten. Für Amphibolin steht dort «Airless Membran, Kolben», dazu 150 bis 180 bar Spritzdruck, 0,017 bis 0,021 Zoll Düsengrösse, 50 Grad Spritzwinkel, ein Pistolensteckfilter mit 0,031 Millimeter Maschenweite und 5 Prozent Wasser als Verdünnung. [1] Die Innenfarbe Capatop-plus trägt dieselben 150 bis 180 bar und denselben Winkel, aber eine gröbere Düse von 0,021 bis 0,026 Zoll [2], die pigmentierte Grundierung CapaGrund Universal liegt mit 0,019 bis 0,021 Zoll dazwischen [3]. Drei Produkte desselben Hauses, drei verschiedene Düsen, ein gemeinsamer Druck. Bei welcher Art von Farbe du das nachschlägst, ist gleichgültig: Die Zeile steht bei der Dispersionsfarbe genauso wie bei der Fassadenfarbe.
Ein Blatt geht weiter und bindet das Produkt an ein bestimmtes Gerät. Nespri FiXX ist laut Caparol «nur mit dem speziellen Nespray-Airlessgerät» zu verarbeiten, mit 30 Grad Spritzwinkel und einer Doppeldüse von 0,016 bis 0,019 Zoll für die Fläche, mit 20 Grad und 0,013 Zoll zum Beschneiden. [4] Dasselbe Blatt nennt den Arbeitsabstand: «Der Abstand zum Untergrund sollte max. 30 cm betragen», sonst brauche es eine Düsenverlängerung. [4] Und es verlangt, die Farbe vor dem Spritzauftrag gut aufzurühren und zu durchsieben. [4] Das ergibt zusammen mit dem Filtermass von Amphibolin ein zweites Bild vom Gerät: Was durch eine Maschenweite von 0,031 Millimeter muss, verträgt kein Korn und keine Haut aus dem Gebinde.
Sika Schweiz beschreibt für Sikagard-403 W kein Gerät, sondern nur die zwei Werte, auf die es ankommt. Das Blatt verlangt ein konventionelles Airlessgerät mit einer Düsengrösse von 0,38 bis 0,53 Millimeter und einem Winkel von 40 bis 60 Grad. [5] Aus dem Verfahren zieht es dann eine Regel, die den Betrieb bindet:
«Airless-Spray führt zu einer glatteren Oberfläche als die mit einer Rolle aufgetragen. Daher immer nur einen Applikationstyp pro Bereich anwenden.» [5]
Für das Gerät heisst das: Wer eine Fläche angefangen hat, wechselt darin nicht mehr das Werkzeug. Wie die Fläche danach aussieht und welche Farbe überhaupt gespritzt werden darf, steht unter Spritzen im Airless-Verfahren.
Zwei Einheiten für dieselbe Öffnung
Die Bosshard-Farben AG stellt im Merkblatt zum Arbosol UV-Täferlack beide Verfahren nebeneinander: für das Spritzen mit Druckluft eine Düse von 1,8 bis 2 Millimeter bei 2,5 bis 3,0 bar, daneben «Airless-Spritzen: z.B. Wagner-Düse 0,28 mm 5/11». [6] Zwischen den zwei Düsen liegt bei diesem Lack rund der Faktor sieben. Das ist die eine Stelle im ganzen geprüften Bestand, an der ein Schweizer Hersteller die zwei Spritzarten am selben Produkt gegenüberstellt.
Jetzt rechne einmal quer. Caparol gibt für Amphibolin bis 0,021 Zoll an, Sika für Sikagard-403 W bis 0,53 Millimeter. Ein Zoll sind 25,4 Millimeter, also ergeben 0,021 Zoll rund 0,53 Millimeter: Die zwei Spannen treffen sich am oberen Ende. Diese Zahl steht in keinem der beiden Merkblätter. Sie ist eine Rechnung dieser Redaktion und keine Angabe eines Herstellers, und sie taugt zur Orientierung, nicht als Beleg. Wer zwei Herstellerangaben nebeneinanderstellt, ohne die Einheit mitzuschreiben, erzeugt einen Vergleich, den keine Quelle deckt.
Ein Detail zeigt, wie wörtlich das gemeint ist: Bei Capatop-plus endet die Düsenangabe im Merkblatt mit einer schliessenden Klammer statt mit dem Zollzeichen. [2] Ein Satzfehler des Herstellers, aber auf dem Papier fehlt damit genau die Angabe, die den Wert lesbar macht.
Warum ein nebelfreies Gerät nicht nebelfrei arbeitet
Caparol bewirbt Nespri FiXX als «nebelfrei im speziellen Nespri-TEC-Spritzverfahren rationell zu verarbeiten». [4] Im selben Merkblatt steht der Satz, der die Werbung begrenzt: «Andere Beschichtungsmaterialien, speziell Grundierungen, können auch mit dem Nespray-Airlessgerät verarbeitet werden. Bei diesen Produkten ist jedoch eine nebelfreie Verarbeitung nicht gewährleistet.» [4] Noch deutlicher steht es als Fussnote im Amphibolin-Blatt: «Die Verwendung von Amphibolin in Nespri-Geräten ist möglich, aber nicht nebelfrei!» [1]
Nebelfrei ist damit keine Eigenschaft des Geräts, sondern eine Eigenschaft der Kombination aus Gerät und dafür eingestelltem Produkt. Ein Betrieb, der mit einem solchen Gerät wirbt, sagt damit noch nicht, dass auf deiner Baustelle nebelfrei gearbeitet wird. Das ist einer der seltenen Fälle, in denen ein Hersteller seine eigene Werbeaussage im selben Dokument einschränkt.
Offengelegte Grenzen dieser Quellenlage
Alle Angaben stammen aus der Faktengrundlage dieses Eintrags, Recherchestand 13.08.2026, die die Dateien selbst geladen und lokal aus dem Textlayer ausgelesen hat. Für diesen Eintrag wurde keine Datei neu beschafft; alle acht Quellen sind deshalb Zitate zweiter Hand und als solche gekennzeichnet. Scharfes S ist in Zitaten nach der Schreibregel dieses Projekts durch ss ersetzt, der Wortlaut sonst unverändert übernommen.
- Keine der acht Quellen beschreibt, wie ein Airless-Gerät aufgebaut ist oder arbeitet. Das Wort wird hier so verwendet, wie es die Merkblätter verwenden, und nicht definiert.
- Sechs der acht Fussnoten sind Herstellerangaben. Sie gelten für das genannte Produkt in der genannten Ausgabe und sind keine allgemeinen Werte.
- Die Zollspanne 0,013 bis 0,026 stammt aus vier Merkblättern eines einzigen Hauses. Ob andere Hersteller in derselben Spanne liegen, ist nicht geprüft.
Wonach du fragst, wenn ein Angebot Spritzen vorsieht
Frag nach dem Produktnamen, nicht nach dem Gerät. Mit dem Namen kommst du an das technische Merkblatt und liest die Zeile mit Druck, Düse und Winkel selbst nach. Umgekehrt geht es nicht: Ein Gerätename allein sagt nichts darüber, wie das Gerät eingestellt wird, und Nespri FiXX ist das einzige Produkt im geprüften Bestand, das ein bestimmtes Gerät verlangt. [4]
Drei Angaben aus denselben Blättern lohnen den Blick, und alle drei haben ihre eigene Seite. Der Verbrauch steht dort in Milliliter je Quadratmeter, gekoppelt an eine Deckvermögensklasse, siehe Deckkraft und Ergiebigkeit. Die Zahl der Arbeitsgänge hängt am Verfahren und am Produkt, siehe Anzahl der Anstriche. Und wo ein Hersteller unsicher ist, verlangt er eine Probe: Bosshard schreibt zum Arbosol UV-Täferlack «Immer eine Musterfläche anlegen, um Eignung und Verbrauch zu prüfen», weil der Verbrauch von der Applikationsart abhängt [6], siehe Musterfläche.
Verwandte Begriffe
- Abdecken: Abdecken oder abkleben
- Trocknungszeiten: Jede Trocknungszeit hat ein Produkt und eine Messbedingung
- Bodenbeschichtung: Was zu einer Bodenbeschichtung gehört
- SMGV: Was der SMGV herausgibt und was davon frei ist
Quellen
- Caparol / DAW Schweiz AG: Gewerbestrasse 6, 8606 Nänikon: Technische Information 100 «Amphibolin», Stand August 2024, 7 Seiten. Hersteller, Schweiz. Zitat zweiter Hand. Verwendet für Spritzdruck, Düsengrösse, Spritzwinkel, Filtermaschenweite, Verdünnung und die Fussnote zur Verwendung in Nespri-Geräten. Das Blatt trägt selbst den Vorbehalt, dass es mit einer Neuauflage seine Gültigkeit verliert.
- Caparol / DAW Schweiz AG: Technische Information 1217 «Capatop-plus», Stand März 2024, 3 Seiten. Hersteller, Schweiz. Zitat zweiter Hand. Die schliessende Klammer anstelle des Zollzeichens hinter der Düsenangabe steht so im PDF und ist im Dossier als Satzfehler des Herstellers festgehalten.
- Caparol / DAW Schweiz AG: Technische Information 657 «CapaGrund Universal», Stand November 2022, 3 Seiten. Hersteller, Schweiz. Zitat zweiter Hand. Das Datum im Dateinamen (15.08.2017) ist nicht der Stand des Dokuments; massgeblich ist die Zeile «Stand:» im PDF.
- Caparol / DAW Schweiz AG: Technische Information 147 «Nespri FiXX», Stand September 2025, 3 Seiten. Hersteller, Schweiz. Zitat zweiter Hand. Auch hier liegt das Datum im Dateinamen acht Jahre vor dem Stand des Dokuments.
- Sika Schweiz AG: Tüffenwies 16, 8048 Zürich: Produktdatenblatt «Sikagard-403 W», Mai 2023, Version 04.05, 5 Seiten. Hersteller, Schweiz. Zitat zweiter Hand. Verwendet für Düsengrösse, Spritzwinkel und den Satz zur Oberfläche. Das Blatt gilt für eine wässrige Acrylharz-Wandbeschichtung, nicht allgemein.
- Bosshard-Farben AG: Ifangstrasse 97, 8153 Rümlang: Technisches Merkblatt «Arbosol UV-Täferlack», Artikel 05821, Ausgabe 20.4.26. Hersteller, Schweiz. Zitat zweiter Hand. Firmenname und Adresse nach dem im Dossier geprüften Impressum. Verwendet für die zwei Düsengrössen, den Luftdruck und die Musterfläche.
- Schweizerischer Bundesrat: Verordnung über die Verhütung von Unfällen und Berufskrankheiten beim Spritzen von Farben oder Lacken vom 5. April 1966, Stand am 1. Mai 1966, SR 832.314.12, ELI cc/1966/587_607_603, 14 Seiten. Primärquelle, amtlich, Bund. Zitat zweiter Hand. Der Rechtsstatus ist im Dossier über den amtlichen SPARQL-Endpunkt von Fedlex abgefragt worden und lautet «In Kraft»; ein Datum des Ausserkrafttretens ist nicht gesetzt. Verwendet für Art. 38 und Art. 41 Abs. 1 sowie für den dokumentierten Nulltreffer, dass das Wort Airless im ganzen Erlass nicht vorkommt.
- Suva: Schweizerische Unfallversicherungsanstalt: «Spritzlackieren mit Polyurethanlacken. So schützen Sie Ihre Mitarbeitenden», Bestellnummer 44054.d, Ausgabe März 2012, 12 Seiten. Fachbehörde, Schweiz. Zitat zweiter Hand. Verwendet für einen einzigen Halbsatz aus dem Kapitel über organisatorische Massnahmen. Die Broschüre behandelt Polyurethanlacke mit Isocyanaten in Lackierereien, Garagen und Schreinereien; auf wasserverdünnbare Wandfarben lässt sie sich nicht übertragen.
Stand und Verantwortung
Inhaltlich geprüft am 14. August 2026. Verantwortlich: Redaktion malerofferte.ch.
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