Farben & Materialien

Fassadenfarbe oder Innenfarbe

Fassadenfarben werden in der Schweiz nach der Normreihe SN EN 1062 eingeteilt, Wandfarben für den Innenbereich nach SN EN 13300. [1][2] Draussen zählen deshalb andere Werte: der sd-Wert für den Wasserdampf und der w-Wert für das Wasser, nicht die Nassabriebklasse. Und ob eine Farbe auf eine gedämmte Fassade darf, entscheidet das Datenblatt des Produkts.

Redaktionell geprüft: 14. August 2026

Die Werte, an denen eine Fassadenfarbe hängt

Draussen gilt eine andere Normfamilie

Wer eine Wandfarbe für innen kauft, findet auf dem Eimer eine Nassabriebklasse. Sie stammt aus der Norm SN EN 13300, und die heisst im Katalog der Schweizerischen Normen-Vereinigung wörtlich «Beschichtungsstoffe, Wasserhaltige Beschichtungsstoffe und Beschichtungssysteme für Wände und Decken im Innenbereich, Einteilung», Ausgabe November 2022. [2] Für eine Fassade ist sie damit nicht die zuständige Norm.

Zuständig ist die Reihe SN EN 1062. Der Katalog führt ihren ersten Teil als «Coating materials and coating systems for exterior masonry and concrete, Part 1: Classification», Ausgabe Juli 2004, dazu weitere Teile für einzelne Eigenschaften: Teil 3 für die Wasserdurchlässigkeit, Ausgabe März 2008, Teil 6 für die Kohlenstoffdioxid-Diffusion, Ausgabe Juli 2002, und Teil 7 für die rissüberbrückenden Eigenschaften, Ausgabe Juni 2004. [1] Das sind vier eigene Normen für vier Eigenschaften, die eine Innenfarbe nie beweisen muss.

Beide Familien sind Schweizer Übernahmen europäischer Normen. Das «SN» steht dabei für die Schweizer Fassung; die deutsche Übernahme derselben europäischen Norm heisst «DIN EN». [1][2] Wer auf einem Merkblatt «DIN EN 1062» liest, liest deshalb keinen Fehler des Betriebs, sondern die deutsche Bezeichnung derselben Sache. Wie das bei den Innenwerten aussieht, steht unter Nassabriebklasse.

Dieselbe Trennung zieht das Schweizer Bewertungssystem. Die Schweizer Stiftung Farbe führt für Fassadenfarben ein eigenes Ausführungsreglement, UE IV in der Version 2.5 von 2026, mit einer eigenen Liste der Produktegruppen: Dispersionsfarben, Silikatfarben, Dispersionssilikatfarben, Sol-Silikatfarben, Silikonharzfarben, Kalkfarben, Naturharzfarben, lösemittelhaltige Fassadenfarben, Isolierfarben, Grundierungen, Imprägnierungen und Hydrophobierungen, Lasuren für mineralische Untergründe und sonstige Fassadenfarben. [3] Die Liste für Wandfarben innen, Reglement UE I, führt daneben Leimfarben, Kaseinfarben, Lehmfarben und Schimmelschutzfarben, dafür weder Imprägnierungen noch Hydrophobierungen. [4]

Vier Farbtypen, die das Schweizer Reglement drinnen kennt, kommen in seiner Fassadenliste gar nicht vor, und zwei Gruppen gibt es nur draussen. [3][4] Auch das Bewertungssystem trennt die zwei Orte also, und nicht erst die Norm.

Was diese Etikette sonst bewertet, steht unter Umwelt-Etikette.

Was sd-Wert und w-Wert an zwei Schweizer Produkten aussagen

«Atmungsaktiv» ist keine Eigenschaft, die ein Prospekt behaupten muss; sie ist eine Zahl mit einer Klasse dahinter. Die Bosshard-Farben AG in Rümlang gibt für ihre ExpoSil Siliconharzfarbe, Stand 16. März 2026, eine Wasserdampfdurchlässigkeit nach DIN EN 1062 mit einem sd-Wert unter 0,10 Meter an und ordnet sie der Klasse V1 «hoch» zu; die Wasserdurchlässigkeitsrate nennt sie mit 0,05 kg/m² × h^0,5 und der Klasse W3 «niedrig». [7] Für die lösemittelhaltige Expoflex Fassadenmattfarbe derselben Herstellerin, Stand 13. Juni 2025, steht ein sd-Wert unter 0,4 Meter und die Klasse V2 «mittel», bei gleicher Klasse W3. [8]

Zwei Produkte, zwei Diffusionsklassen. Der sd-Wert beschreibt, wie dick eine Luftschicht wäre, die dem Wasserdampf denselben Widerstand entgegensetzt wie der Anstrich; je kleiner er ist, desto mehr Dampf lässt die Schicht durch. Der w-Wert beschreibt die Gegenrichtung, also wie viel flüssiges Wasser die Fläche aufnimmt. Eine Fassadenfarbe soll beides zugleich: wenig Wasser aufnehmen und viel Dampf durchlassen. Genau deshalb gibt es dafür zwei getrennte Kennwerte und nicht einen.

Was die Klassengrenzen sind, also was V1 von V2 trennt, steht im Normtext, und der ist bei der SNV kostenpflichtig. [1] Wir haben ihn nicht beschafft. Belegt sind hier die zwei Kennungen, so wie die Herstellerin sie für ihre zwei Produkte angibt, und der Umstand, dass sie sich unterscheiden.

Der Untergrund entscheidet mit, und zwar vor dem Farbton

Zwei Datenblätter desselben Herstellers, ausgegeben am selben Tag, zeigen den praktisch wichtigsten Unterschied. Greutol, ein Unternehmen der Fixit-Gruppe, schreibt zur Silikonharz-Fassadenfarbe GreoColor OptiSilc, Stand 7. August 2026, sie sei «diffusionsoffen» und «hoch wasserabweisend», geeignet auf organischen und mineralischen Untergründen und ausdrücklich «für wärmegedämmte Fassaden». [5] Zur Dispersions-Fassadenfarbe GreoColor UniXan, Stand desselben Tages, steht stattdessen: «Für verputzte Aussenwärmedämmung nur bedingt einsetzbar, nicht auf kalkgebundenen Untergründen und Sandstein.» [6]

Bevor du zwei Fassadenofferten nebeneinanderlegst, muss feststehen, ob dein Haus eine verputzte Aussenwärmedämmung hat: Derselbe Hersteller gibt seine Dispersionsfarbe darauf nur bedingt frei und seine Silikonharzfarbe ausdrücklich dafür. [5][6]

Das ist keine Aussage über Dispersionsfarben im Allgemeinen und keine über andere Hersteller. Es ist die Auskunft dieses Herstellers zu diesen zwei Produkten, und sie kehrt die übliche Reihenfolge um: Zuerst steht fest, was unter dem Anstrich sitzt, dann die Produktgruppe, dann der Farbton. Was eine verputzte Aussenwärmedämmung ist und wie sie in der Schweiz heisst, steht unter Aussenwärmedämmung; welche Lage darunter der Putz bildet, unter Aussenputz. Für die dunklen Farbtöne kommt an einer gedämmten Fassade eine eigene Grenze dazu, siehe Hellbezugswert.

Verbrauch und Wartezeit, zwei Zahlen fürs Blatt

Beide Greutol-Blätter nennen einen Verbrauch. Für die GreoColor OptiSilc sind es rund 0,25 Kilogramm je Quadratmeter und Anstrich bei einem Festkörpergehalt von rund 63 Prozent, für die GreoColor UniXan rund 0,3 Kilogramm. [5][6] Beide Werte gelten je Anstrich, nicht für den ganzen Aufbau; wer sie mit einer Angabe für zwei Anstriche vergleicht, vergleicht das Doppelte mit dem Einfachen. Was eine Verbrauchsangabe sonst wert ist, steht unter Deckkraft und Ergiebigkeit.

Die zweite Zahl betrifft den Termin. Das Blatt zur GreoColor OptiSilc hält fest: «Die Wartezeit bis zum zweiten Anstrich beträgt 24 Stunden», und ergänzt, je nach Temperatur und Luftfeuchte könne sich die Trocknungszeit verlängern; verdünnt werden darf mit höchstens 5 Prozent sauberem Wasser. [5] Eine Fassade mit zwei Anstrichen belegt das Gerüst also über Nacht, und dieser Tag steht in keiner Preiszeile. Ab welchen Temperaturen überhaupt gestrichen werden darf, steht unter Streichen bei Witterung.

Wenn nach dem Regen Streifen auf der Fassade stehen

Zwei Tage nach dem Gerüstabbau ziehen glänzende Streifen über die frische Fassade, senkrecht, und am Abbautag waren sie nicht da. Der Verdacht fällt auf den Betrieb, und er trifft nach den Datenblättern den Falschen.

Greutol schreibt zur GreoColor OptiSilc, bei Anstrichfilmen, die wegen trocknungsverzögernder Bedingungen wie hoher Luftfeuchtigkeit oder zu früher Regenbelastung nicht optimal abbinden, könne es zu «Emulgatoren-Ablaufspuren (Schneckenspuren)» kommen; das Phänomen entspreche dem Stand der Technik und stelle «keine Qualitätsbeeinträchtigung» dar. [5] Die Bosshard-Farben AG schreibt zur ExpoSil Siliconharzfarbe dasselbe in anderen Worten: Bei unvollständig durchgetrockneten Beschichtungen könnten wasserlösliche Hilfsstoffe durch Tau, Nebel, Spritzwasser oder Regen zu Ablaufspuren führen, eine Qualitätsminderung des Produktes liege nicht vor, und in der Regel verschwänden diese Effekte bei weiterer Bewitterung selbständig. [7]

Zwei Schweizer Hersteller, zwei Produkte, dieselbe Einordnung. Wer das vorher weiss, spart sich eine Reklamation; wer es nicht weiss, liest es zum ersten Mal in der Antwort darauf. Welche Massstäbe für eine Farbreklamation sonst gelten, steht unter Farbabweichung, was an einer Fassade nach Jahren wächst, unter Algenbefall.

Offengelegte Schwächen

Abgerufen am 13. August 2026, entsprechend dem Recherchestand der zugrunde liegenden Faktengrundlagen. Vier der acht Quellen sind Angaben von Herstellern zu ihren eigenen Erzeugnissen; sie gelten nicht für andere Produkte. Der Text der Normen SN EN 1062 und SN EN 13300 ist kostenpflichtig und lag diesem Eintrag nicht vor; belegt sind daraus Bezeichnung, Ausgabe und Regelungsgegenstand aus dem Normenkatalog. Scharfes S ist in Zitaten nach der Schreibregel dieses Projekts durch ss ersetzt, der Wortlaut sonst unverändert übernommen.

Was davon auf deine Offerte gehört

Drei Angaben machen zwei Blätter vergleichbar. Erstens der Produktname, denn an ihm hängen sd-Wert, w-Wert, Verbrauch und die Untergrundfreigabe; eine Zeile «Fassadenfarbe, zweimal streichen» nennt keinen davon. Zweitens der Untergrund samt der Angabe, ob eine Aussenwärmedämmung darunter sitzt, weil danach die halbe Produktauswahl entfällt. [5][6] Drittens die Zahl der Anstriche, weil der Verbrauch je Anstrich gilt und die Wartezeit dazwischen den Termin bestimmt. [5]

Steht auf einem Blatt eine Bindemittelgruppe statt eines Produkts, lohnt die Rückfrage. Zwischen Dispersionsfarbe und Silikatfarbe liegen an derselben Wand verschiedene Freigaben, und für die Kalkfarbe stuft das Reglement UE IV die Eignung im Aussenbereich sogar selbst als eingeschränkt ein. [3]

Verwandte Begriffe

Quellen

  1. SNV Schweizerische Normen-Vereinigung: Normenshop connect.snv.ch, Katalogeinträge der Reihe SN EN 1062: SN EN 1062-1:2004 «Paints and varnishes, Coating materials and coating systems for exterior masonry and concrete, Part 1: Classification», Ausgabe Juli 2004, Status «Aktuell», CHF 63.00; SN EN 1062-3:2008 (Wasserdurchlässigkeit), SN EN 1062-6:2002 (Kohlenstoffdioxid-Diffusionsstromdichte), SN EN 1062-7:2004 (rissüberbrückende Eigenschaften). Katalogdaten der Schweizer Normungsorganisation. Der Normtext selbst wurde nicht beschafft.
  2. SNV Schweizerische Normen-Vereinigung: Normenshop, Katalogeintrag SN EN 13300:2022 «Beschichtungsstoffe, Wasserhaltige Beschichtungsstoffe und Beschichtungssysteme für Wände und Decken im Innenbereich, Einteilung», Ausgabe November 2022, Status «Aktuell», CHF 49.00, ersetzt die Ausgabe 2001. Derselbe Katalog führt daneben die deutsche Übernahme DIN EN 13300:2023 als eigenes Produkt. Katalogdaten. Hier allein für den Regelungsgegenstand «Innenbereich» und für die Doppelführung SN und DIN verwendet.
  3. Schweizer Stiftung Farbe: «Ausführungsreglement Umwelt-Etikette UE IV, Fassadenfarben», Version 2.5, Ausgabe 2026. Schweizer Primärquelle. Verwendet sind die Produktegruppen aus Abschnitt 2.2 und die Einstufungsregel für Kalkfarben im Aussenbereich aus Abschnitt 2.3.8.
  4. Schweizer Stiftung Farbe: «Ausführungsreglement Umwelt-Etikette UE I, Wandfarben innen», Version 4.4, gültig ab 1.1.2026. Schweizer Primärquelle. Hier allein für die Produktegruppen aus Abschnitt 2.2 verwendet, also für den Vergleich der zwei Listen.
  5. Greutol, ein Unternehmen der Fixit-Gruppe: Technisches Merkblatt «GreoColor OptiSilc, Silikonharz-Fassadenfarbe», Dokumentkennung «Technisches Merkblatt (TM) | DE | 07.08.2026», 3 Seiten. Herstellerangabe eines Schweizer Herstellers zu einem benannten Erzeugnis. Verbrauch, Wartezeit, Verdünnung, Untergrundfreigabe und der Satz zu den Emulgatoren-Ablaufspuren gelten für dieses Produkt.
  6. Greutol: Technisches Merkblatt «GreoColor UniXan, Dispersion-Fassadenfarbe», Dokumentkennung «TM | DE | 07.08.2026», 3 Seiten. Herstellerangabe zu einem benannten Erzeugnis. Der Satz zur verputzten Aussenwärmedämmung, zu kalkgebundenen Untergründen und zu Sandstein gilt für dieses Produkt und nicht für Dispersionsfarben allgemein.
  7. Bosshard-Farben AG: Ifangstrasse 97, 8153 Rümlang, Technisches Merkblatt TM065 «ExpoSil Siliconharzfarbe», Dokumentkennung «39520 ExpoSil Siliconharzfarbe / 16.03.26». Herstellerangabe zu einem benannten Erzeugnis. Die Klassenkennungen V1 und W3 stehen dort als Angaben nach DIN EN 1062; die Herstellerschreibweise DIN statt SN ist im Text eingeordnet.
  8. Bosshard-Farben AG: Rümlang, Technisches Merkblatt TM186 «Expoflex Fassadenmattfarbe», Dokumentkennung «32510 Expoflex Fassadenmattfarbe / 13.6.25». Herstellerangabe zu einem benannten Erzeugnis, einer lösemittelhaltigen Kunstharz-Fassadenfarbe. Hier allein für den sd-Wert und die Klasse V2 verwendet.

Stand und Verantwortung

Inhaltlich geprüft am 14. August 2026. Verantwortlich: Redaktion malerofferte.ch.

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Kein Frankenbetrag steht auf dieser Seite, weil uns keine eigenen Preisdaten zu Fassadenfarben vorliegen. Verdient wird bei uns an Anfragen, die Bauherrschaften über unser eigenes Vergleichsportal an Malerbetriebe richten, und der Rat, den Produktnamen und den Untergrund als eigene Zeilen zu verlangen, nützt deshalb auch uns. Preise aus kommerziellen Vergleichsportalen übernehmen wir nur mit Quelle und mit dem Hinweis, dass wir derselben Gattung angehören.

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